ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Die postpartale Kardiomyopathie - Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Die postpartale Kardiomyopathie - Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen: Schlusswort

Postpartum Cardiomyopathy – A Cardiac Emergency for Gynecologists, General Practitioners, Internists, Pulmonologists, and Cardiologists: In reply

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(11): 191; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0191b

Drexler, Helmut

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LNSLNS Leider erlaubt der zur Verfügung stehende Platz nicht, auf alle Aspekte einzugehen, die im Leserbrief von Frau Swalve-Bordeaux angesprochen werden, der interessierte Leser sei auf unsere Publikationen verwiesen (1, 2, 3). Für die gesamte Leserschaft wollen wir jedoch nochmals betonen, dass bei einer schweren Postpartum-Kardiomyopathie mit hoher Letalität beziehungsweise hohem Risiko, langjährig an Herzinsuffizienz zu leiden, eine umgehende Therapie mit b-Blockern und ACE-Hemmern indiziert ist. ACE-Hemmer können über die Muttermilch auf das Neugeborene übergehen, mit dem Risiko von Missbildungen. Daher ist Abstillen indiziert, mal abgesehen davon, dass in schweren Fällen die Frauen so schwer herzinsuffizient und orthopnoeisch sind, dass Stillen kaum möglich ist. Bei 15 bis 20 % Mortalität und 50 % persistierender Herzinsuffizienz-Symptomatik (nur in 30 % komplette Erholung) sollte die Behandlung der Mutter im Vordergund stehen, damit sich langfristig eine gute Mutter-Kind-Beziehung entwickeln kann!

Wenn in dieser Situation aus klinisch-pharmakologischen Gründen Abstillen geboten ist, dann bietet es sich an, dazu Bromocriptin einzusetzen. Unsere Beobachtungen legen nahe, dass eine prolongierte Bromocriptin-Therapie über zwei Monate eine substanzielle Erholung der Herzfunktion zur Folge hat. Mittlerweile haben wir die Verlaufsdaten von elf Patientinnen mit Anstieg von EF 25 % im Mittel auf 52 % nach sechs Monaten. Bei 10 Patientinnen ohne Bromocriptin war die „Ejection Fraction“ (= Auswurfsfraktion) von im Mittel 23 % auf 26,5 % angestiegen. Auch für die Kollegen an der Charité und der Uniklinik Göttingen waren unsere Ergebnisse so eindrucksvoll, dass sie diese neue Option bei Patientinnen mit schwerer Postpartum-Kardiomyopathie einsetzen, mit großem Erfolg. Wir haben in unserem Artikel betont und wiederholen es hier: Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese zusätzliche Behandlung mit Bromocriptin nicht etabliert, aber rechtfertigt nach unserer Meinung in Übereinstimmung mit allen kardiologischen Experten, dieses neue Therapieprinzip jetzt in einer randomisierten Multicenterstudie zu prüfen. Diese klinische Prüfung wird Anfang 2009 beginnen.

Herr Stoffregen skizziert anhand der ersten Arbeiten zur postpartalen Kardiomyopathie Klinik und pathologischen Befund des Herzens analog unserer Charakterisierung. Hingegen bleibt er schuldig, „zwingende Belege“ für seine persönliche Theorie des Pathomechanismus dieser Erkrankung darzulegen. Weder gibt es konsistent eine histopathologische Dokumentation für Embolisation von Chorionzotten im Herzen, noch sind andere Organe dementsprechend befallen. Die eher heroische Hysterektomie verhindert sicher sowohl eine erneute Schwangerschaft als auch das damit verbundene Risiko einer Postpartum-Kardiomyopathie!

Welche Patientin oder behandelnde Arzt würde eine Uterusexstirpation, deren Effektivität nie überprüft wurde, der Bromocriptin-Therapie, deren erste Ergebnisse sehr ermutigend sind, zur Behandlung der schweren Postpartum-Kardiomyopathie vorziehen?
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0191b

Prof. Dr. med. Helmut Drexler
Klinik für Kardiologie und Angiologie
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
E-Mail: Drexler.Helmut@MH-Hannover.de
1.
Hilfiker-Kleiner D, Kaminski K, Podewski E et al.: A cathepsin D-cleaved 16 kDa form of prolactin mediates postpartum cardiomyopathy. Cell 2007; 128: 589–600. MEDLINE
2.
Hilfiker-Kleiner D, Meyer GP, Schieffer E et al.: Recovery from postpartum cardiomyopathy in 2 patients by blocking prolactin release with bromocriptine. J Am Coll Cardiol 2007; 50: 2354-5. MEDLINE
3.
Hilfiker-Kleiner D, Sliwa K, Drexler H: Peripartum cardiomyopathy: recent insights into its pathophysiology. Trends in Cardiovasc Med 2008; 18: 173–9. MEDLINE
4.
Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists. [Die postpartale Kardiomyopathie. Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT
1. Hilfiker-Kleiner D, Kaminski K, Podewski E et al.: A cathepsin D-cleaved 16 kDa form of prolactin mediates postpartum cardiomyopathy. Cell 2007; 128: 589–600. MEDLINE
2. Hilfiker-Kleiner D, Meyer GP, Schieffer E et al.: Recovery from postpartum cardiomyopathy in 2 patients by blocking prolactin release with bromocriptine. J Am Coll Cardiol 2007; 50: 2354-5. MEDLINE
3. Hilfiker-Kleiner D, Sliwa K, Drexler H: Peripartum cardiomyopathy: recent insights into its pathophysiology. Trends in Cardiovasc Med 2008; 18: 173–9. MEDLINE
4. Hilfiker-Kleiner D, Schieffer E, Meyer GP, Podewski E, Drexler H: Postpartum cardiomyopathie: a cardiac emergency for gynecologists, general practitioners, internists, pulmonologists and cardiologists. [Die postpartale Kardiomyopathie. Ein kardiologischer Notfall für Gynäkologen, Hausärzte, Internisten, Pneumologen und Kardiologen]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(44): 751–6. VOLLTEXT

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