ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2009Koronarpatienten leben weiter ungesund

AKTUELL: Akut

Koronarpatienten leben weiter ungesund

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Herzinfarkt, Bypass oder ein Stent sollten für Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) ein Motiv sein, den Lebensstil zu ändern. Eine Querschnittsstudie im „Lancet“ (2009; 373: 929–40) zeigt jedoch, dass dies den meisten Patienten schwerfällt. Die European Society of Cardiology hat in den letzten zwölf Jahren dreimal (1995–96, 1999–2000 und 2006–2007) Patienten aus mehreren europäischen Ländern befragt, deren Hospitalisierung im Durchschnitt ein Jahr zurücklag. Alle Umfragen ergaben, dass es vielen Patienten während dieser Zeit nicht gelang, die modifizierten Risikofaktoren, die für das koronare Ereignis verantwortlich waren, abzustellen.

Immerhin gab jeder zweite an, seit dem koronaren Ereignis das Rauchen aufgegeben zu haben. Doch zum Zeitpunkt der Umfrage rauchten in der jüngsten Umfrage noch 18,2 Prozent, wie Kornelia Kotseva vom National Heart and Lung Institute in London mitteilt. Das ist zwar ein gewisser Vorteil gegenüber der ersten Umfrage, als der Anteil der Raucher noch 20,3 Prozent betrug.

Auch Therapien führten zu keiner Verbesserung
Auffällig, aber durchaus im Einklang mit dem Trend in der Allgemeinbevölkerung, ist ein deutlicher Anstieg der weiblichen Raucher, der bei den unter 50-jährigen Patientinnen mittlerweile höher ist als bei den Männern. Auch die Motivation zu mehr körperlicher Bewegung ist nicht bei allen Patienten vorhanden: 40 Prozent bleiben ihren alten Gewohnheiten treu. Immerhin ein Drittel sagte jedoch, dass sie regelmäßig Sport treiben würden, um fit zu bleiben. Die gegenwärtige Adipositas-Epidemie hinterlässt dennoch ihre Spuren. Waren 1995/96 noch 25 Prozent der Patienten fettleibig, so waren es zwölf Jahre später bereits 38 Prozent.

Der Anteil der Diabetiker stieg von 17,4 auf 28 Prozent an. Enttäuschend aus medizinischer Sicht ist sicherlich, dass es bei der Therapie der Hypertonie und der Hyperlipidämie zu keiner Verbesserung kam. In allen drei Erhebungen hatten drei von fünf Patienten einen erhöhten Blutdruck, und nahezu die Hälfte aller Patienten blieb über den empfohlenen Lipidzielwerten und dies obwohl die Verordnung von Medikamenten deutlich zugenommen hat. Immerhin: Die Zahl der Patienten mit überhöhten Cholesterinwerten konnte halbiert werden.

Insgesamt zeigt die Studie Kotseva zufolge, wie schwierig es für die Menschen sei, ihre Verhaltensweisen sogar angesichts einer lebensbedrohenden Erkrankung zu ändern. rme
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