ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2009Wilhelm Theopold: Kämpfer für die ärztlichen Belange

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Wilhelm Theopold: Kämpfer für die ärztlichen Belange

Dtsch Arztebl 2009; 106(10): A-467 / B-401 / C-387

Rheindorf, Horst Joachim

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Wilhelm Theopold Foto: privat
Wilhelm Theopold Foto: privat
Prof. Dr. med. Wilhelm Theopold, ehemaliger Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen und Direktor der Kinderklinik Frankfurt-Hoechst, ist am 28. Januar im Alter von 93 Jahren gestorben.

Die Währungsreform lag zwei Jahre zurück, der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg war in Gang gekommen, doch in den Krankenhäusern rackerten sich „Volontäre“ und „Volontärassistenten“ bis zu 80 Stunden in der Woche ohne Bezahlung ab – oder mit einem Entgelt, das für ein möbliertes Zimmer und ein Taschengeld kaum reichte. Auch Theopold hatte eine unbesoldete Stelle an der Marburger Universitätsklinik. Er gehörte zu den Ärzten, die 1947 den Marburger Bund (MB) gründeten – mit dem Ziel, die untragbaren Zustände in den Kliniken zu beenden.

Man sagt, dass der MB eine gute Schule für ärztliche Standesvertreter sei. Daher war es kein Wunder, dass Theopold, bewährt in harten Auseinandersetzungen mit Dritten, in den Vorstand der Marburger Kassenärztlichen Vereinigung gewählt wurde. Dort sammelte er umfassende Kenntnisse im Kassenarztrecht – letztlich auch ein Grund dafür, dass er 1956 in der konstituierenden Delegiertenversammlung zum Vizepräsidenten, 1964 zum Präsidenten der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen gewählt wurde. 1957 übernahm er die Schriftleitung des Hessischen Ärzteblattes, die er bis 1999 innehatte.

Seine große Stunde kam während der erbittert geführten Kämpfe um die Reform des Kassenarztrechts 1959/60, bei der es letztlich um den Erhalt der Berufsfreiheit des niedergelassenen Arztes und seiner Schutzorganisation, der Kassenärztlichen Vereinigung, ging. Da stand er in vorderster Linie.

Mit Nachdruck wandte er sich dagegen, dass sich die Krankenkassen davor drückten, „präventive Leistungen“ zu vergüten. Auf sein Drängen hin wurde das Vorsorgeprogramm für Kinder, das Untersuchungen bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern in den ersten Lebensjahren vorsieht, entwickelt.

Der ärztlichen Weiter- und Fortbildung galt sein besonderes Interesse. Auf seine Initiative gehen neue Fortbildungsaktivitäten in Bad Nauheim zurück, die später zur Gründung der „Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung“ führten.

1968 zog sich Theopold aus der Standespolitik zurück und widmete sich nunmehr dem Hessischen Ärzteblatt. Von 1970 bis 1974 leitete er auch die medizinisch-wissenschaftliche Redaktion des Deutschen Ärzteblattes. Außerdem fand er Zeit für seine schriftstellerischen Aktivitäten. Er wurde Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schriftsteller-Ärzte. Viele seiner zahlreichen nicht medizinischen Veröffentlichungen befassen sich mit dem Leben und Wirken Friedrich Schillers. Theopold wurde mit Ehrungen überhäuft. Dazu zählen das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, die Ernst-von-Bergmann-Plakette, der Adolf-Grimme-Preis in Silber und der Große Verdienstorden des Landes Hessen.

Die deutsche Ärzteschaft trauert um „einen Standesangehörigen, der sich durch unermüdlichen und selbstlosen Einsatz für seine Patienten, die Gesundheitsvorsorge bei Kindern und die ärztliche Fortbildung, um die Medizin, die Ärzteschaft sowie um das Gesundheitswesen in der Bundesrepublik Deutschland in hervorragender Weise verdient gemacht hat“. Diese Worte krönen die Laudatio anlässlich der Verleihung der höchsten Auszeichnung der Ärzteschaft, der Paracelsus-Medaille.

Seine treuen Gefährten, wenn sie denn noch unter uns sind, denken an ihn und danken ihm für den Weg, den sie mit ihm gehen konnten und auf dem er ihnen Vorbild war.
Prof. Dr. med. Horst Joachim Rheindorf
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