ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2009Börsebius: Neuer Star im DAX
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LNSLNS Verwundert rieben sich die Händler in den Börsensälen die Augen. Es gibt wahrscheinlich einen Neuzugang im DAX, dem Index für die 30 wichtigsten deutschen Unternehmen. Der neue Star heißt Hannover Rück, und kaum jemand hatte den Finanzkonzern auf seiner Rechnung. Aber dem Auswahlgremium bleibt angesichts der Gemengelage wohl gar keine andere Wahl, denn etwaige Konkurrenten um den DAX-Aufstieg (GEA, Solarworld) leiden an kurszehrender Kurzatmigkeit. Hannover Rück indes strotzte in den letzten Wochen vor lauter Kraft. Kaum ein Titel auf dem Kurszettel überstand die zurückliegenden Tage ohne herbe Verluste. Nicht so der Rückversicherer, dessen Börsennotiz legte im letzten Quartal um sagenhafte 40 Prozent auf mittlerweile 25 Euro zu.

Gut, bei aller Überraschung, Hannover Rück ist ohnehin kein Hinterhofwert, ist es nie gewesen. Dahinter verbirgt sich immerhin einer der größten Rückversicherer der Welt, in einem Atemzug zu nennen mit Münchener Rück, Swiss Re und General Re. Erstaunlich ist halt nur, dass es trotz Finanzkrise ein Finanzkonzern schafft, für Furore zu sorgen. Aber anders als so manche Banken hat Hannover Rück keine Leichen im Keller und das zurückliegende Geschäftsjahr auch noch ganz passabel überstanden.

Wem gehört Hannover Rück? Knapp über die Hälfte der Aktien (50,2) Prozent befindet sich in sicheren Händen des Talanx-Konzerns, zu dem auch die Marken HDI und Gerling zählen. Der Rest ist bei freien Aktionären untergebracht. Mit der DAX-Story heizt der Wert die Anlegerfantasien auf weitere Kursgewinne ordentlich an, zumal Konzernchef Wilhelm Zeller für dieses Jahr einen optimistischen Geschäftsverlauf in Aussicht stellte. So ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, ob nicht ein Gutteil dieser Erwartungen bereits im aktuellen Kurs eingepreist ist. Wer die Aktie jetzt kauft, kann ohne Weiteres enttäuscht werden. Belastungen aus Naturkatastrophen könnten jederzeit das vom Vorstand hochgesteckte Ziel dahinraffen.

Mir persönlich gefällt aus der Branche ein alter DAX-Bekannter deutlich besser. Wenn es schon ein Rückversicherer sein soll, dann sehe ich für die Münchener Rück auf der momentanen Kursbasis vergleichsweise größere Chancen. Während andere Häuser mit tiefroten Zahlen aufwarten, erwirtschaftete der bayerische Konzern einen doch sehr beachtlichen Jahresüberschuss von 1,5 Milliarden Euro und ist auch weit und breit nicht auf staatliche Stützungsaktionen angewiesen, wie sie etwa beim Konkurrenten AIG dringend erforderlich waren.

Heute zahlt sich die umsichtige Expansionspolitik der Münchener Rück wohltuend für Nerven und Bilanz aus. Bei einer Dividendenrendite von gut fünf Prozent ist die Aktie nach unten überdies gut abgesichert. Warum in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch schon da.
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