ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Von schräg unten: Am Wochenende

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Am Wochenende

Dtsch Arztebl 2009; 106(13): [100]

Böhmeke, Thomas

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Freitagabend, endlich Wochenende! Ich freue mich unbändig darauf, das Stakkato der Sprechstunde hinter mir zu lassen und von meiner geliebten Ehefrau mit einem köstlichen Mahl belohnt zu werden. Als Entree gibt es Markklößchensuppe; mein Lob fällt schwärmerisch aus: Die Klößchen gleichen ektomierten Kolonpolypen, die Suppe sieht aus wie eine Bronchiallavage. Der nächste Gang, bitte. Olfaktorisch verzaubernde Putenbrust, dekoriert mit Crème fraîche, die mich an einen gespaltenen Staphylokokkenabszess erinnert. Dies tue ich schmeichelnd der Köchin kund. Der Nachtisch, bitte. Vanilleeis mit Mandelsplittern, begleitet von meinem freudigen Kompliment: „So schön wie therapierte Schuppenflechte!“ Meine Frau lässt mich gewähren, sie kennt das schon.

Es ist Samstagabend, es gibt Bœuf bourguignon. Nachdem ich auch dem letzten Tropfen Rotweinsauce keine Chance mehr gelassen habe, blickt mich meine Frau erwartungsvoll an. Das Fleisch sei ein Genuss gewesen, so bin ich voll des Lobes, zart bis in die letzte Faser; der Bordeaux habe die Aromen kraftvoll unterstützt, ohne sich gebieterisch über die Zunge zu wälzen: einfach perfekt. „Keine Rhabdomyolyse?“ Nein, es ist alles in Ordnung. „Und die Sauce kam auch nicht aus dem mikrobiologischen Labor?“ Nein, alles ist einfach wunderbar.

Am Wochenende brauche ich mindestens 24 Stunden, bis ich wieder ein normal ansprechbarer Mensch bin. Bis Samstagabend muss meine Frau, glaube ich, allerhand mit mir durchmachen. Glücklich ist, wer einen Partner hat, der das ertragen kann.
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