ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Die postpartale Kardiomyopathie - Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen: In alle Organe embolisiert

MEDIZIN: Diskussion

Die postpartale Kardiomyopathie - Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen: In alle Organe embolisiert

Postpartum Cardiomyopathy – A Cardiac Emergency for Gynecologists, General Practitioners, Internists, Pulmonologists, and Cardiologists: Embolizing Into All Organs

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(11): 190; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0191a

Stoffregen, Jürgen

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LNSLNS Die postpartale Kardiomyopathie wurde bereits vor etwa 50 Jahren von W. R. Meadows (1) unter Bezugnahme auf Hull (2) beschrieben. Er schloss 1957 mit den Worten: „Das Syndrom einer idiopathischen Herzerkrankung im letzten Trimenon der Schwangerschaft oder im postpartalen Verlauf ist gekennzeichnet durch Stauungssymptome infolge primären Linksherzversagens, durch Brust- und Bauchschmerzen, in 25 bis 40 % durch embolische Phänomene, akuten Bluthochdruck, Herzstolpern, generalisierte Herzerweiterung, und eine Umkehrung der T-Welle im EKG. Die pathologischen Befunde, die ähnlichen auch ohne Schwangerschaft entsprechen, zeigen ein weiches, schlaff erweitertes Herz, in der Herzkammerwand Thromben, ein in unterschiedlichem Ausmaß verdicktes Endokard, herdförmige und diffuse Bereiche einer Herzmuskelnekrose, besonders in den subendothelialen Bereichen der Herzkammerwand. Dabei sind die Koronararterien selbst immer unauffällig. Etwa zwei Drittel der Fälle erfahren eine komplette klinische Wiedererholung, aber das Syndrom tendiert dazu, sich bei erneuter Schwangerschaft zu wiederholen“ (2).

Nach meiner Auffassung geht die Ursache der schwangerschaftsspezifischen Kardiomyopathie nicht auf Immunschwäche/Autoimmunisation, viralen Infekt, Vitaminmangel, Hautfarbe oder andere spekulative Hypothesen zurück; sie ist nicht multifaktoriell. Kongruente Indizien sind in der Literatur vielmehr die Klinik und kardiohistologisch embolische Befunde.

Für mich ist der Schluss zwingend, dass in die Uteruswand hineingewachsene Chorionzotten – Placenta accreta seu increta – Ursache der PPCM sind, die organisiert, resorbiert und myriadenartig in alle Organe embolisiert werden. Funktionell fällt das im Gehirn auf (Sehstörungen, Eklampsie/Präeklampsie) und durch plötzliche Herzinsuffizienz.

Eine accrete Plazenta ist nicht komplett zu kurettieren. Das bedeutet bei Sectio prophylaktisch die Hysterektomie. Und beim bedrohlichen postpartalen Verlauf, um das Leben der Mutter zu retten, die Uterusexstirpation – statt der ultima ratio einer Herztransplantation.
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0191a

Prof. Dr. med. Jürgen Stoffregen
Im Ostkamp 19 b
59427 Unna
E-Mail: jurgenstoffregen@gmx.de
1.
Meadows WR: Idiopathic myocardial failure in the last trimester of pregnancy and the puerperium. Circulation 1957; 15: 903–14. MEDLINE
2.
Hull E, Hafkesbring F: Toxic postpartal heart disease. New Orleans Med Surg J 1937; 89: 550–7.
3.
Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists.Die postpartale Kardiomyopathie. [Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT
1. Meadows WR: Idiopathic myocardial failure in the last trimester of pregnancy and the puerperium. Circulation 1957; 15: 903–14. MEDLINE
2. Hull E, Hafkesbring F: Toxic postpartal heart disease. New Orleans Med Surg J 1937; 89: 550–7.
3. Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists.Die postpartale Kardiomyopathie. [Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT

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