ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Bildgebung für die Brustkrebsfrüherkennung: Bonner Studie falsch interpretiert
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LNSLNS Auch die Ergebnisse der Bonner Studie (1) wurden sinnentstellend zusammengefasst. Die Autoren formulieren, dass in dieser Studie behauptet würde, dass „… die MRT vorwiegend high grade DCIS (duktales Carcinoma in situ) zeigt und die Mammografie vorwiegend low grade DCIS“. Dass die Mammografie selbstverständlich viele high grade DCIS diagnostizieren hilft, ist seit vielen Jahren hinlänglich bekannt. Das Ergebnis dieser Studie war vielmehr, dass die Hälfte der high grade DCIS dem mammografischen Nachweis entgehen. Es ist unverständlich, dass die Autoren die unter Zitat 20 aufgeführte Arbeit als Gegenposition zur Bonner Studie anführen; die Ergebnisse dieser Studie sind vielmehr mit den Bonner Ergebnissen konkordant: Die MRT kann viele zusätzliche, mammografisch inapparente DCIS aufdecken.

Die Tabelle 1 und die Ausführungen zum additiven Ultraschall sind zwar sachlich richtig – aber doch sinnentstellend irreführend. Wie soll der Leser die Information, dass der Ultraschall „die Detektion von 4,2/1 000 Karzinome“ ermöglicht habe, einordnen, wenn nicht auch dargelegt wird, wie viele Karzinome durch die alleinige Mammografie gefunden wurden? So wird in Tabelle 1 (zur ACRIN 6666-Studie) (2) vermerkt, dass „8,8 % der Befunde nur durch Sonografie“ zu erkennen waren. Als Leser gewinnt man den Eindruck, dass hier nur ein marginaler Benefit entstanden sei. Tatsächlich wurden aber von den insgesamt 41 Karzinomen nur knapp die Hälfte, nämlich 20, durch die Mammografie allein entdeckt, während 12 weitere Karzinome nur durch den zusätzlichen Ultraschall diagnostiziert wurden. Das ist sicher kein marginaler Benefit. Neun weitere Karzinome waren im Übrigen weder mammografisch noch sonografisch zu diagnostizieren, sondern wurden als Intervallkarzinome klinisch ertastet – was das „Reservoir“ der mittels MRT noch zu diagnostizierenden Karzinome unterstreicht. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0145b

Prof. Dr. med. Hans H. Schild
Radiologische Klinik
Friedrich-Wilhlems-Universität Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25, 53105 Bonn
1.
Kuhl CK, Schrading S, Bieling HB et al.: MRI for diagnosis of pure ductal carcinoma in situ: a prospective observational cohort study. Lancet 2007; 370: 485-92 MEDLINE
2.
Berg WA, Blume JD, Cormack JB et al.: ACRIN 6666 Investigators. Combined screening with ultrasound an mammography vs. mammography alone in women at elevated risk for cancer. JAMA 2008; 299(18): 2151–63. MEDLINE
3.
Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Heindel W, Katalinic A: Imaging studies of the early detection of breast cancer [Bildgebung für die Brustkrebsfrüherkennung]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31–32): 541–7. VOLLTEXT
1. Kuhl CK, Schrading S, Bieling HB et al.: MRI for diagnosis of pure ductal carcinoma in situ: a prospective observational cohort study. Lancet 2007; 370: 485-92 MEDLINE
2. Berg WA, Blume JD, Cormack JB et al.: ACRIN 6666 Investigators. Combined screening with ultrasound an mammography vs. mammography alone in women at elevated risk for cancer. JAMA 2008; 299(18): 2151–63. MEDLINE
3. Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Heindel W, Katalinic A: Imaging studies of the early detection of breast cancer [Bildgebung für die Brustkrebsfrüherkennung]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31–32): 541–7. VOLLTEXT

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