ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2009Unterwegs an Unstrut und Saale: Im Himmelreich kann man übernachten

KULTUR

Unterwegs an Unstrut und Saale: Im Himmelreich kann man übernachten

Dtsch Arztebl 2009; 106(12): A-568 / B-486 / C-470

Scheiper, Renate V.

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Von den Hängen aus schweift der Blick weit über die Saaleschleife und Burgen. Foto: Renate V. Scheiper
Von den Hängen aus schweift der Blick weit über die Saaleschleife und Burgen. Foto: Renate V. Scheiper
Wein, Kultur und Romantik – das südliche Harzvorland bietet Abwechslung.

Von Memleben aus windet sich die Saale-Unstrut-Weinstraße parallel zur Unstrut gen Osten. Hier im südlichen Harzvorland mit seinem milden Klima liegt das nördlichste Weinanbaugebiet Deutschlands. Wiesen und Terrassen mit Weinstöcken an Muschelkalkhängen säumen die Ufer.

Die „Himmelsscheibe von Nebra“: Das Original befindet sich im Landesmuseum in Halle/Saale. Foto: ddp
Die „Himmelsscheibe von Nebra“: Das Original befindet sich im Landesmuseum in Halle/Saale. Foto: ddp
Schon bald sind die romanischen und Renaissancefassaden von Nebra zu sehen, das bereits im zwölften Jahrhundert Stadtrecht bekam. Die von Norden kommende „Straße der Romanik“ führt durch den Ort. Die „Himmelsscheibe von Nebra“ machte den Ort weltweit bekannt. Raubgräber fanden sie 1999 in einer Steinkammer auf dem Mittelberg. Die Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern, auf der aus Goldblech Sonne, Mond und das Sternbild der Plejaden aufgearbeitet sind, wurde vor etwa 3 600 Jahren angefertigt. Am Fundort steht heute ein in seiner Architektur verblüffendes Besucherzentrum, die „Arche Nebra“. Aus der Ferne scheint es wie eine leicht gebogene Himmelsbarke über der Erde zu schweben. Drinnen faszinieren lebendige Inszenierungen der Gestirne, die Archäologie und Astronomie geschickt verbinden.

Obwohl die Entfernungen gering sind, kommt man nicht schnell voran, will man auch nur einen Bruchteil dessen besichtigen, was es zu sehen und zu genießen gibt, wie einen Schoppen des Saale-Unstrut-Weins. Mit Sicherheit hat auch Friedrich Schiller sich am Wein delektiert. Denn von seiner Wirkungsstätte Weimar aus war er öfter in der Gegend und sah im Unstrutörtchen Laucha dem Glockengießermeister Ulrich gern bei der Arbeit zu. Dort sei Schiller, so heißt es, zum „Lied von der Glocke“ inspiriert worden. Die Glockengießerei ist erhalten geblieben und als Museum zu besichtigen.

Knapp zehn Kilometer sind es von hier aus bis zur Winzerstadt Freyburg an der Unstrut. Weinstuben in schönen Fachwerkhäusern wetteifern miteinander. Hier starb 1852 Turnvater Jahn. Sein Wohnhaus ist heute ein Museum.

Von der Anlegestelle an der Unstrut fährt dreimal täglich das kleine Ausflugsschiff „Fröhliche Dörte“ flussabwärts bis zur Mündung der Unstrut in die Saale bei Naumburg und wieder zurück. Vom Schiff aus ist das „Steinerne Bilderbuch“ bei Großjena zu sehen. Vor 300 Jahren ließ ein reicher Bürger die zwölf meist biblischen Szenen zu Ehren seines Fürsten in den Hang des Weinbergs hauen.

Das 1 000 Jahre alte Schloss Neuenburg erhebt sich trutzig über Freyburg. Ein Wanderweg führt hinauf. Ein architektonisches Kleinod ist die ungewöhnliche zweistöckige Doppelkapelle. Weit in die Lande schweift der Blick über beide Flüsse bis zur Domstadt Naumburg, die eine wahre Schatzkammer ist mit vielen Renaissancehäusern, Museen und dem Haus des Philosophen Nietzsche.

Nun steht noch die Fahrt zur Ruine der Burg Saaleck und zur Rudelsburg über dem Ostufer der Saale, im 19. Jahrhundert Zentrum von Studentenverbindungen, auf dem Programm. Tief unten windet sich die Saale in einer großen Schleife um die zwei Burgen. Gegenüber an einem steilen Weinhang liegt die „Berggaststätte Himmelreich“ mit einem noch schöneren Blick auf Saaleschleife und Burgen. Im Himmelreich kann man sogar übernachten.
Renate V. Scheiper

Informationen: www.saale-unstrut-tourismus.de
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