ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2009Felix Mendelssohn-Bartholdy: Von früher Jugend an ein Rastloser

KULTUR

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Von früher Jugend an ein Rastloser

Dtsch Arztebl 2009; 106(11): A-519 / B-445 / C-431

Goddemeier, Christof

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„Jeden Tag ein bisschen komponieren, um in der Übung zu bleiben“, lautet sein Motto. So sind viele seiner Werke nicht zur Veröffentlichung vorgesehen.

Robert Schumann pries ihn als „Mozart des 19. Jahrhunderts“. Felix Mendelssohn-Bartholdy war ein Wunderkind und ein herausragender Pianist. Er reformierte das Dirigieren und ist einer der populärsten Komponisten der Musikgeschichte. Dabei ist sein heute bekanntes Werk eher schmal: die „Italienische Symphonie“, die „Schottische Symphonie“, die „Reformations-Symphonie“, das Violinkonzert, die Sommernachtstraum-Ouvertüre, die „Lieder ohne Worte“ und die Oratorien „Elias“ und „Paulus“. Die Herausgabe von Italienischer und Reformations-Symphonie war von Mendelssohn nicht autorisiert – die erste hat er nicht vollendet, und die zweite hielt er für sein schlechtestes Werk.

Der Komponist, Dirigent und Pianist Felix Mendelssohn- Bartholdy in einer zeitgenössischen Darstellung Fotos: Picture-Alliance akg-Images
Der Komponist, Dirigent und Pianist Felix Mendelssohn- Bartholdy in einer zeitgenössischen Darstellung Fotos: Picture-Alliance akg-Images
Am 3. Februar 1809 wird Felix Mendelssohn-Bartholdy in Hamburg geboren. Bald siedelt die Familie nach Berlin über. Seine Kindheit in der wohlhabenden Familie scheint nur auf den ersten Blick glücklich zu sein. Der hohe Anspruch besser zu sein als die anderen, führt immer wieder zu starken Selbstzweifeln. Mendelssohns Vorbilder sind die großen Klassiker. Während Mozart das Komponieren lernt, indem er Menuette verfasst, lernt Mendelssohn, indem er Choräle und Fugen niederschreibt. Immer wieder beginnt er Werke und vollendet sie nicht, weil er nicht weiter weiß.

1833 scheitert der 24-Jährige bei dem Versuch, seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter als Direktor der Berliner Singakademie abzulösen. Ob die Berliner Honoratioren keinen „Judenjungen“ oder schlicht keinen „Star“ an der Spitze des berühmtesten Chors Europas wollten, ist nicht eindeutig. Ein Intermezzo als Musikdirektor am Düsseldorfer Theater beendet Mendelssohn, weil er nicht einsieht, dass er zusätzlich Intendanzaufgaben wahrnehmen soll. 1835 wird er Kapellmeister des Leipziger Gewandhauses. Zwei Jahre später heiratet er Cécile Jeanrenaud.

Wenn Mendelssohn sich in einem Brief humorvoll als „antipublikümmerlicher Musiker“ bezeichnet, ist das vor dem Hintergrund seiner Konzerterfolge schwer verständlich. Doch er meint damit, dass sich hohe künstlerische Moral und das Streben nach Erfolg kaum vereinbaren lassen. Für Modekomponisten wie Henri Herz hat er nur Verachtung übrig. Auch sein Verhältnis zum ein Jahr jüngeren Chopin ist zwiespältig. Er bewundert den glänzenden Pianisten, doch Chopins Kompositionen leiden ihm zufolge an „Pariser Verzweiflungssucht und Leidenschaftssucherei und haben Takt und Ruhe und das recht Musikalische oft gar zu sehr aus den Augen gelassen“.

1810 hält E. T. A. Hoffmann einen „allein leitenden Dirigenten“ für nötig. Dem steht Schumanns Diktum vom Orchester als Republik gegenüber, das keinen Höheren über sich dulde. Mendelssohn erfindet die Rolle des modernen Konzertdirigenten und macht sie am Gewandhaus zu einer festen Einrichtung. Zudem führt er den Dirigentenstab ein. Mendelssohn ist viel unterwegs, so reist er auch nach England, wo man ihn freundlicher aufnimmt als in Berlin und Düsseldorf. Eine Einladung nach New York schlägt er 1845 aus. Als er im August desselben Jahres nach Leipzig zurückkehrt, ist seine einst „jugendfrische Heiterkeit“ einer „Erdenmüdigkeit“ gewichen. Wenige Monate nach dem Tod seiner geliebten Schwester Fanny stirbt Felix Mendelssohn Bartholdy mit 38 Jahren, vermutlich an den Folgen eines Schlaganfalls.
Christof Goddemeier
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