SPEKTRUM: Leserbriefe

GKV: Eine Delikatesse

Collard, Hans-Thomas

Zu dem Kommentar von Prof. Dr. med. Fritz Beske in Heft 17/1997: "Transparenz um jeden Preis?"
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LNSLNS In den ersten Wochen nach der Lesung des zweiten GKV-Neuordnungsgesetzes überraschte mich in erster Linie die weitgehend fehlende Resonanz bei ärztlichen Kollegen und auch in der Standespresse auf diesen letzten gesetzgeberischen Amoklauf.
Man bedenke, daß das Gesetz uns aufgibt, zeitnah und unaufgefordert unsere sämtlichen Patienten schriftlich über die erbrachten Leistungen und entstandenen Kosten zu informieren (gedacht ist wohl an einen Zeitraum vier Wochen nach dem jeweiligen Quartalsabschluß). Der dabei zugrundegelegte Punktwert wird vermutlich mittels einer Kristallkugel zu bestimmen sein, die jedem Arzt - hoffentlich unentgeltlich - von seiner Kassenärztlichen Vereinigung zur Verfügung gestellt wird.
Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß ich wirklich der einzige bin, dem bei dem Gedanken schaudert, vier Wochen nach jedem Quartal etliche hundert Briefe derart brisanten Inhalts, möglichst mit dem nervenärztlichen Absender versehen, an meine psychiatrischen Patienten (durchaus sichtbar für ihre Familienangehörigen, Mitbewohner in der Hausgemeinschaft . . .) zu versenden.
Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig und wird wohl kurzfristig über uns kommen.
Wenn wir Kassenärzte aber in Zukunft viermal im Jahr zigtausendfach völlig sinnlos vom Patienten keineswegs gewünschte Behandlungsdaten verschicken werden, werden wir uns viermal im Jahr daran erinnern, daß es ein Angehöriger der Fraktion der Freien Demokraten namens Möllemann oder so ähnlich war, dessen Initiative uns diese Delikatesse beschert hat.
Dr. med. Hans-Thomas Collard, Nürnberger Straße 20, 63450 Hanau
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