ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Medizingeschichte: Vorzügliche Übersetzung

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Medizingeschichte: Vorzügliche Übersetzung

Jütte, Robert

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Erasmus von Rotterdam: Encomium Artis Medicae. Lob der Heilkunst. Lateinisch/Deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Klaus Bergdolt. Manutius Verlag, Heidelberg 2008, 80 Seiten, gebunden, 20 Euro
Erasmus von Rotterdam: Encomium Artis Medicae. Lob der Heilkunst. Lateinisch/Deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Klaus Bergdolt. Manutius Verlag, Heidelberg 2008, 80 Seiten, gebunden, 20 Euro
Der Arztberuf steht immer noch hoch im Ansehen. Laut einer Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2008 hatten 78 Prozent eine hohe Meinung von den Ärzten. Das war nicht immer so. Den meisten Humanisten galt der Arztberuf nicht nur als wenig attraktiv, sondern sogar als moralisch minderwertig. Ficino, eine der Lichtgestalten der Renaissance in Italien, leitete maßgeblich die Kehrtwende ein. Er betonte den göttlichen Ursprung der Heilkunde und hob die Nützlichkeit der ärztlichen Kunst hervor. Sebastian Brant gab in seiner Gesellschaftssatire „Das Narrenschiff“ den Rat, den Ärzten die Wahrheit zu sagen und ihren Rat zu befolgen, wenn der Mensch sich nicht zum Narren machen wolle.

Doch kein Lob auf die Ärzte war so wirkmächtig und so nachhaltig wie das von Erasmus von Rotterdam. Sein „Encomium artis medicae“ (1518 erstmals erschienen) fand im 16. Jahrhundert viele Nachahmer und wurde immer wieder gerne zitiert, besonders von Ärzten. Dabei war der Humanist mit der spitzen Feder Zeit seines Lebens alles andere als begeistert von der Medizin. Wenn es eben ging, mied er es, sich in ärztliche Behandlung zu begeben. In einem Brief an den Erzbischof von Canterbury verglich er die Ärzte mit Henkern und Harpyien (Monster). Woher kam dann der Sinneswandel, der ihn dazu brachte, ausgerechnet dem Medizinerstand Lobeshymnen zu singen? Offenbar kannte Erasmus auch Ärzte, vor denen er Hochachtung hatte. Darunter war der Erneuerer der Heilkunst, Theophrastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, den er in Basel konsultiert hatte.

Gewidmet ist das „Lob der Heilkunst“, das jetzt erstmals in einer vorzüglichen deutschen Übersetzung vorliegt, einem heute unbekannten niederländischen Arzt. Es enthält viele klassische Topoi und ist daher heute ohne Anmerkungen kaum verständlich, wie die luzide Einleitung des Übersetzers betont. Robert Jütte
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