ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Arzneimittel-Sicherheitsgurt: Online-Risikocheck in Österreichs Apotheken

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Arzneimittel-Sicherheitsgurt: Online-Risikocheck in Österreichs Apotheken

Krüger-Brand, Heike E.

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Foto: Siemens
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Die elektronische Arzneimitteldokumentation zur Vermeidung von Doppel- und Fehlmedikationen soll als Anwendung der E-Card landesweit ausgerollt werden.

Während in Deutschland die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte nicht vom Fleck kommt, scheint man in Österreich bei der Realisierung von Telematikanwendungen erfolgreicher zu sein: 2005 wurde dort die E-Card als Ersatz des Papierkrankenscheins eingeführt, eine Chipkarte mit administrativen Daten, die als Schlüssel zum Gesundheitssystem dient. Gleichzeitig wurden Ärzte, Krankenhäuser und Sozialversicherungen miteinander über ein hochsicheres Datennetz (Gesundheitsinformationsnetz) verbunden. Doch auch beim südlichen Nachbarn läuft nicht alles reibungslos.

Streit gibt es derzeit um das Projekt „Arzneimittel-Sicherheitsgurt“. Dieses sieht vor, auch die rund 1 200 Apotheken in das E-Card-System zu integrieren und mit Lesegeräten, Konnektoren und entsprechender Software auszustatten. Patienten könnten künftig auf Wunsch mittels E-Card ihre Verordnungen in der Apotheke auf mögliche Wechselwirkungen überprüfen lassen. Dazu werden ihre verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Medikamente in einer zentralen Arzneimitteldatenbank gespeichert. Die Daten werden verschlüsselt und elektronisch signiert über das Gesundheitsinformationsnetz übertragen. Ein Zugriff auf die Daten ist nur mit der Karte des Versicherten möglich. Bei mehrfach verschriebenen Medikamenten oder unerwünschten Wechselwirkungen schlägt das System Alarm. Betreiber der Datenbank und der Softwareanwendung ist die Pharmazeutische Gehaltskasse, das Rechenzentrum der Apotheker. Datenschutzrechtlich ist das System freigegeben.

Vorangegangen war ein von den Apothekern finanziertes einjähriges Pilotprojekt in Salzburg, an dem 71 Apotheken und mehr als 9 000 Patienten teilgenommen hatten. Nach Angaben der Salzburger Apothekerkammer wurden dabei im Durchschnitt je Patient drei arzneimittelbezogene Probleme aufgedeckt. Bei 175 900 ausgegebenen Medikamenten gab es mehr als 26 000 Alarme. Jedes fünfte Medikament werde falsch, doppelt oder gar nicht eingenommen, so die Apothekenkammer.

Der Nutzen eines Risikochecks ist somit unbestritten. Kritik kommt jedoch von den Ärzten, die sich bei der Entwicklung des Systems übergangen fühlen. Erforderlich sei die elektronische Zusammenschau der verschriebenen Medikamente beim Arzt und der freiverkäuflichen Medikamente in der Apotheke, sagte eine Sprecherin der Österreichischen Ärztekammer. Weil die Ärzte bislang in die Prozesse nicht eingebunden seien, fehle der „Rückkanal“ zum Arzt. Dennoch sei man zuversichtlich, im Rahmen des E-Card-Arbeitskreises „eMedikation“ eine gemeinsame Lösung zu finden. Zu den wichtigsten Punkten, die ebenfalls noch zu klären sind, zählt die Finanzierung.
Heike E. Krüger-Brand
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