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LNSLNS Leserbriefe sind ein wichtiger Bestandteil der Diskussion über wissenschaftliche Arbeiten, auch im Deutschen Ärzteblatt. Die Meinungsvielfalt auf unseren Diskussionsseiten verdanken wir unseren debattenfreudigen Lesern – und einigen Regeln.

Zeitschriften sollten ihrer Leserschaft ermöglichen, Kommentare, Fragen oder Kritik zu veröffentlichten Artikeln einzureichen.“ So formuliert es das International Committee of Medical Journal Editors in seinen Empfehlungen für medizinische Fachzeitschriften, an die sich das Deutsche Ärzteblatt gebunden fühlt (eKasten gifgif pptppt) (1). Wie andere wissenschaftliche Zeitschriften bietet daher auch die Medizinisch-Wissenschaftliche Redaktion des Deutschen Ärzteblattes eine solche Möglichkeit zur Debatte: Seit 1975 erscheinen regelmäßig Leserzuschriften, die sich mit den wissenschaftlichen Arbeiten im Deutschen Ärzteblatt auseinandersetzen, seit 1987 im Rahmen der Rubrik „Diskussion“. Weil wir die Diskussionen für wichtig halten, räumen wir ihnen etwa 8 % des Seitenumfangs unserer Rubrik Medizin ein. Diese Größenordnung stimmt gut überein mit einer Untersuchung von Spodick und Goldberg (2). Sie hatte – allerdings bereits vor 30 Jahren – ergeben, dass die großen allgemeinen englischsprachigen Zeitschriften (JAMA, BMJ, New England Journal of Medicine, Lancet) etwa 6 % ihres Platzes für Leserbriefe zur Verfügung stellten, die sich auf Original- und Übersichtsarbeiten beziehen. Spodick und Goldberg zeigten auch, dass Spezialzeitschriften deutlich weniger Leserbriefe publizieren, was vermutlich daran liegt, dass sie weniger Leser haben.

Nicht jeder Leserbrief ist ein Diskussionsbeitrag
Dabei ist unsere Rubrik „Diskussion“ nicht zu verwechseln mit der Rubrik „Das Leser-Forum“, die sich auf den Seiten der Gesundheits- und Sozialpolitischen Redaktion findet. Letztere Seiten, in dieser Ausgabe etwa auf den Seiten A 558–561, sind dem Echo auf die politischen Artikel im Deutschen Ärzteblatt gewidmet und ähneln den Leserbriefspalten von Tageszeitungen. Die Rubrik Diskussion – Sie finden sie in diesem Heft auf der Seite 210 – dient dagegen dem fachlichen Austausch über die wissenschaftlichen Original- und Übersichtsarbeiten, die im medizinisch-wissenschaftlichen Teil des Deutschen Ärzteblattes erscheinen, der am Seitenkopf „Medizin“ erkennbar ist. Dieser Unterschied spiegelt sich auch in einem zentralen Strukturelement wieder: Am Ende einer jeden Diskussion erhalten die Autoren der Artikel, auf die sich die Verfasser von Diskussionsbeiträgen beziehen, die Gelegenheit zu einem Schlusswort – wie in anderen wissenschaftlichen Zeitschriften auch. Hinzu kommt, dass alle Autoren von Diskussionsbeiträgen und Schlussworten, wie auch Autoren von allen Texten in der Rubrik Medizin, eine Erklärung zu Interessenkonflikten ausfüllen müssen. Schließlich übertragen wir im Unterschied zu den Texten der gesundheits- und sozialpolitischen Redaktion alle Artikel ins Englische und drucken sie in unserer Internet-Zeitschrift Deutsches Ärzteblatt International ab.

Die Häufigkeit von Leserbriefen
Längst nicht jeder wissenschaftliche Artikel ruft Leserbriefe hervor. Dies zeigt eine eigene Recherche in der Datenbank Medline: Im Jahr 2007 erschienen etwa 117 843 klinische Originalpublikationen und Übersichtsarbeiten, denen nur 15 313 Briefe und Kommentare gegenüber standen (Grafik gif ppt). Hätten sich alle Leserbriefe nur auf die Studien und Übersichtsarbeiten bezogen, wäre nicht einmal zu jedem siebten dieser Artikel ein Leserbrief erschienen. Man muss jedoch berücksichtigen, dass es erstens neben Reviews und klinischen Studien noch viele weitere Veröffentlichungen gibt, etwa aus der experimentellen Forschung, dass zweitens viele Artikel mehr als einen Leserbrief provozieren, sowie drittens, dass es auch Leserbriefe gibt, die ganz ohne den Anlass anderer Veröffentlichungen eingesandt werden. Insgesamt erscheint es daher plausibel anzunehmen, dass zu weniger als einem Zehntel aller wissenschaftlichen Veröffentlichungen auch Leserbriefe erscheinen.

Leserbriefe als Korrektiv
Leserbriefe können ein wichtiges Korrektiv, sozusagen ein zweites Peer-review-Verfahren in der Wissenschaft, sein (3). Es ist daher sinnvoll, einen Artikel erst dann abschließend zu bewerten, wenn man auch die entsprechende Leserbriefdiskussion zur Kenntnis genommen hat. So hat die Redaktion des holländischen Journals Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde herausgefunden, dass in 4 % der Leserbriefe auf wesentliche Fehler in Artikeln aufmerksam gemacht worden war (4). Auch beim Deutschen Ärzteblatt kommt es immer wieder vor, dass Leser uns auf Ungenauigkeiten hinweisen. Genauso wichtig wie die Berichtigung von konkreten Fehlern ist jedoch die Diskussion methodischer und inhaltlicher Bewertungsfragen.

Bezogen auf die Medizinpublizistik insgesamt zeigt jedoch die vergleichsweise geringe Zahl an Leserbriefen, dass eine solche Überprüfung und Diskussion nur bei der Minderheit der wissenschaftlichen Arbeiten erfolgt. Hinzu kommt, dass selbst kritische Leserbriefe oft nicht ausreichend wahrgenommen werden und weniger Nachhall in der Literatur finden als verdient wäre (5, 6). So zeigte Horton am Beispiel von Antihypertensiva-Studien, dass die von Leserbriefautoren vorgebrachte substanzielle Kritik an klinischen Studien in nachfolgend publizierten Leitlinien nicht ausreichend berücksichtigt wurde (6).

Diskussionsbeiträge im Deutschen Ärzteblatt
Es spricht für die Debattierfreude unserer Leser, dass wir in der Rubrik Medizin des Deutschen Ärzteblattes für rund die Hälfte aller Übersichts- und Originalarbeiten auch Diskussionsbeiträge abdrucken können. In einer Bilanz unserer Ausgaben 44/2007 bis 43/2008 haben wir 53 Leserbriefdiskussionen mit insgesamt 97 Leserbriefen und zusätzlich 49 Schlussworten gezählt (Tabelle gif ppt). Diese Diskussionen bezogen sich auf einen Zeitraum, in dem wir 25 Original- und 84 Übersichtsarbeiten publiziert haben (49 %).

Die meisten Autoren verfassen ihre Leserbriefe aus einem kritischen Impuls heraus: 71 der 97 Schreiben waren mindestens zum Teil kritischen Inhalts, nur 15 zeichneten sich durch einen gänzlich oder teilweise positiven Tenor aus; ein gutes Viertel ordneten wir als mehr oder weniger wertfrei ein (Mehrfachzuordnungen möglich). In dieser Verteilung zeigt sich jedoch auch die Auslese der Redaktion: Unsere Diskussionsseiten sollen ein Forum für kritische Stimmen und inhaltliche Auseinandersetzungen sein. Ein Leserbrief, der lediglich den Autoren gratuliert, ohne eine inhaltliche Ergänzung oder Korrektur anzuregen, erscheint uns wenig diskussionsfördernd. Wir verfahren nach der Maxime, allen fachlichen Meinungen Raum zu geben, die wir für wichtig, interessant oder diskussionswürdig halten – unabhängig davon, ob wir sie teilen. Anders als einige andere Zeitschriften drucken wir keine Leserbriefe ab, die sich nicht auf zuvor in der Rubrik Medizin veröffentlichte Artikel beziehen oder die Kasuistiken zum Gegenstand haben.

Insgesamt betrug die Annahmequote von Diskussionsbeiträgen im Untersuchungszeitraum 62 %. Die häufigsten Ablehnungsgründe waren thematische Dopplungen mit bereits akzeptierten Diskussionsbeiträgen, Überlänge, Fristüberschreitungen sowie unwissenschaftliche Argumentation beziehungsweise offen persönliche Angriffe. Da das Ziel der Rubrik Diskussion die konstruktive fachliche Auseinandersetzung ist und nicht die Beschimpfung von Kollegen, können wir solche Texte nicht abdrucken.

Die Verfasser von Diskussionsbeiträgen im Deutschen Ärzteblatt arbeiten oft in Universitätskliniken (40 %), es finden sich allerdings unter ihnen durchaus auch Klinikärzte aus nicht universitären Häusern (10 %). Am häufigsten schreiben uns Absender mit ihrer Privat- oder Praxisadresse (46 %). Bei jedem zehnten Leserbrief verzeichneten wir einen Interessenkonflikt, eine geringere Quote als etwa bei Übersichtsarbeiten im Deutschen Ärzteblatt (7).

Bestimmte Fragestellungen werden unserer Erfahrung nach besonders kontrovers diskutiert. So erhielten wir im untersuchten Zeitraum die meisten Leserbriefe zum Thema Mammografiscreening (Artikel „Nutzen und Risiko des Mammografiescreenings“ [8] und „Bildgebung in der Brustkrebsfrüherkennung“ [9]) und zum Beitrag über „Leukämien bei unter 5-Jährigen in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke“ (10).

Geduldsache Publikation
Leider vergehen durchschnittlich fast fünf Monate zwischen der Abdruck des Primärartikels und der Leserbriefdiskussion – und dies, obwohl wir die Diskussionsbeiträge keinem eigenen Begutachtungsverfahren unterziehen. Diese Dauer erklärt sich aus den zahlreichen, allerdings unabdingbaren Teilschritten bis zur Veröffentlichung: Die Leser haben vier Wochen nach Erscheinen der Arbeit Zeit, um ihren Diskussionsbeitrag einzureichen, bevor wir eine redaktionelle Auswahl treffen. Oft müssen wir die Absender noch einmal darum bitten, ihren Text unseren Längenvorgaben anzupassen. Bei diesem Arbeitsgang kann es auch vorkommen, dass wir den Leserbriefschreibern eine redaktionell veränderte Fassung vorlegen, weil wir den Text in Bezug auf grammatikalische oder Verständnisprobleme hin bearbeitet oder ihn auch bereits gekürzt haben. Erst danach bitten wir die Autoren der Primärbeiträge darum, uns innerhalb von vier Wochen eine Replik auf die Diskussionsbeiträge zukommen zu lassen. Leider kommt es vor, dass Autoren diese Frist überziehen. Nach Eingang des Schlussworts, auf das die Autoren nur selten verzichten, bereiten wir die Beiträge für den Druck vor und legen sie allen Verfassern zur Imprimaturerteilung vor. Abschließend müssen wir die Diskussion in die vorhandene Heftplanung inklusive des für die Rubrik Medizin besonders frühen Redaktionsschlusses einpassen.

Regeln
Angesichts der Vielzahl der uns zugehenden Zuschriften und des begrenzten Platzes müssen wir alle Verfasser von Diskussionsbeiträgen bitten, einige formale Regeln einzuhalten. Im (Kasten gif ppt) haben wir die wichtigsten Hinweise noch einmal zusammen getragen und empfehlen sie allen zukünftigen Autoren von Diskussionsbeiträgen. In diesem Sinne freuen wir uns auf zukünftige Diskussionen mit anregenden Beiträgen unserer Leser.

Interessenkonflikt
PD Dr. Baethge leitet die Medizinisch-Wissenschaftliche Redaktion des Deutschen Ärzteblattes. Dipl.-Biol. Seger ist Redakteurin der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion des Deutschen Ärzteblattes.

Anschrift für die Verfasser
PD Dr. med. Christopher Baethge
Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Redaktion
E-Mail: baethge@aerzteblatt.de

Our Readers´ Voice

Dtsch Arztebl Int 2009; 106(12): 207–9
DOI: 10.3238/arztebl.2009.0207

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de
1.
International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE). Uniform requirements for manuscripts submitted to biomedical journals: writing and editing for biomedical publication (updated October 2008). www.icmje.org/ (eingesehen am 01.01.2009)
2.
Spodick DH, Goldberg RJ: The editor's correspondence: Analysis of patterns appearing in selected specialty and general journals. Am J Cardiol 1983; 52: 1290–2. MEDLINE
3.
Winker MA, Fontanarosa PB. Letters: A Forum for Scientific Discourse. JAMA 1999; 281: 1543. MEDLINE
4.
Mahesh S, Kabos M, Walvoort HC, Overbeke AJPM: De betekenis van ingezonden brieven in het Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, 1997–78. Ned Tijdschr Geneeskd 2001; 145: 531–5 MEDLINE
5.
Bhopal RS, Tonks A: The role of letters in reviewing research. BMJ 1994; 308: 1582–83. MEDLINE
6.
Horton R: Postpublication Criticism and the shaping of clinical knowledge. JAMA 2002; 287: 2843–46. MEDLINE
7.
Baethge C: Transparent texts [Transparente Texte]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(40): 675–9. VOLLTEXT
8.
Becker N, Junkermann H: Benefit and risk of mammography screening. Considerations from an epidemiological viewpoint [Nutzen und Risiko des Mammografiescreenings – Betrachtungen aus epidemiologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(8): 131–6. VOLLTEXT
9.
Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Heindel W, Katalinic A: Imaging studies for the early detection of breast cancer [Bildgebung für die Brustkrebsfrüherkennung].Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31–32): 541–7. VOLLTEXT
10.
Kaatsch P, Spix C, Jung I, Blettner M: Childhood leukemia in the vicinity of nuclear power plants in Germany [Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(42): 725–32. VOLLTEXT
1. International Committee of Medical Journal Editors (ICMJE). Uniform requirements for manuscripts submitted to biomedical journals: writing and editing for biomedical publication (updated October 2008). www.icmje.org/ (eingesehen am 01.01.2009)
2. Spodick DH, Goldberg RJ: The editor's correspondence: Analysis of patterns appearing in selected specialty and general journals. Am J Cardiol 1983; 52: 1290–2. MEDLINE
3. Winker MA, Fontanarosa PB. Letters: A Forum for Scientific Discourse. JAMA 1999; 281: 1543. MEDLINE
4. Mahesh S, Kabos M, Walvoort HC, Overbeke AJPM: De betekenis van ingezonden brieven in het Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, 1997–78. Ned Tijdschr Geneeskd 2001; 145: 531–5 MEDLINE
5. Bhopal RS, Tonks A: The role of letters in reviewing research. BMJ 1994; 308: 1582–83. MEDLINE
6. Horton R: Postpublication Criticism and the shaping of clinical knowledge. JAMA 2002; 287: 2843–46. MEDLINE
7. Baethge C: Transparent texts [Transparente Texte]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(40): 675–9. VOLLTEXT
8. Becker N, Junkermann H: Benefit and risk of mammography screening. Considerations from an epidemiological viewpoint [Nutzen und Risiko des Mammografiescreenings – Betrachtungen aus epidemiologischer Sicht]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(8): 131–6. VOLLTEXT
9. Heywang-Köbrunner SH, Schreer I, Heindel W, Katalinic A: Imaging studies for the early detection of breast cancer [Bildgebung für die Brustkrebsfrüherkennung].Dtsch Arztebl Int 2008; 105(31–32): 541–7. VOLLTEXT
10. Kaatsch P, Spix C, Jung I, Blettner M: Childhood leukemia in the vicinity of nuclear power plants in Germany [Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke]. Dtsch Arztebl Int 2008; 105(42): 725–32. VOLLTEXT

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