ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1997Hepatitis B: Kassen haben recht

SPEKTRUM: Leserbriefe

Hepatitis B: Kassen haben recht

Feist, Dietrich

Zu dem Akut-Beitrag "Hepatitis-B-Impfung für Kinder erstatten - Empfehlung der STIKO" von Prof. Dr. med. Meinrad A. Koch in Heft 15/1997
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LNSLNS Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Zweifellos dürfte es mit großzügiger Impfung aller kindlicher Altersstufen am schnellsten gelingen, die Hepatitis B auszurotten. Die im Oktober 1995 zwischen der STIKO und den meisten gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen getroffene Vereinbarung, die Hepatitis-BImpfung in den Impfkalender für Säuglinge und präpubertäre Jugendliche auf Kosten der Kassen aufzunehmen, entsprach einer WHO-Empfehlung für Länder mit niedrigem Infektionsrisiko. Folgende Gründe sprechen für die bevorzugte Impfung dieser beiden Altersstufen:
! Säuglinge sind im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen und anläßlich der anderen üblichen Impfungen besonders gut erreichbar.
! Durch die Impfung im Säuglingsalter werden vor allem chronische Verläufe, deren Komplikationen und die spätere Übertragung auf Intimpartner verhütet.
! Die Impfung der Jugendlichen soll diese schützen, bevor sie der Gefährdung durch Sexualkontakte ausgesetzt werden.
Prof. Koch wendet sich in seinem Beitrag dagegen, daß Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen die Kostenerstattung für die HB-Impfung außerhalb der im Impfkalender vereinbarten Zeiten häufig verweigern. Er kritisiert dieses Verhalten als Fehlinterpretation der STIKO-Empfehlungen: Da es deren erklärtes Ziel sei, möglichst früh einen möglichst umfassenden Impfschutz zu erreichen, sollten versäumte Impfungen so früh wie möglich nachgeholt werden. Zur Begründung seiner These zitiert Koch die Fußnote zu "Tabelle eins: Impfkalender für Säuglinge, Kinder und Jugendliche", in der es heißt: "Abweichungen von den vorgeschlagenen Terminen sind möglich und unter Umständen notwendig." Da die Beachtung dieser Empfehlung in der Vergangenheit nie zu Problemen mit den Kostenträgern geführt hat, findet Koch das davon abweichende Vorgehen einiger Kostenträger im Fall der Hepatitis-B-Impfung neu und nicht verständlich.
Meines Erachtens ist das Verhalten der Kostenträger aber sehr wohl verständlich, wenn man die Kosten der Hepatitis-B-Impfung mit den Kosten aller anderen im Impfkalender empfohlenen Impfungen vergleicht. So liegt der Gesamtpreis aller Impfstoffe, die zur kompletten Immunisierung eines Säuglings gegen Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae b, Masern, Mumps, Röteln und Tuberkulose benötigt werden, unter 300 DM, während allein drei Dosen einer speziellen Kindervakzine gegen Hepatitis B über 300 DM kosten. Allein im Säuglingsalter werden also durch die Einführung der Hepatitis-B-Impfung in den Impfkalender die jährlichen Kosten von derzeit zirka 300 Millionen auf über 600 Millionen DM steigen. Wie hoch die Kosten für die Hepatitis-B-Impfung der Adoleszenten sein werden, ist noch offen, da sich die Erfaßbarkeit dieser Gruppe noch nicht abschätzen läßt.
Obwohl man Koch also zustimmen muß, daß es nicht dem Anliegen der STIKO-Empfehlungen entspricht, wenn Impfversäumnisse außerhalb der im Impfkalender vereinbarten Zeiten nicht ausgeglichen werden dürfen, haben andererseits die Kassen recht, wenn sie sich weigern, die Kosten für Altersstufen zu tragen, für die keine vertragliche Verpflichtung besteht. So sind ja auch die Kosten der Reiseimpfungen gegen Hepatitis A und B nicht von den Kassen zu tragen, obwohl sie das gleiche epidemiologische Ziel wie die Regelimpfungen haben.
Prof. Dr. med. Dietrich Feist, Trajanstraße 21a, 68526 Ladenburg
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