ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPRAXiS 1/2009Sportzertifikate: Plus mit der Bundesliga

Supplement: PRAXiS

Sportzertifikate: Plus mit der Bundesliga

Dtsch Arztebl 2009; 106(9): [24]

Jobst, Peter

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Foto: ddp
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Sportwetten sind in Deutschland wegen des Glücksspielmonopols des Staates ein heikles Thema. Eine Alternative wurde von der Handelsplattform Tradegate geschaffen.

Als die Aktie von Borussia Dortmund im Jahr 2000 an die Börse gebracht wurde, herrschte unter Fußballfans Aufregung: Das Papier des Bundesligavereins – so die Erwartungen – könne sich bei entsprechendem Erfolg der Mannschaft zu einem „Highflyer“ der Börse entwickeln. Doch bald schon machte sich Ernüchterung breit, und heute kostet die einstmals fast zehn Euro teure Aktie nur noch rund einen Euro. Nicht viel anders erging es ausländischen Spitzenvereinen mit Börsennotierung wie AS Rom oder Juventus Turin. Das Thema „Sport“ war damit für Börsianer zunächst einmal abgehakt.

Mittlerweile hat sich jedoch die österreichische Extra Sportwetten AG, eine Tochtergesellschaft der Berliner Börse, etwas Neues einfallen lassen. Das Unternehmen, das über eine österreichische Lizenz zum Anbieten von Sportwetten verfügt, offeriert Zertifikate, deren Rückzahlung an bestimmte Ereignisse – hier Fußballplatzierungen – gekoppelt ist. Sie werden an der Berliner Börse gehandelt, die renommierte Tradegate AG stellt als Skontroführer aktuelle An- und Verkaufskurse, daneben ist auch ein direkter Handel mit dem Emittenten möglich. An der Frankfurter Börse sind die Papiere indes nicht mehr gelistet, nachdem die hessische Börsenaufsicht hier den Verdacht illegalen Glücksspiels gesehen hat.

Offeriert werden drei Varianten: Bei den Meisterzertifikaten – angeboten für die 1. Bundesliga, den DFB-Pokal und die Champions League – liegt der Rückzahlungspreis zum Ende der Laufzeit bei 100 Euro je Zertifikat, wenn die betreffende Mannschaft den Titel holt. Ist dies nicht der Fall, ist der gesamte Einsatz verloren. Es handelt sich mithin um eine klassische Siegwette, bei der es um „alles oder nichts“ geht. Der Kurs der Papiere richtet sich nach der Favoritenlage: Wer etwa auf Bayern München setzt, zahlt aktuell 76 Euro für das Papier, Zertifikate auf Hannover 96 oder den VfL Bochum werden für wenige Cent gehandelt.

Bei den Platzierungszertifikaten für die 1. Bundesliga erfolgt ebenfalls eine Rückzahlung von 100 Euro, wenn die Mannschaft den Titel erreicht. Ist dies nicht der Fall, erhält der Anleger je nach Platzierung der Mannschaft zwischen 95 und 30 Euro (2. bis 15. Platz), lediglich bei Platz 16 bis 18 gehen die Anleger leer aus. Die Risiken sind mithin geringer, dafür kosten die Papiere auch mehr als die Meisterzertifikate. Hier wird Bayern München derzeit mit 96 Euro gehandelt, Energie Cottbus hingegen nur noch mit 29 Euro.

Bei den Top-3-Platzierungszertifikaten, die es für die 2. Bundesliga gibt, erfolgt immer dann die Rückzahlung von 100 Euro, wenn die gewählte Mannschaft unter den ersten drei der Abschlusstabelle rangiert. Hier zahlt der Anleger für ein Papier auf den FSV Mainz 05 stolze 85 Euro, auf Hansa Rostock indes nur 15 Euro.

Der Vorteil der Zertifikate gegenüber Sportwetten liegt vor allem in der Flexibilität: Anleger können, wenn sie das Vertrauen in „ihre“ Mannschaft verloren haben, den Titel problemlos verkaufen. Nachteilig ist der Spread von bis zu 30 Prozent der Anlagesumme, der erst einmal verdient werden will. Infolge der Einstufung als Zertifikate ist der Gewinn zudem nach allgemeiner Rechtsauffassung steuerpflichtig. Risiken bestehen schließlich auch in Hinblick auf die Bonität des Emittenten.

Dies zeigt: Sportzertifikate stellen letztlich eine Wette auf einen Fußballverein dar – mit vergleichsweise hohen Risiken, aber auch Kosten. Mit einer klassischen Geldanlage haben sie jedoch trotz Börsennotierung und Abwicklung über Finanzdienstleister wenig zu tun. Peter Jobst
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