ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2009Gentherapie gegen HIV ist prinzipiell möglich

AKTUELL: Akut

Gentherapie gegen HIV ist prinzipiell möglich

Dtsch Arztebl 2009; 106(10): A-434 / B-374 / C-362

Meyer, Rüdiger; Siegmund-Schultze, Nicola

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LNSLNS Eine Gentherapie kann Lymphozyten vor der Zerstörung durch HIV schützen und damit das Immunsystem stabilisieren. Das belegt die erste randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie zur Gentherapie von HIV-infizierten Patienten (Nature Medicine 2009; doi:10.1038/nm.1932).

Bei den 74 Studienteilnehmern wurden zunächst hämatopoetische Progenitorzellen isoliert (CD34-positive Zellen). In die Vorläuferzellen der Verumgruppe übertrugen die Forscher das therapeutische Gen: Es codiert für das Ribozym OZ1. Ribozyme können Nukleinsäuren spalten und dadurch inaktivieren. In diesem Fall zerstörte OZ1 das tat-Gen des HI-Virus, das für die Virusreplikation in den CD4-Zellen benötigt wird. Nach der Gentherapie oder der Scheinbehandlung wurden die CD34-Zellen den HIV-Infizierten reinfundiert. Das Ziel: Die aus den behandelten Progenitorzellen entstandenen CD4-positiven Zellen sollen widerstandsfähig gegen HIV sein, sodass die Integrität des Immunsystems erhalten bleibt. Dieses Ziel scheint erreicht worden zu sein – wenn auch mit zeitlicher Verzögerung.

Absinken der Viruslast
In den ersten Monaten hatte die Gentherapie keine Effekte auf den Verlauf der HIV-Therapie, wie Ronald Mitsuyasu vom Aids Institute der Universität von Kalifornien in Los Angeles/USA und Mitarbeiter berichten. Die Konzentrationen der HI-Viren im Blut waren – gemessen an einer temporären Unterbrechung der antiretroviralen Therapie – nicht niedriger als im Placebo-Arm. Erst zwischen der 40. und 100. Woche sank die Viruslast signifkant. Die Zahl der CD4-Zellen war im Gentherapie-Arm jedoch während der 100 Wochen Laufzeit der Studie höher als im Placebo-Arm. Spezifische Nebenwirkungen der Gentherapie habe es nicht gegeben, berichten die Autoren. Für eine klinische Anwendung seien die Effekte allerdings viel zu gering.

Für Prof. Dr. med. Dorothee von Laer vom Georg-Speyer-Haus in Frankfurt am Main liegt denn auch die Bedeutung der Studie vor allem im „Nachweis für die Machbarkeit einer Gentherapie gegen HIV durch eine randomisierte Untersuchung“. Gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt sagte von Laer: „Das unterstützt die weitere Forschung.“ Angesichts hervorragender Medikamente sei eine Gentherapie im Prinzip bei Patienten sinnvoll, die nicht mehr auf Medikamente ansprächen, diese nicht vertrügen oder noch unbehandelt seien, aber bald eine Therapie benötigten. rme/nsi
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