ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Randnotiz: Alles andere als harmlos

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Randnotiz: Alles andere als harmlos

Dtsch Arztebl 2009; 106(13): A-583 / B-499 / C-483

Richter-Kuhlmann, Eva

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LNSLNS Zufall ist es nicht: In Deutschland grassieren die Masern. Auffällig viele Fälle meldete Anfang des Jahres zunächst Nordrhein-Westfalen; nun ist Hamburg an der Reihe. Dort sind in den letzten Wochen bereits mehr als 100 Menschen erkrankt – mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen.

Ziel der Welt­gesund­heits­organi­sation ist es, bis 2010 die Masern in Europa zu eliminieren. Doch diese Vorgabe wird nicht erreicht werden. Dafür wird Deutschland sorgen. Denn hierzulande gibt es noch zu viele Masernfälle. Dies konnte man jüngst auch in der Fachzeitschrift „The Lancet“ nachlesen: Im Ranking der Erkrankungsfälle belegt Deutschland weltweit Platz 26 und liegt damit zwischen Usbekistan, Sambia und dem Tschad.

Der Grund für die wiederkehrenden Masernausbrüche ist die Impfmüdigkeit der Deutschen oder besser gesagt: die hohe Zahl der Impfgegner. Ein Viertel der Jugendlichen ist nicht ausreichend gegen Masern geimpft. 95 Prozent aller Kinder müssten eine zweimalige Impfung aufweisen, um die Masern auszurotten. Doch Eltern aus sozial schwächeren sowie aus wohlsituierten Akademikerkreisen verhindern dies. Sie wollen ihrem Kind die „unnatürliche“ Impfung nicht zumuten, weil sie Nebenwirkungen befürchten oder eine „Vergiftung der Bevölkerung“, wie auf zahllosen impfkritischen Internetseiten zu lesen ist.

Viele durch die Alternativmedizin geprägte Eltern glauben zudem, ihr Kind müsse für eine gesunde Entwicklung Kinderkrankheiten durchmachen. Doch damit riskieren sie sogar den Tod ihres Kindes: 2006 erkrankten 2 300 Deutsche an Masern, 15 Prozent mussten stationär behandelt werden. Zwei Patienten starben.
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