ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Zum neuen Jahr: Zwölf Prozent Beitragssatz reichen aus
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Herrn Stüwe stimme ich zu, dass sich die Mittelausstattung im Gesundheitswesen am medizinischen Bedarf orientieren muss. Der Bedarf aber muss sich an objektiven Kriterien orientieren. Dass Wünsche und Vorstellungen der Patienten nicht den tatsächlichen Bedarf beschreiben, ist klar, aber kann das Verständnis der niedergelassenen Ärzte und der Kliniken von medizinischem Bedarf als korrekt angesehen werden? Sicher auch nicht. Der Gesetzgeber hat uns einen groben Rahmen vorgegeben: Die Versorgung in der GKV soll notwendig, ausreichend und zweckmäßig sein. Selbstverständlich mit Blick auf das Finanzierbare, denn die Ärzteschaft macht sich lächerlich und disqualifiziert sich als Gesprächspartner der Gesundheitspolitik, wenn sie weiterhin ökonomischen Sachverstand ausblendet. Es ist eine Aufgabe der Ärzteschaft, die Vorgabe des SGB auszufüllen und Rationierungskriterien vorzuschlagen beziehungsweise Priorisierungsvorschläge zu machen. Der Ruf nach mehr Geld ist der falsche Weg. Damit einhergehend müssen auch Verwerfungen im System korrigiert werden (Über-, Unter- und Fehlversorgung), d. h., es werden Klinikabteilungen und Praxen schließen müssen sowie sich (vielleicht gleich um die Ecke) neue Versorgungsstrukturen bilden – bedarfsgerecht. Von Prof. Willich (Charité) stammt die Aussage, dass ein Drittel aller derzeit in Deutschland erbrachten Leistungen in der GKV nötig sind, ein weiteres Drittel ist mehr oder weniger notwendig, und ein Drittel ist völlig überflüssig . . . Notwendige, ausreichende und zweckmäßige Versorgung kommt auch mit zwölf Prozent Beitragssatz sehr gut aus . . . Warum sollen die Versichertengemeinschaft beziehungsweise (perspektivisch noch mehr) die Steuerzahler für unnötige oder weniger wichtige medizinische Leistungen aufkommen? Wir brauchen dringend Effizienzbewertungen für therapeutische und auch für diagnostische (!) medizinische Handlungen beziehungsweise eine Verbesserung der Indikationsqualität in Deutschland. Es ist nicht an der Zeit, ständig neue Forderungen nach mehr Geld zu stellen. Als Ärzteschaft sollten wir erstmal unsere Hausaufgaben machen . . .
Andreas Gänsicke, Sternstraße 28, 06886 Lutherstadt Wittenberg
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