ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2009Vernetzung: Kommunikation erfordert Standards

SUPPLEMENT: PRAXiS

Vernetzung: Kommunikation erfordert Standards

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Um neue Kooperationsmodelle in der Versorgung umzusetzen, ist ein Ausbau der IT-gestützten Kommunikation über die Sektorengrenzen hinweg notwendig.

Foto: Cisco
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Wir brauchen innovative Konzepte zum Versorgungsmanagement chronisch kranker, multimorbider Patienten“, erklärte Prof. Dr. Volker Amelung, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbandes Managed Care e.V., beim Workshop „eVernetzung innerhalb moderner Kooperationsmodelle in der medizinischen Versorgung“ in Berlin*. Kommunikation, Koordination und IT seien wesentliche Voraussetzungen, um eine gesteuerte Versorgung, die nicht nach dem Zufallsprinzip funktiere, umzusetzen. Doch angesichts des Tempos, mit dem sich das Gesundheitssystem derzeit verändere, sei die Entwicklung entsprechender Konzepte nicht einfach.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) arbeitet bereits seit mehreren Jahren an strategischen Allianzen und Partnerschaften, um die starren Sektorengrenzen vor allem zwischen dem ambulanten und stationären Bereich zu überwinden. Inzwischen habe man einige Kooperationsvereinbarungen mit bundesweit tätigen Klinikbetreibern abgeschlossen und erhalte zunehmend mehr Anfragen, berichtete Dorothy Mehnert, Referat Krankenhaus.

Strategische Allianzen
Den Anfang machte im Jahr 2005 ein Vertrag mit den Sana-Kliniken und elf Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen); Kooperationen mit den SRH-Kliniken sowie mit der Damp Holding, dem Rhön-Klinikum und den Schmieder-Kliniken folgten mit dem Ziel, das Schnittstellenmanagement zwischen den Sektoren zu verbessern und den Informationsaustausch zu beschleunigen. Zwar seien für Letzteres viele verschiedene lokale Lösungen bereits vorhanden, diese jedoch häufig nicht auf andere Gegebenheiten übertragbar, so Mehnert. „Wir brauchen ein standardisiertes Vorgehen“, ist die KBV-Expertin überzeugt.

Zusätzlich zur Kommunikationsplattform D2D (Doctor to Doctor) und dem geschützten Onlinenetzwerk „KV-Safenet“ – beides Entwicklungen, die von den KVen für die Kommunikation der niedergelassenen Ärzte vorangetrieben worden sind und inzwischen in vielen, jedoch nicht allen KVen eingesetzt werden – setzt die KBV jetzt auch auf die elektronische Fallakte (eFA). Dabei handelt es sich um ein Projekt, das ursprünglich für den einrichtungsübergreifenden Datenaustausch im stationären Bereich entwickelt worden ist. „Wir wollen künftig die eFA auch als Mehrwertanwendung anbieten“, erklärte Mehnert. Die vom Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft und privater Klinikketten entwickelte eFA soll als Standard für den interoperablen Austausch sämtlicher Daten zu einem Behandlungsfall zwischen den beteiligten Ärzten etabliert werden – unter Einbezug auch der Niedergelassenen. Der Vorteil: „Behandelnde Ärzte müssen nicht unzählige historische Dokumente lesen, sondern erhalten eine fokussierte Sicht auf den Fall“, betonte Mehnert. Über ihre Praxisverwaltungssysteme könnten Ärzte freigeschaltete Patientendaten aus der Fallakte des Krankenhauses einsehen und beispielsweise auch Röntgenbilder als Dateianhänge betrachten.

Infrastruktur fehlt häufig
Im Projekt „eKommunikation“ will die KBV darüber hinaus den standardisierten elektronischen Arztbrief vorantreiben. So erprobt sie gemeinsam mit den Sana-Kliniken an den Standorten Remscheid, Stuttgart und Berlin speziell den elektronischen Entlassbrief, orientiert an den Bedürfnissen der niedergelassenen Ärzte. Ein Ziel ist beispielsweise, dass der niedergelassene Arzt den Medikationsplan am Tag der Entlassung des Patienten erhält. Die fehlende technische Infrastruktur ist dabei oft eine große Hürde. Für Praxen ohne ISDN/DSL-Anschluss hat Vodafone eine Lösung in Form einer geschlossenen UMTS-Box entwickelt, die eine sichere VPN-Verbindung zwischen den Kommunikationspartnern ermöglicht. Noch arbeiten jedoch viele Praxen mit Systemen, die kein D2D unterstützen. Ein Problem stellt häufig auch die mangelnde Akzeptanz der Anwender dar – die vorhandene Technik wird schlicht nicht genutzt, weil sinnvolle Geschäftsmodelle fehlen.

Dennoch schreitet die Vernetzung voran, und viele neue Wege werden erprobt, um etwa eine qualitativ hochwertige gesundheitliche Versorgung auch in abgelegenen Regionen sicherzustellen. Dr. med. Klaus Juffernbruch von Cisco stellte ein innovatives Konzept zur telemedizinischen Patientenbetreuung vor, das seit Anfang 2008 am Aberdeen Royal Infirmary in Schottland erprobt wird. Das Krankenhaus nutzt bereits seit mehreren Jahren Videokonferenzsysteme, um die 15 Krankenhäuser in der Region zum Beispiel bei Notfällen per Telekonsil zu unterstützen. „Cisco HealthPresence“ kombiniert Video, Audio und Callcenter-Technologie mit medizinischen Informationen über ein hochsicheres Netzwerk. Durch die Einbindung der Videokonferenzlösung „TelePresence“ ermöglicht sie ein virtuelles Gespräch von Angesicht zu Angesicht über einen großen Monitor mit Full-HD-Auflösung, auch wenn Arzt und Patient weit voneinander entfernt sind. Das System ist zusätzlich mit Schnittstellen für medizinische Diagnosegeräte wie Stethoskop und Otoskop sowie einem Monitor zur Anzeige von Blutdruck, Temperatur, Pulsrate und Pulsoximetrie ausgestattet – alles untergebracht in einer speziellen Kabine.

Das Pilotprojekt wird gemeinsam mit dem Scottish Centre for Telehealth und dem National Health Service Scotland durchgeführt. Die Partner prüfen derzeit die Eignung der Lösung unter anderem hinsichtlich der Betriebssicherheit und der sicheren Diagnosestellung. Untersucht wird auch, wie zufrieden Patienten und Ärzte damit sind. Bislang seien die Tests erfolgreich verlaufen, berichtete Juffernbruch: „Bis zu 90 Prozent der Krankheitsbilder lassen sich sicher über das System diagnostizieren. Auch die Patienten sind begeistert, denn über das System sehen und hören sie erstmals genau das, was auch der Arzt hört oder sieht, etwa beim Blick in den Rachen oder beim Abhören.“ Weltweit sind weitere Tests geplant. So hat etwa die Schweiz Interesse angemeldet, „TelePresence“-Kabinen in nicht ausgelasteten Postfilialen unterzubringen – immerhin ist dort ein Internetanschluss vorhanden.
Heike E. Krüger-Brand


* gemeinsam veranstaltet vom Berufsverband Managed Care und dem ZTG – Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen, siehe www.ztg-nrw.de
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