ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Mammakarzinom: Langzeitdaten der adjuvanten Therapie

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Mammakarzinom: Langzeitdaten der adjuvanten Therapie

Böttger, Sabine

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LNSLNS Studien zu Anastrozol und Fulvestrant bei postmenopausalen Patientinnen mit frühem hormonsensiblem Tumor wurden beim Brustkrebs-Symposium in San Antonio, USA, vorgelegt.

Die Aromatasehemmer sind in der Therapie des Mammakarzinoms längst etabliert. Adjuvant hat Anastrozol bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs in der ATAC(Anastrozol Tamoxifen Alone or in Combination)-Studie upfront eine signifikante Senkung des relativen Rezidivrisikos für kontralaterale Tumoren erreicht. Nun hat die ABCSG-8-Studie gezeigt, dass Patientinnen auch vom sequenziellen Einsatz von Anastrozol profitieren. Und in der Palliation hat das reine Antiöstrogen Fulvestrant zu hohem klinischem Benefit mit lang anhaltender Remissionsdauer geführt.

Vorteil von Anstrozol auch in der adjuvanten Sequenz
Die Studie ABCSG 8 (1) (Austrian Breast and Colorectal Cancer Study Group) ist eine Switch-Studie, in der Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Mammakarzinom adjuvant entweder für fünf Jahre mit Tamoxifen behandelt oder nach zwei Jahren Tamoxifen für weitere drei Jahre auf Anastrozol umgestellt worden sind. Nach einer medianen Beobachtungszeit von 72 Monaten wurde beim 31. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) im Dezember 2008 die neue Analyse der ABCSG 8 vorgestellt. Diese zeigt auch erstmals bei einer sequenziellen (also von vornherein geplanten Umstellung) Therapie einen signifikanten Vorteil für Anastrozol von relativ 23 Prozent im Gesamtüberleben (Hazard-Ratio [HR] 0,77; p = 0,025).

Beachtlich sei, dass die Kurven direkt nach der Umstellung auf Anastrozol auseinanderlaufen, das heißt, die Patientinnen profitierten direkt nach der Umstellung von dem Aromatasehemmer, sagte Dr. Stefan Paepke (München) bei einer Post- SABCS-Pressekonferenz in Berlin. Das rezidivfreie Überleben konnte um 21 Prozent gesenkt werden (HR 0,79; p = 0,038). Paepkes Fazit: Der Aromatasehemmer Anastrozol hat in allen adjuvanten Studien eine konsistente und valide Datenlage zur Effektivität geliefert und ist auch in allen Studien immer besser als Tamoxifen, ob Upfront, Switch oder Sequenz.

Bereits in der ATAC-Studie, in der Anastrozol „upfront“ (also direkt nach der Operation) gegeben wurde, hat sich die Überlegenheit des Aromatasehemmers gegenüber Tamoxifen gezeigt. Die 100-Monats-Daten dieser Studie (2) zeigen darüber hinaus, dass die absolute Reduktion der Rezidivrate unter Anastrozol auch vier Jahre nach Beendigung der Therapie weiter ansteigt. Und in der älteren ARNO-Studie (ARimidex NOlvadex), in der nach zwei bis drei Jahren Therapie mit Tamoxifen ein Switch auf Anastrozol erfolgte, konnte das Überleben der Patientinnen verlängert werden (3).

Unter Experten wird nun diskutiert, ob Aromatasehemmer upfront oder in der Sequenz eingesetzt werden sollten. Paepke favorisiert die Upfront-Therapie. Als Grund nannte er, dass in der ABCSG-8-Studie ein Teil der Patientinnen die initiale Tamoxifen-Therapie nicht beenden konnte. „Diese Patientinnen konnten nicht mehr von einer Therapieumstellung auf den Aromatasehemmer profitieren.“

In der palliativen Therapie des hormonsensiblen Mammakarzinoms rückt der komplette Östrogenrezeptor-Antagonist Fulvestrant nach vorn. Erste Daten zur Firstline-Hochdosistherapie (500 mg am Tag null, 14, 28 statt 250 mg monatlich) zeigen, dass der klinische Benefit von Fulvestrant mindestens genauso hoch ist wie der von Anastrozol (4). Die FIRST-Studie (Faslodex fIRst line Study comparing endocrine Treatments) zeigte unter Fulvestrant eine signifikant verlängerte Zeit bis zur Progression und damit einen Zeitgewinn um circa 60 Prozent.

Dr. Stefan Buchholz (Regensburg) erklärte, dass Fulvestrant damit eine zusätzliche effektive und gut verträgliche Option in der Therapie postmenopausaler Patientinnen mit einem fortgeschrittenen hormonsensiblen Mammakarzinom darstelle. Auch in diesem Therapieschritt gelte es, die Substanz so früh wie möglich einzusetzen.

Erfahrungen von 278 Zentren im klinischen Alltag
Im Practice-Evaluation-Programm wurde die Effektivität von Fulvestrant 250 mg monatlich an 278 deutschen Zentren untersucht (5). Eingeschlossen waren 848 postmenopausale Patientinnen mit fortgeschrittenem hormonsensiblem Mammakarzinom. Circa 74 Prozent der Patientinnen hatten unter Fulvestrant einen klinischen Benefit: Innerhalb von sechs Monaten hatten 7,3 Prozent der Patientinnen mit einer kompletten, weitere 21 Prozent mit einer partiellen Remission angesprochen, und 46 Prozent zeigten eine Krankheitsstabilisierung.
Sabine Böttger

Pressekonferenz „San Antonio Breast Cancer Symposium 2008: Neue Fortschritte in der endokrinen Therapie des Mammakarzinoms“
in Berlin. Veranstalter: Astra-Zeneca
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1.
Jakesz R et al.: SABCS 2008, 14.
2.
ATAC Trialists Group, Lancet Oncology 2008; 9: 45–53. MEDLINE
3.
Kaufmann W et al.: ASCO 2006, 457.
4.
Ellis M et al.: Poster SABCS 2008, 6126.
5.
Warm M et al.: SABCS 2008, 6132.
1. Jakesz R et al.: SABCS 2008, 14.
2. ATAC Trialists Group, Lancet Oncology 2008; 9: 45–53. MEDLINE
3. Kaufmann W et al.: ASCO 2006, 457.
4. Ellis M et al.: Poster SABCS 2008, 6126.
5. Warm M et al.: SABCS 2008, 6132.

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