ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Neuer Schritt zur sicheren Zell-Reprogrammierung

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Neuer Schritt zur sicheren Zell-Reprogrammierung

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LNSLNS Britische und kanadische Wissenschaftler vermelden jetzt zeitgleich einen weiteren Durchbruch in der Stammzellforschung. Im Fachmagazin „Nature“ berichten die Forscher um Keisuke Kaji von der Universität von Edinburgh in Großbritannien (DOI: 10.1038/natu re07864) und die Wissenschaftler um Knut Woltjen vom Mount-Sinai-Krankenhaus in Toronto (DOI: 10.1038/nature07863) von ihren Versuchen, mit denen ihnen die sichere Zell-Reprogrammierung gelungen sei.

Nicht mithilfe eines Virus, sondern mit einem Plasmid als Genfähre schleusten sie vier bereits früher für die Reprogrammierung von Hautzellen verwendete Gene (c-Myc, Klf4, Oct4 und Sox2) in Bindegewebszellen von Mäusen ein, die dadurch zu induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) wurden. Nach der Reprogrammierung gelang es den Wissenschaftlern, die vier Gene wieder aus dem Erbgut der Zelle herauszuschneiden. Bei einem Versuch an menschlichen Bindegewebszellen schleusten sie zusätzlich noch ein Transposon („springendes Gen“) in die Zellen ein, wodurch die Gene besser in das Erbgut eingebaut werden konnten. Die auf diese Weise gewonnenen iPS-Zellen sollen sich der Publikation zufolge in verschiedene Gewebe entwickelt und keinerlei Fremdgene enthalten haben.

Klinischer Einsatz bleibt weit entfernt
2007 war es Forschern aus Japan und den USA erstmals gelungen, Hautzellen zu iPS-Zellen umzuprogrammieren. Bislang enthielten diese allerdings immer die für die Reprogrammierung notwendigen Gene, was mit einem Krebsrisiko verbunden ist. Prof. Dr. rer. nat. Hans Schöler (Münster) und seinem Team gelang es dann, die Zahl der Gene von vier auf zwei und jüngst auf nur ein Gen zu senken. Dass die beiden Forscherteams jetzt die eingeschleusten Gene wieder entfernen konnten und keinen Virus einsetzen mussten, kann ein weiterer Schritt zur praktischen Anwendung von reprogrammierten Zellen in der Medizin sein. Trotzdem bleibt diese noch weit entfernt.

Dies betonte auch der Schöpfer des Klonschafs Dolly, Ian Wilmut (Edinburgh). Er würdigte die Arbeit der Forscher, warnte jedoch gleichzeitig vor Hoffnungen auf einen schnellen klinischen Einsatz. Schöler gab zu bedenken, dass Transposons zwar sehr häufig exakt mit Genscheren herausgeschnitten werden könnten, jedoch nicht immer. Wolle man Sicherheit, müsse man die Insertionsstellen nachträglich untersuchen – ein aufwendiges und fehleranfälliges Verfahren. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
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