ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2009Fortbildung: Säumigen bleibt nicht mehr viel Zeit

POLITIK

Fortbildung: Säumigen bleibt nicht mehr viel Zeit

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Vertragsärzte müssen bis zum 30. Juni 2009 gegenüber ihrer KV nachweisen, dass sie in den vergangenen fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte für die Teilnahme an zertifizierten Fortbildungen erworben haben. Foto: Mauritius Images
Vertragsärzte müssen bis zum 30. Juni 2009 gegenüber ihrer KV nachweisen, dass sie in den vergangenen fünf Jahren 250 Fortbildungspunkte für die Teilnahme an zertifizierten Fortbildungen erworben haben. Foto: Mauritius Images
Vertragsärzte, die zum 30. Juni 2004 zugelassen waren, müssen bis Mitte des Jahres 2009 ihrer Fortbildungsverpflichtung nachgekommen sein.

Mainzer Gelassenheit: Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) und Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Rheinland-Pfalz sind guter Dinge, was die Nachweispflicht zur Fortbildung der Vertragsärzte anbelangt. Zwar hat rund ein Drittel der nachweispflichtigen Ärzte noch kein Fortbildungszertifikat von der Ärztekammer erhalten, doch der LÄK-Präsident, Prof. Dr. med. Frieder Hessenauer, und der KV-Vorstandsvorsitzende, San.-Rat Dr. med. Günter Gerhardt, sagen voraus, dass die Zahl der Säumigen am 1. Juli sehr gering sein wird. Denn die Sanktionen, die vom Gesetzgeber in § 95 d SGB V vorgegeben sind, dürften als Motiv für jeden Arzt genügen, der Fortbildungsverpflichtung nachzukommen. Tut er das nicht, müssen die KVen das kassenärztliche Honorar in den darauffolgenden vier Quartalen so lange um zehn Prozent kürzen, bis der Nachweis erbracht wird. Bleibt der Arzt diesen weiter schuldig, wird ab dem fünften Quartal das Honorar um 20 Prozent gekürzt. Zwei Jahre nach Ablauf der Frist müssen die KVen, wenn der Nachweis weiterhin fehlt, beim Zulassungsausschuss einen Antrag auf Entziehung der Zulassung stellen.

Trotz aller Zuversicht kann man in der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz wie auch überall sonst im Land nicht genau abschätzen, wie groß die Zahl der Ärzte sein wird, die Ende Juni 2009 ohne Fortbildungszertifikat dastehen werden – sei es als Totalverweigerer oder weil sie sich nicht rechtzeitig um die Fortbildungsverpflichtung gekümmert haben. Die ärztliche Selbstverwaltung befindet sich mit Blick auf die gesetzlich angeordneten Zwangsmaßnahmen in einem Zwiespalt. „Es kann keiner sagen, er sei nicht rechtzeitig informiert gewesen und habe nicht ausreichend Zeit zum Erwerb der benötigten Fortbildungspunkte gehabt“, betonte denn auch der KV-Vorsitzende Gerhardt. Die regelmäßige Fortbildung als Verpflichtung ist in der ärztlichen Berufsordnung verankert.

Viele Belege noch nicht erfasst
Andererseits will die Selbstverwaltung angesichts der aktuellen Unruhe bei den niedergelassenen Ärzten über die Honorarentwicklung nicht noch als Büttel dastehen, der gesetzliche Vorgaben exekutiert, und so möglicherweise zusätzlichen Unmut auf sich ziehen. Mit verstärkten Fortbildungsangeboten in den kommenden Monaten will sie vor allem denjenigen Ärzten, denen nicht mehr allzu viele Punkte fehlen, über die Nachweishürde helfen.

Was auf die Ärztekammern in den nächsten Monaten in Form von Papierbelegen über absolvierte Fortbildungen zukommt – darüber lässt sich nur spekulieren. In Rheinland-Pfalz geht man davon aus, dass viele Ärzte noch viele Belege aus der Zeit vor der elektronischen Erfassung in Verbindung mit der einheitlichen Fortbildungsnummer in ihrer Ablage aufbewahren. Kammerpräsident Hessenauer zeigt sich überzeugt, dass man einem möglichen Ansturm gewachsen sein wird: „Selbst diejenigen, die kurz vor dem 30. Juni unsere Leistungsfähigkeit absichtlich auf die Probe stellen wollen, werden rechtzeitig erfasst.“

Es wird aber erwartet, dass die meisten rheinland-pfälzischen Ärzte die Möglichkeit nutzen, online selbst die Erfassung dieser Papierbelege auf ihrem persönliche Fortbildungskonto vorzunehmen. Die Kammer behält sich das Recht einer stichprobenhaften Überprüfung vor. Datenschutzrechtliche Bedenken bei der Information der Kassenärztlichen Vereinigung über den Fortbildungsnachweis wie in anderen Kammern gibt es in Rheinland-Pfalz nicht. Sobald ein Arzt 250 Fortbildungspunkte erreicht hat, wird die KV automatisch darüber von der Ärztekammer in Kenntnis gesetzt. Die Einverständniserklärung eines jeden Arztes hierüber wird nicht eingefordert. Und auch in juristischen Debatten, ob und in welcher Form überzählige Fortbildungspunkte aus dem alten in den neuen Nachweiszeitraum hinübergenommen werden können, mag man sich in Rheinland-Pfalz nicht verzetteln. „Unser Problem werden nicht die sein, die zu viel machen, sondern die, die gar nichts machen“, heißt es dort ganz pragmatisch.

Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema