ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Charité: Sehr angesehen und erfahren
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Mit Prof. Einhäupl hat die Charité einen wissenschaftlich sehr angesehenen und als Organisator erfahrenen Vorstandsvorsitzenden bekommen. Gratulation! Er und seine Mitarbeiter müssen jetzt die Fehlplanungen im Bereich der Berliner Universitätsmedizin nach der deutschen Wiedervereinigung, zu verantworten durch Politiker und hypertrophe medizinische Berater, ausbaden. Langfristig werden sich die drei großen klinischen Standorte Benjamin Franklin, Mitte und RVK angesichts der schwierigen Berliner Haushaltslage nicht halten lassen. Nachdem der Berliner Senat der Humboldt-Universität das neue RVK-Klinikum (zuvor zur Freien Universität gehörend) übereignet hat, hätte der Standort Mitte als klinisch-stationärer Bereich abgebaut werden müssen. Stattdessen hat man versucht, alle drei Standorte zu halten, überwiegend auf Kosten der Freien Universität, zum Teil mit Klinikdirektoren, die Chefs in allen drei Standorten sind. Es gibt jetzt drei hinsichtlich des Fächerspektrums erheblich „ausgedünnte“ Standorte. Manches klinische Fach, das für das universitäre Spektrum essenziell ist (Aus- und Weiterbildung von Studenten und Ärzten), verschwindet ganz aus dem Angebot, weil es über DRGs nicht voll finanzierbar ist. Essenzielle klinische Fächer wie Reproduktionsmedizin, Endokrinologie und Pulmonologie müssten teilweise aus dem Landeszuschuss für Forschung und Lehre und aus Überschüssen stationärer Bereiche, die über DRGs mehr Geld verdienen, finanziert werden. Schließlich verdienen die vorklinischen Institute auch kein Geld und müssen aus dem Landeszuschuss finanziert werden. Nachdem aufgrund einer weiteren Fehlentscheidung die exzellente Vorklinik der Freien Universität kürzlich abgebaut wurde, um jetzt mit viel zu hohem Kostenaufwand am Standort Mitte neu gebaut oder ergänzt zu werden, sollte man langfristig im Standort Mitte die Vorklinik, einige Ambulanzen und Forschungseinrichtungen belassen und den Rest verkaufen. Erst dann werden die vorhandenen Mittel ausreichen, um eine breite universitätsmedizinische Exzellenz zu erreichen, die heute nur noch an wenigen Stellen erkennbar ist. An den staatlichen Zuschüssen für die Hochschulmedizin Charité müsste sich auch das Land Brandenburg beteiligen, das als einziges deutsches Bundesland (abgesehen von dem kleinen Stadtstaat Bremen) keine medizinische Fakultät hat und ohne jeden finanziellen Aufwand von den Ausbildungskapazitäten der Charité profitiert.
Prof. Dr. med. Wolfgang Oelkers,
Hugo-Vogel-Straße 19, 14109 Berlin
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