ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Ausbildung: Zeit und Geld fehlen
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Das Editorial von Frau Birgit Hibbeler zeigt die vorhandenen Probleme der Ausbildung auf. Allerdings greift es im Bereich der Facharztausbildung zu kurz, wenn vor allem die Chefärzte in die Pflicht genommen werden sollen. Der Chefarzt steht heute unter dem Diktat der Kosten-/ Erlös-Rechnung und der effektiven Erbringung von Leistungen. Weiterbildung und Facharztausbildung kosten jedoch Zeit und damit Geld. Richtigerweise wird mittlerweile die ärztliche Arbeitszeit genau erfasst und Mehrarbeit vergütet. In den DRG-Erlösen ist Weiterbildung nicht abgebildet. Woher kommt dann die Vergütung für die durch Weiterbildung anfallende Arbeitszeit bei den Weiterzubildenden (Assistenzärzte) und den Weiterbildenden (Oberärzte, Chefärzte)? Hierfür sind keine Mittel vorgesehen und damit auch keine Mittel vorhanden. Außerdem führt Weiterbildung zur Wettbewerbsverzerrung. DRG-Erlöse sind für alle gleich, egal, ob in der Klinik weitergebildet wird oder nicht. Eine Klinik, die nicht weiterbildet, kann damit kosteneffektiver arbeiten und Gewinn erwirtschaften, der dann unter Umständen, zumindest teilweise, in eine bessere Bezahlung der Fachärzte fließen kann. Gut weitergebildete Fachärzte werden deshalb die Weiterbildungsklinik verlassen und die besser dotierte Stelle in einer nicht weiterbildenden Klinik annehmen. Leider zeigt keiner der an der Entwicklung der Krankenhausfinanzierung Beteiligten auch nur annäherndes Interesse, dieses Dilemma zu lösen. Es wird schlichtweg ignoriert (Zitat: „Weiterbildung ist ein Produkt der ärztlichen Tätigkeit und damit in den DRG-Erlösen erfasst.“ Aussage eines Kassenvertreters). Solange von Krankenhausgesellschaft, Kostenträgern und Ärztekammern diese Problematik ignoriert wird, ist es schlichtweg unanständig, einzelne Krankenhäuser oder Chefärzte in die Pflicht zu nehmen . . .
Prof. Dr. med. A. Scharl, Chefarzt, Klinikum
St. Marien, Frauenklinik und Brustzentrum,
Mariahilfbergweg 7, 92224 Amberg
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