ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Tibolon erhöht Rezidivrisiko nach Brustkrebs

AKTUELL: Akut

Tibolon erhöht Rezidivrisiko nach Brustkrebs

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Behandlung klimakterischer Beschwerden mit dem synthetischen Steroidhormon Tibolon erhöht das Risiko von Rezidiven eines Mammakarzinoms. Dies ergab eine randomisierte Studie des Herstellers (Schering-Plough) in „Lancet Oncology“ (2009; 10: 135–46). Sie unterstreicht die bestehende Kontraindikation bei Brustkrebspatientinnen. Mit der LIBERATE(Livial Intervention Following Breast Cancer; Efficacy, Recurrence and Tolerability Endpoints)-Studie wollte der Hersteller zeigen, dass die Therapie mit Tibolon sicher ist.

Brustkrebspatientinnen leiden häufig als Folge der therapieinduzierten Menopause unter klimakterischen Beschwerden. Zu ihr kommt es, wenn prämenopausale Frauen eine östrogenblockierende Hormontherapie erhalten oder die Ovarien chirurgisch entfernt wurden. Ziel ist es in beiden Fällen, die Östrogene als mögliche Ursache eines erneuten Krebswachstums auszuschalten. Die Einschlusskriterien der LIBERATE-Studie waren allerdings weiter gefasst. Voraussetzung war lediglich, dass die Frauen postmenopausal waren und an klimakterischen Beschwerden litten.

Dass Tibolon in der Dosis von 2,5 mg/die die Wechseljahrsbeschwerden lindern kann, steht außer Zweifel und konnte in der Studie erneut belegt werden, wie Peter Kenemans vom niederländischen VU University Medical Center in Amsterdam und Mitarbeiter ausführen. Dennoch verbietet sich die Verordnung an die Patientinnen mit einem Mammakarzinom (in der Studie in den Stadien T1–3, N0–2, M0), denn die Rate der Brustkrebsrezidive war unter den 1 556 mit Tibolon behandelten Frauen nach median 3,1 Jahren mit 15,2 Prozent um mehr als ein Drittel höher als im Placeboarm, in dem 10,7 Prozent von 1 542 Frauen ein Rezidiv erlitten. Hinzu kommt, dass 70 Prozent der Rezidive im Tibolon-Arm Fernmetastasen waren, deren Prognose in der Regel infaust ist.

Die Autoren weisen zwar auf einige Schwachstellen der Studie hin. Es fehle eine Analyse der Risikofaktoren und detaillierte Untersuchungen der Primärtumoren, was für eine Subgruppe von Patientinnen vielleicht ein Indikationsfenster offen gelassen hätte. Auch sei die Anwendung von Tamoxifen heute nicht mehr so verbreitet wie zur Zeit der Studie (zwei Drittel der Teilnehmerinnen). Dennoch ist die Konsequenz der Studie klar. Sie besteht nach Ansicht der Autoren in einer Kontraindikation bei bestehendem oder früherem Brustkrebs beziehungsweise bei einem entsprechenden Verdacht, wie dies bereits in den deutschen Fachinformationen dargelegt ist. Rüdiger Meyer
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