ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2009Börsebius: Real life Washington

GELDANLAGE

Börsebius: Real life Washington

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Barack Obama soll richtig sauer gewesen sein. Da hatte der neue US-Präsident mit Zähnen und Klauen sein gewaltiges Konjunkturpaket vor dem Repräsentantenhaus verteidigt und mit nur leichten Abstrichen auch durchgebracht. Knapp 800 Milliarden Dollar – im Grunde gewaltige, unvorstellbare Summen – stehen also nun parat, dem siechen Finanzsystem und schwankenden Unternehmen auf die Beine zu helfen. Die Börsen hatten also gehorsamst zu jubilieren.

Und was passierte? Der Dow Jones fiel wie ein Stein nach unten, minus vier Prozent, die internationalen Börsen legten nach, am nächsten Handelstag erwischte es auch den deutschen Aktienindex DAX in ähnlichen Größenordnungen. Wie gesagt, Obama quittierte die Reaktion der bösen Finanzmärkte mit Wut und Ingrimm.

Real life Washington hat den US-Präsidenten offenbar schneller eingeholt, als ihm (und seinen Beratern) lieb war. Es reicht natürlich bei Weitem nicht aus, ein gewaltiges Konjunkturpaket durchzupauken und anschließend die Meriten einzustreichen. Wie es sich für jedes anständige Paket gehört, kommt es auf den Inhalt an.

Genau an dieser Stelle hapert es gewaltig, und eben deswegen ist die Reaktion der Marktteilnehmer berechtigt. So schön das US-Konjunkturpaket in seinen Dimensionen auf den ersten Anschein aussehen mag, so dilettantisch wurde es en détail zusammengeschustert, von wegweisenden strategischen Plänen keine Spur.

Vor allem Timothy Geithner, der neue US-Finanzminister, hat sich hier mit allem möglichen bekleckert, nur eben nicht mit Ruhm. Nachdem die Finanzmärkte wochenlang auf die konkrete Ausgestaltung des Konjunkturpakets warteten, hatte Geithner, immerhin Exnotenbankchef, noch nicht mal einen Zeitplan präsentieren können. Auf die brennende Kernfrage, wie die in den Bilanzen immer noch schlummernden toxischen Wertpapiere bereinigt werden, fehlt bis heute eine klare Ansage. Erst sollte eine Bad Bank kommen (sehr gut!), nun wieder nicht, oder irgendwie nicht, oder doch eher eine „Special Bad Bank“, an der sich private Investoren beteiligen, oder vielleicht hat doch noch irgendjemand eine bessere Idee? Alles einfach nur gruselig.

Zur selben Zeit verheddern sich aber auch hierzulande manche Politiker im Gestrüpp zwischen Geltungssucht und tumbem Kleingeist. Das Konjunkturpaket II ist – obgleich wie allerorten dringend Eile geboten ist – nach Wochen noch nicht unter Dach und Fach. Dabei geht es schlicht und ergreifend um die Rettung des Wirtschaftssystems und genau besehen um die nachhaltige Sicherung unser aller Wohlstands. Irgendwelche grünen Hinterwäldler wollen das Paket nicht durchwinken, weil nicht genügend ökologische Elemente enthalten seien. Wie bitte? Bei allem gebotenen Respekt vor den wichtigen Zielen und Motiven dieser Partei: It’s the economy, stupid!
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