ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2009Honorarreform 2009: Das System fährt gegen die Wand!
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LNSLNS Das System fährt gegen die Wand! Das ist die Meinung vieler niedergelassener Fachärzte. Wenn wir auch inzwischen einige Informationen haben, in welchen Kanälen das von der Politik versprochene Geld bis auf Weiteres lagert (gesetzlich vorgeschriebene Rückstellung und Vorwegabzüge), muss man sich doch fragen, ob die Kassenärztlichen Vereinigungen keine Mathematiker, Betriebswirte oder andere Fachleute mit Berechnungen hätten beauftragen können, die das derzeitige Desaster leicht hätten vorhersagen, vielleicht auch verhindern können. Jetzt wird nach wenigen Wochen nachgebessert, neu berechnet, beschwichtigt, es werden guter Wille und Engagement demonstriert. Hauptsache, es wird fleißig weitergearbeitet – natürlich systemkonform – und es kommt nicht zur Revolution. Doch auch unsere Regierung hat, in Bezug auf die Gesundheitspolitik, völlig versagt: Einige der Errungenschaften des Gesundheitsfonds werden in ihrer Tragweite noch gar nicht wahrgenommen und erkannt . . . Die Öffnung der Krankenhäuser für die ambulante Versorgung (Paragraf 116 b SGB V), die 2009 verstärkt gefördert werden soll, führt die Situation vollends ad absurdum: Welche (Fach-)Ärzte sollen denn in den Krankenhäusern die Patienten behandeln? Bereits jetzt leidet die stationäre Versorgung unter der zunehmenden Tätigkeit der Stationsärzte in den Klinikambulanzen. Diese Tätigkeit wird gut bezahlt und ist für die Kliniken zur Einnahmequelle geworden. Hier seien beispielhaft die psychiatrischen Institutsambulanzen erwähnt (PIAS), die mindestens dreifach höhere Fallpauschalen erhalten als niedergelassene Fachärzte – für die gleiche Arbeit. Geradezu fatal ist es, dass junge, engagierte Ärzte und Medizinstudenten jetzt den vollen Zorn und die Frustration der älteren Generation miterleben und sich rechtzeitig nach anderen Arbeitsmöglichkeiten umsehen werden (DÄ, Heft 4/2009: „Als Psychiater in den Niederlanden: Flaches Land – flache Hierarchien“). Wir Ärzte – und leider auch die Patienten – werden mit den Auswirkungen des Gesundheitsfonds in seiner jetzigen Form noch zu kämpfen haben, wenn die derzeitige Regierungskoalition im Herbst 2009 abgewählt wird und einige Politiker gut bezahlte Beraterposten angenommen haben werden! . . .

Dr. Gabriele Freymann, Gymnasiumstraße 12, 53359 Rheinbach
Dr. Mike Dahm, Meckenheimer Allee 67–69, 53115 Bonn
Egbert Wienforth, Cecilienstraße 1, 53840 Troisdorf
Vorstand des ZNS-BonnRegio e.V. (Zentrum für Neurologische und Seelische Gesundheit der Region Bonn)
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