ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2009Sol Lyfond: Ende und Neubeginn

KUNST + PSYCHE

Sol Lyfond: Ende und Neubeginn

Kraft, Hartmut

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Sol Lyfond „Image“. Still aus dem gleichnamigen Video, Farbfoto 51,8 × 38,8 cm, rückseitig signiert, betitelt und datiert 2006. Dauer des Videos 2: 20´ Minuten, auf Wiederholung programmiert, Auflage zehn Exemplare, signiert, nummeriert und datiert 2003. Foto: Sol Lyfond
Sol Lyfond „Image“. Still aus dem gleichnamigen Video, Farbfoto 51,8 × 38,8 cm, rückseitig signiert, betitelt und datiert 2006. Dauer des Videos 2: 20´ Minuten, auf Wiederholung programmiert, Auflage zehn Exemplare, signiert, nummeriert und datiert 2003. Foto: Sol Lyfond
Oft bedarf es nur kleiner gestalterischer Eingriffe ins Bild oder eine Bildpräsentation, um eine erstaunliche Verfremdung hervorzurufen und einen neuen Blick zu eröffnen. So wird auch nicht jeder Betrachter dieses Videostills es auf Anhieb erkennen, geschweige denn seine an sich recht einfache Entstehung entschlüsseln können. Dies ist typisch für die Arbeiten von Sol Lyfond, die sich einem langen, geduldigen Prozess der Reduktion komplexer Bildideen verdanken.

Das circa nur zwei Minuten dauernde Video, dem dieser Still entnommen ist, zeigt ein in eine ruhige Wasseroberfläche eintauchendes Gesicht. Aus der Untersicht gefilmt, spiegelt sich das Gesicht am Wasserspiegel und zeigt uns einen Januskopf. Indem der Künstler das Bild nun um 90 Grad gedreht hat, verlieren wir bereits den Bezug zu der denkbar einfachen Aufnahmetechnik und fühlen uns mit dem rätselhaften Erscheinen und Verschwinden eines Profils konfrontiert. Was ist dabei das reale Gesicht, was seine Spiegelung? Ist das Spiegelbild dabei ein getreues Abbild der Wirklichkeit, ein zutreffendes „image“ also, wie der Künstler dieses Video betitelt hat? Und welche Rolle spielt die Janusköpfigkeit des Profilkopfes? Soll sie uns darauf verweisen, dass wir nur dann beruhigt in die Zukunft schauen können, wenn wir einen stabilen, guten Kontakt zu unserer Vergangenheit haben und aufrechterhalten? Das wäre eine typisch psychologisch-psychotherapeutische Sichtweise – aber natürlich auch nur eine von vielen möglichen Sichtweisen. Als altrömischer Gott der öffentlichen Tore steht Janus in der Mythologie am Beginn des Tages, der ersten Tage eines Monats und des ersten Monats im Jahr: „Und jedem Ende wohnt einer neuer Anfang inne“ – diese Gedichtzeile von Hermann Hesse mag uns in den Sinn kommen. Sie verweist uns auf das zyklische Geschehen von Tod und Neubeginn in der Natur wie auch in jedem individuellen Leben mit seinen Wandlungskrisen. Erst die Bewältigung der zahlreichen Krisen in jedem Lebensweg verleiht der Person ein „image“. Hartmut Kraft

Biografie Sol Lyfond
Geboren 1965 in Düsseldorf. Nach dem Abitur Medizinstudium für vier Semester in Aachen. Nach einer persönlichen Krise Abbruch des Studiums und Entscheidung für freie künstlerische Arbeit, in diesem Zusammenhang Annahme des Namens Sol Lyfond. Zunehmend Arbeit mit Videos, Performances und Raum-Installationen. Lebt in Köln.

Literatur:
Sol Lyfond: Performances, Objekte, Installationen 1989–1997. Köln 1997.
Sol Lyfond: Arbeiten 1998–2004. Köln 2004.
Sol Lyfond: deep space sea. Druckverlag Kettler, Köln 2007.
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