ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Multiple Sklerose: Fampridin verbessert Gehfähigkeit

AKTUELL: Akut

Multiple Sklerose: Fampridin verbessert Gehfähigkeit

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Fampridin, ein oral verfügbarer Kaliumkanalblocker, kann die Gehfähigkeit von Patienten mit multipler Sklerose (MS) verbessern. Dies belegen zwei Phase-III-Studien, eine davon ist kürzlich im „Lancet“ (2009; 373: 732–38) publiziert worden. Der Hersteller, das New Yorker Unternehmen Acorda Therapeutics, hat in den USA die Zulassung beantragt.

Fampridin (chemisch: 4-Aminopyridin) blockiert selektiv die Kaliumkanäle auf Nervenzellen und verlängert die Aktionspotenziale. Die Hoffnung, dass dieser Effekt bei Patienten mit multipler Sklerose die Neuronen vorübergehend stabilisieren kann, ist nicht neu. Der Wirkstoff wurde bereits in kleineren Studien untersucht, doch die Cochrane Collaboration kam 2002 zu dem Schluss, eine günstige Wirkung auf die Lähmungserscheinungen sei nicht belegt. Der Hersteller initiierte daraufhin die jetzt publizierte Phase-III-Studie, an der 301 Patienten teilnahmen, die noch in der Lage waren, eine Gehstrecke von 25 Fuß innerhalb von 45 Sekunden zurückzulegen. Die Studie sollte untersuchen, ob die Therapie mit zweimal täglich 10 mg Fampridin die Zeit, welche die Patienten für diesen Fußweg benötigen, verkürzen kann.

Response bei jedem dritten Patienten
Bei 35 Prozent der Patienten war dies tatsächlich der Fall, während auf Placebo nur acht Prozent ansprachen. Bei den Respondern kam es zu einer Verbesserung der Gehgeschwindigkeit um 25 Prozent. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, welcher Patient von der Behandlung profitieren wird – was auch für die Nebenwirkungen zutrifft. Zwar ist es dem Hersteller gelungen, die Verträglichkeit durch eine Retardformulierung zu verbessern, bei zwei Patienten kam es jedoch zu schweren Nebenwirkungen. Ein Patient erlitt eine schwere Angst-attacke. Er war allerdings bereits zuvor wegen Angststörungen und Schlaflosigkeit mit Diazepam behandelt worden. Der andere Patient bekam einen fokalen Krampfanfall. Auslöser könnte eine Sepsis nach einer Lungenentzündung gewesen sein. Epileptische Anfälle gehören aber zu den plausiblen Nebenwirkungen eines Wirkstoffs, der das Aktionspotenzial stabilisiert, sodass eine Krampfneigung vermutlich zu den Kontraindikationen des Medikaments gehören würde – im Fall einer Zulassung, die der Hersteller in Europa auch für das Guillain-Barré-Syndrom anstrebt.

In der zweiten Phase-III-Studie mit MS-Patienten verbesserte Fampridin die Gehfähigkeit bei 43 Prozent der Teilnehmer, der Placeboeffekt lag bei neun Prozent. rme
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