ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2009Pharmaindustrie: Die Rabattschlacht geht weiter

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Pharmaindustrie: Die Rabattschlacht geht weiter

Korzilius, Heike

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LNSLNSLNSLNS Der Arzneimittelhersteller Stada fährt zweigleisig. Er verhandelt mit den Krankenkassen über Rabatte, setzt aber seit 1. Januar gleichzeitig auf eine Niedrigpreisstrategie.

Jens-Peter Schütz gibt sich keinen Illusionen hin: „Die Politik will im Generikasegment den niedrigstmöglichen Preis realisieren“, sagt der Geschäftsführer der Stadapharm GmbH. Der Arzneimittelhersteller mit Sitz im hessischen Bad Vilbel setzt mit preisgünstigen Nachahmerpräparaten jährlich 1,8 Milliarden Euro um. Um sich auf dem hart umkämpften Generikamarkt bessere Wettbewerbschancen zu sichern, hat Stada jetzt eine neue Runde im Preiskampf eingeläutet. Seit 1. Januar garantiert die Firma, dass ihre Präparate immer zu den drei preisgünstigsten gehören. „Das war man von Stada in den letzten Jahren nicht gewöhnt. Wir haben sicherlich attraktive Preise gehabt, aber wir zählten nicht zu den Preiswertesten“, erklärt Schütz gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Ziel der neuen Niedrigpreisstrategie ist es, die Substitution einzudämmen. Denn viele Ärztinnen und Ärzte verordnen nur noch Wirkstoffe und überlassen es dem Apotheker, ein möglichst preisgünstiges Präparat auszuwählen. Zu unübersichtlich erscheint den meisten der Markt. Zwar gibt es Unterschiede zwischen den Regionen und Fachgruppen, doch nach Angaben von Schütz schließen nur noch 15 Prozent der Ärzte die Substitution ihrer Arzneimittelverordnung durch den Apotheker aus. Die Möglichkeit der Krankenkassen, mit Arzneimittelherstellern über Rabatte zu verhandeln, hat das Chaos noch vergrößert. Mit seiner Niedrigpreisstrategie garantiert Stada den Ärzten eine wirtschaftliche Verordnungsweise, auch wenn sie aut idem ausschließen wollen. Glaubt man Schütz, profitieren davon auch die Apotheker. Sie hätten wieder mehr Spielraum bei der Lagerhaltung.

Doch für Stada bedeutet der Preiskampf – Schütz nennt es eine Änderung der Firmenphilosophie –, dass an anderer Stelle gespart werden muss. So hat das Pharmaunternehmen den Arztaußendienst von 250 Mitarbeitern auf 50 verkleinert. „Die Fortbildung der Ärzte, Servicematerialien für Patienten – das sind alles Sachen, die jetzt entfallen“, erklärt der Geschäftsführer. Was die Preisoffensive die Firma genau kostet, will er allerdings nicht sagen.

Doch Stada fährt zweigleisig. Nach anfänglicher Zurückhaltung verhandelt das Unternehmen inzwischen auch mit den Krankenkassen über Rabattverträge. „Die jüngste AOK-Ausschreibung hat gezeigt, dass wir sehr wettbewerbsfähig sind. Da sind wir sehr gut weggekommen“, meint Schütz.
Überzeugt hat ihn das Konzept jedoch nicht: „Jeden Tag herrscht Chaos in Apotheken und Arztpraxen. Es leiden das Vertrauen und die Therapietreue der Patienten.“ Erste Berechnungen kämen außerdem zu dem Schluss, dass die Rabattverträge die Kosten im Gesundheitssystem nicht senken. Aus Gründen des Wettbewerbs könnten es sich die Pharmaunternehmen allerdings nicht leisten, sich dem Rabattgeschäft zu entziehen.

Ob sich das System letztlich durchsetzen wird oder nicht, darüber will Schütz lieber keine Prognose abgeben. Für die Firmen sind die Ausschreibungsverfahren eine logistische und bürokratische Herausforderung. „Wir haben 22 Aktenordner an die AOK geschickt.“ Lieferengpässe gibt es aktuell allerdings keine, weil es nur relativ wenige Wirkstoffausschreibungen und viele Verträge über das gesamte Portfolio bestimmter Pharmaunternehmen gibt. Der Stada-Geschäftsführer rechnet jedoch damit, dass der harte Preiskampf in der Branche zu Konsolidierungen führt: „Solche oligopolistischen Strukturen halte ich allerdings volkswirtschaftlich für gefährlich.“
Heike Korzilius
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