ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Die postpartale Kardiomyopathie - Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen: Winzige Fallzahlen
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LNSLNS Auch nach sorgfältigem Durcharbeiten des Leitartikels kann ich nur feststellen, dass eine mögliche positive Wirkung von Bromocriptin auf den Verlauf dieser Erkrankung nicht einmal wahrscheinlich ist! Fakt ist, dass in Schwangerschaft und Stillzeit eine Abwehrschwäche besteht, die sich in erhöhter Infektneigung äußern kann. Stressfaktoren wie Geburt, Schlafmangel, Auspowerung und ungünstige soziale Verhältnisse können diesen Faktor noch potenzieren. Genügend Gründe, um peripartal zum Beispiel eine Virusinfektion zu erwerben, die auch einen foudroyanten Verlauf nehmen kann, zum Beispiel in eine Myokarditis. Dass dann nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie behandelt werden sollte, ist naheliegend. Warum sollten die Patientinnen nicht stillen beziehungsweise Milch abpumpen? Hier wird bereits eine Conclusio geschlossen, ohne dass der Beweis erbracht ist. Die angeführten Studien kranken an den winzigen Fallzahlen. Bevor wie in der Südafrika-Studie Folgerungen aus der vermeintlich erfolgreichen Behandlung von sechs (!) Patientinnen gezogen werden, sollte eine gündliche Anamnese der Frauen erfolgen. Wieviel Zeit verstrich nach der Geburt, welches NYHA-Stadium bestand präpartal etc.

Selbst wenn eine Vergleichbarkeit der Gruppen bestand, ist die Fallzahl immer noch zu klein, um daraus statistische Schlüsse zu ziehen.

Bei keiner der Studien wurde dokumentiert, ob gestillt wurde und wenn ja, wie lange? Wenn medikamentös abgestillt wurde, mit Bromocriptin oder Cabergolin? Von den sechs Patientinnen aus Deutschland mit „Heilversuch Bromocriptin“ zeigten alle nach sechs Monaten eine deutlich verbesserte Pumpfunktion, leider alle ohne Kontrollkollektiv. In der Einleitung dieses Artikels wurde berichtet, dass sich circa 80 % sowieso erholen. Amüsant fand ich dann schon die Untersuchung des Serumspiegels von oxidiertem Low Density Lipoprotein als Indikator für oxidativen Stress und die Cathepsin-D-Aktivität. Im Vergleich von PPCM-Patientinnen zu gesunden stillenden Müttern hatten erstere einen stark erhöhten Titer: Jetzt wäre es interessant zu erfahren, ob die herzinsuffizienten Frauen auch wirklich voll gestillt haben! Vielleicht hat ein hoher Prolaktinspiegel als Indikator für eine funktionierende Stillbeziehung sogar eine schützende Funktion? Wenn nicht eindeutige wissenschaftliche Beweise für die im Artikel geäußerte These: „Bei PPCM-Patienten ist eine prolongierte Therapie mit Bromocriptin zu erwägen“ erbracht sind, halte ich äußerste Zurückhaltung dabei geboten, die Einheit von Mutter und Kind durch eine Unterbrechung ihrer Stillbeziehung zu beeinträchtigen. Vielleicht könnte abruptes Abstillen sogar zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes aufgrund von psychischer Beeinträchtigung führen. DOI: 10.3238/arztebl.2009.0190

Dr. med. Swana Swalve-Bordeaux
Bahnhofsstraße 11
24340 Eckernförde
E-Mail: swalve-bordeaux@gmx.de
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Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists. [Die postpartale Kardiomyopathie. Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT
1. Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists. [Die postpartale Kardiomyopathie. Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT

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