ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Telematik: Versicherte wollen die Gesundheitskarte

POLITIK

Telematik: Versicherte wollen die Gesundheitskarte

Rabbata, Samir

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Patienten begrüßen vor allem die geplanten Zusatzfunktionen der Karte, wie die elektronische Patientenakte. Nur eine Minderheit sorgt sich um die Datensicherheit. Foto:dpa
Die Patienten begrüßen vor allem die geplanten Zusatzfunktionen der Karte, wie die elektronische Patientenakte. Nur eine Minderheit sorgt sich um die Datensicherheit. Foto:dpa
Während drei Viertel der Deutschen dem Kartenprojekt positiv gegenüberstehen, hegt die große Mehrheit der Ärzte massive Sicherheitsbedenken.

Mehr als drei Jahre hat sich die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) verzögert. Doch von diesem Sommer an soll die Karte nach mehr als zwei Jahren Testbetrieb in sieben Modellregionen schrittweise bis Ende 2010 an alle Versicherten ausgegeben werden. Die Bürgerinnen und Bürger befürworten die Karte mehrheitlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Techniker-Krankenkasse. Rund drei Viertel der Bevölkerung begrüßen die Einführung und erwarten, dass damit der Kartenmissbrauch zurückgeht und sie später von weiteren Anwendungen wie der elektronischen Patientenakte profitieren. Noch größer ist die Zustimmung bei den Teilnehmern aus den Kartentestregionen (87 Prozent).

Grundsätzlich gilt: Je jünger die Menschen sind, desto eher befürworten sie die elektronische Gesundheitskarte und die mit ihr künftig möglichen Anwendungen. So sind 85 Prozent der 18- bis 29-Jährigen von den Vorteilen der Karte überzeugt, bei den über 60-Jährigen dagegen nur rund 70 Prozent. Die Mehrheit der Bevölkerung (60 Prozent) hält die künftigen Funktionen für sicher oder sehr sicher – ein großer Teil dagegen gab an, zu wenig über die elektronische Gesundheitskarte und mögliche Risiken zu wissen, um darüber urteilen zu können.

Die Befragten schätzen vor allem, dass die Karte wichtige Gesundheitsdaten rascher verfügbar machen soll. Sie versprechen sich davon eine höhere Diagnose- und auch Arzneimittelsicherheit. Auch die Perspektive, dass die eGK später einmal elektronische Patientenakten mit der individuellen Krankengeschichte ermöglichen wird, befürworten 70 Prozent der Befragten.

Die Patienten in Fragen des Datenschutzes sensibilisieren
Im Gegensatz zu den Versicherten stehen die niedergelassenen Ärzte in den Testregionen dem Projekt skeptisch gegenüber. Sie hegen vor allem Sicherheitsbedenken. So meinen 86 Prozent der Ärzte, das Speichern von Patientendaten auf externen Servern berge die Gefahr von Missbrauch. 78 Prozent befürchten, Patientendaten könnten in die Hände Unbefugter gelangen. Dass Versicherte und Ärzte das Projekt unterschiedlich bewerten, überrascht Dr. med. Franz-Joseph Bartmann, Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein und Telematikbeauftragter der Bundes­ärzte­kammer, nicht. Die Versicherten sähen vor allem die noch gar nicht realisierten Funktionen wie zum Beispiel die elektronische Patientenakte als Vorteile der Karte. Die an den Tests teilnehmenden Ärzte seien dagegen täglich konfrontiert mit den noch vorhandenen Problemen im Einsatz. Bartmann hob jedoch hervor, unter diesen Voraussetzungen sei es ein unerwartet gutes Ergebnis, dass knapp 60 Prozent der befragten Ärzte in den Testregionen das Projekt grundsätzlich befürworteten.

Probleme bereitete den Ärztinnen und Ärzten vor allem, die Gesundheitskarte in die täglichen Arbeitsprozesse einzubauen. Viele berichteten etwa, das Ausstellen eines elektronischen Rezepts und das PIN-Verfahren für freiwillige Anwendungen seien weniger gut bis schlecht verlaufen.

Dr. med. Klaus Bittmann, Vorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, ist skeptisch, dass die Untersuchung wirklich das Stimmungsbild unter den Ärzten widerspiegelt. „Was uns die Ärzte berichten, die die Karte testen und die sich genau mit der Systematik und den Konsequenzen befassen, hört sich ganz anders an“, sagte Bittmann. Er sieht die Ärzte in der Verantwortung, ihre Patienten für die Fragen des Datenschutzes zu sensibilisieren. „Natürlich sind die Menschen offen für Neues, zumal dann, wenn ihnen vorgespielt wird, hierdurch käme mehr Patientensicherheit und technischer Fortschritt.“ Doch könnten viele die sich daraus ergebenden Konsequenzen nicht abschätzen.
Samir Rabbata
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema