ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Servicewettbewerb: „Fragen Sie Ihre Krankenkasse!“

POLITIK

Servicewettbewerb: „Fragen Sie Ihre Krankenkasse!“

Dtsch Arztebl 2009; 106(9): A-380

Rieser, Sabine

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LNSLNS Ulla Schmidt fordert: Jetzt, da alle Kassen gleich viel Geld erhalten, müssen sie sich zu echten Dienstleistern wandeln. Manche Kasse meint: Das sind wir schon.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker – das kennt man. „Fragen Sie Ihre Krankenkasse“ – das ist neu. Unter dieser Überschrift hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt (SPD) zusammen mit der Stiftung Warentest und dem Verbraucherzentrale-Bundesverband eine Informationskampagne zum Servicewettbewerb der Kassen gestartet. Auf einer Karte, so groß wie ein Personalausweis, sind neun Kriterien aufgelistet, die wesentliche Hinweise auf einen guten Kassenservice geben können: „Gute Erreichbarkeit“, „Hilfe bei der Vermittlung von Arztterminen“, „attraktiver Hausarzttarif“ oder auch „gute Angebote für chronisch Kranke“.

Neun Millionen Karten sollen bundesweit verteilt werden. Darüber hinaus haben die Partner eine Broschüre entwickelt und Informationen auf ihren Internetseiten zusammengestellt. „Mit Einführung des Gesundheitsfonds erhalten die Kassen für gleichartige Versichertengruppen gleich viel Geld. Auf dieser fairen Grundlage starten sie nun in den Wettbewerb um gute Qualität und besten Service“, erklärte Schmidt bei der Vorstellung der Aktion. „Die Krankenkasse wird zum echten Dienstleister, der sich um die Versicherten mit ihren individuellen Bedürfnissen kümmern muss.“

Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale-Bundesverbands, sagte, der Wettbewerb der Kassen untereinander müsse angeregt werden. Billen weiß natürlich, dass rund 95 Prozent aller Kassenleistungen identisch sind, aber: „Jetzt wird es interessant, sich die restlichen fünf Prozent anzugucken.“

Man sei „für den Wettbewerb bestens gerüstet“, erklärte der AOK-Bundesverband umgehend. Er verweist auf sein Geschäftsstellennetz mit mehr als 1 200 Filialen, die medizinische Infohotline Clarimedis, ein umfangreiches Internetangebot sowie die Wahltarife.

Lob für die Kampagne kommt von der Gmünder Ersatzkasse. „Das Serviceangebot ist seit Jahren konsequent auf die Anliegen unserer Versicherten ausgerichtet“, sagt GEK-Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Seit einem Jahr biete man ein Wartezeitenmanagement: Wer keinen zeitnahen Termin bei einem Facharzt erhalte, könne Kontakt zu „Wartezeitmanagern“ der GEK aufnehmen. Pro Monat fragten rund 600 Versicherte nach. Die Vermittlungsquote soll bei 75 Prozent liegen.

Kurz vor Ulla Schmidts Auftritt mit der Servicekarte präsentierte sich in der Hauptstadt auch die Techniker-Krankenkasse (TK) als servicebewusster Anbieter. Arzttermine innerhalb von fünf Werktagen, Wartezeiten von maximal 30 Minuten, eine fachübergreifende medizinische Behandlung unter einem Dach – damit wirbt die TK nun auch in Berlin. Dort hat sie ihr inzwischen viertes Medizinisches Versorgungszentrum Atrio-Med eröffnet, das sie in Kooperation mit der Firma Health Care Managers GmbH betreibt. Drei sind bereits in Köln, Hamburg und Leipzig gestartet, zwei weitere sollen demnächst in Nürnberg und München entstehen.

Bei Atrio-Med arbeiten angestellte Ärzte verschiedener Fachrichtungen mit Ausnahme von Hausärzten unter einem Dach. Der TK-Vorstandsvorsitzende, Prof. Dr. Norbert Klusen, verwies darauf, dass zahlreiche Versicherte seines Unternehmens nicht wochenlang auf einen Facharzttermin warten wollten. Viele seien freiwillig versichert und könnten auch zu einer privaten Kran­ken­ver­siche­rung wechseln. Ihnen, deutete Klusen an, müsse man eine gute medizinische Versorgung ohne lange Wartezeiten bieten: „Der Versicherte muss spüren, dass wir uns für ihn einsetzen.“
Sabine Rieser
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