ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Ärzte in der Weiterbildung: Gefordert, aber nicht gefördert

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Ärzte in der Weiterbildung: Gefordert, aber nicht gefördert

Korzilius, Heike

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Zufrieden oder nicht? Von Anfang Mai an haben Assistenzärztinnen und -ärzte die Möglichkeit, die Qualität ihrer Weiterbildung und die ihrer Weiterbilder zu beurteilen. Foto: picture-alliance/Godong
Zufrieden oder nicht? Von Anfang Mai an haben Assistenzärztinnen und -ärzte die Möglichkeit, die Qualität ihrer Weiterbildung und die ihrer Weiterbilder zu beurteilen. Foto: picture-alliance/Godong
Assistentinnen und Assistenten in der Weiterbildung halten die von den Ärztekammern geplante Umfrage zur Situation der Weiterbildung für längst überfällig. Einige fürchten jedoch, dass das Verfahren „manipulationsanfällig“ ist.

Man schätzt meine Arbeitskraft, aber man investiert nicht in mich“, sagt Eva B.* Die junge Medizinerin befindet sich in der Weiterbildung zur Allgemeinärztin und arbeitet zurzeit in einem großen Krankenhaus. Dort erwartet man von ihr, dass sie Weiterbildungskurse selbst bezahlt und für deren Dauer Urlaub nimmt. Die Arbeitsbelastung der Assistenten ist hoch. Doch ein Konzept, wie man die Tätigkeit auf der Station mit der Weiterbildung verzahnen kann, fehlt. „An meinem Haus wird gefordert, aber nicht gefördert“, meint B.

Überall andere Vorgaben
Wie ihr geht es vielen der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung, die sich am 7. März auf Einladung des Marburger Bundes zum Symposium „Ärztliche Weiterbildung auf dem Prüfstand“ in Berlin eingefunden hatten. Neben der fehlenden Struktur beklagte ein angehender Chirurg uneinheitliche Vorgaben beispielsweise bei der Dokumentation der Weiterbildung. „Die Fachgesellschaften und die Ärztekammern veröffentlichen jeweils eigene Versionen der Logbücher. Das ist jetzt noch überschaubar, aber wo soll dieser Trend hinführen?“ Eva B. kennt das Problem, das in der Allgemeinmedizin, die ohnehin an Nachwuchsmangel leidet, eine neue Dimension erreicht hat. Denn die Lan­des­ärz­te­kam­mern haben eine Novelle des Weiterbildungsgangs nicht einheitlich umgesetzt. Berlin hat entschieden, den Facharzt für Allgemeinmedizin beizubehalten. Alle anderen Kammern haben inzwischen den Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin eingeführt – mit den entsprechenden Abweichungen bei den Inhalten.

Hoffnungen setzen die Assistenten, aber auch die Weiterbilder in die Umfrage zur Situation in der Weiterbildung, die die Lan­des­ärz­te­kam­mern Ende April, Anfang Mai starten werden. Die Bundes­ärzte­kammer (BÄK) koordiniert das Projekt (siehe auch DÄ, Heft 6/2009). Sowohl Weiterbilder als auch Assistenten sollen dann befragt werden. „Wir wollen Klarheit haben und die Qualität der Weiterbildung sichern“, betonte der Vorsitzende der Weiterbildungsgremien der BÄK, Dr. med. H. Hellmut Koch. Am Ende werde jede Weiterbildungsstätte eine eigene Beurteilung erhalten. Koch appellierte erneut an Weiterbilder und Assistenten, sich an der Umfrage zu beteiligen, denn nur so könne man valide Ergebnisse erreichen. Geplant ist, dass die Weiterbilder ihren Assistenten die Codes aushändigen, die für die Teilnahme an der Online-Befragung notwendig sind. Die Assistenten halten das Verfahren jedoch für „manipulationsanfällig“. Die Gefahr bestehe, dass der Befugte aus Angst vor einem schlechten Abschneiden die Codes zurückhalte. „Wir tun uns sehr schwer, freie Stellen zu besetzen. Da hat mein Chef natürlich großes Interesse an einer guten Bewertung“, sagte ein junger Arzt. Weiterbildungsexperte Koch räumte ein, dass es besser wäre, jeden Assistenten direkt anzusprechen. Den Ärztekammern fehlten dafür jedoch die Daten. Ärzten, denen tatsächlich ihre Codes vorenthalten werden, riet Koch, sich direkt an ihre Ärztekammer zu wenden.

Enttäuschte Erwartungen
Auf Kritik stieß auch die Ankündigung, dass die Weiterbildungsstätten zunächst nicht verpflichtet sind, die Ergebnisse der Evaluation zu veröffentlichen. „Dann“, so fürchtete ein Teilnehmer, „wird die Umfrage nichts nützen.“ Über deren Ergebnisse gaben sich insbesondere die Ärzte in Weiterbildung keinen Illusionen hin: „Sie werden schlecht, zumindest dürftig ausfallen.“ Ein ganz so düsteres Bild wollte Dr. med. Hans-Albert Gehle, Vorstandsmitglied im Marburger Bund und Moderator der Veranstaltung, nicht zeichnen. Die Beliebtheit deutscher Ärzte im Ausland und die Attraktivität des deutschen Arbeitsmarkts für ausländische Ärzte sprächen eigentlich für eine gute Weiterbildung. Doch er fasste auch zusammen, was Berufsanfänger von ihrer Weiterbildungsstätte erwarten und allzu häufig nicht vorfinden: transparente Strukturen, Hilfe, Beratung, erfüllbare Anforderungskataloge und eine faire Bezahlung.
Heike Korzilius

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