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Der Aktuell-Beitrag bedarf gesundheitspolitischer Diskussion. Es ist anerkennenswert, dass die Bundesgesundheitsministerin in diesem Jahr die Versorgung Demenzerkrankter bundesweit in 29 Projekten mit acht Millionen Euro fördert. Dieser Betrag macht 0,13 Prozent der sechs Milliarden Euro GKV-Kosten im Jahr aus. Bezogen auf die jährlichen Arzneimittelkosten für Antidementia von 240 Millionen Euro (mit nicht belegtem Nutzen gemäß einer IQWiG-Analyse) machen die acht Millionen Fördermittel drei Prozent der Ausgaben aus. Diese Medikamente kosten über vier Euro pro Tag. Werden die acht Millionen Euro Fördermittel hypothetisch auf derzeit 1,3 Millionen Demenzkranke umgelegt (Zahlen des Statistischen Bundesamtes), so kommen auf einen Demenzkranken sechs Euro Fördermittel, abzüglich Verwaltungskosten für das Jahr 2009. Diese Berechnungen verdeutlichen, wie marginal auch eindrucksvolle acht Millionen Fördermittel sein können. Erfolgreiche Demenztherapie ist weniger in Sicht als das Kunstherz oder die Kunstniere intrakorporal. Weshalb dieser seltsam anmutende Vergleich? Das Gehirn ist das komplexeste Organ: Der Kortex enthält ca. 15 Milliarden Neuronen und 500 Billionen Synapsen. Wer neurobiologische Basiskenntnisse hat, weiß, dass eine erfolgreiche Demenztherapie in den nächsten zehn bis 20 Jahren nicht erreicht wird. In dieser Zeit soll die Demenzinzidenz auf 1,7 bis zwei Millionen Erkrankte steigen (Schätzungen beim Jahreskongress der Bundesärztekammer 2008 in Ulm) . . . Den hohen GKV-Kosten für Demenzerkrankte und deren Schicksal des völligen Selbstständigkeitsverlustes sollte die Gesundheitspolitik mit der Förderung von Präventionsforschung begegnen. Demgegenüber ist das Leuchtturmprojekt recht marginal – doch wer klärt die Bundesgesundheitsministerin darüber auf?
Literatur beim Verfasser
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. J. M. Wenderlein,
Eythstraße 14, 89075 Ulm
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