ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Demografie: Auswanderung und Fortpflanzungsstreik
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Als Antwort auf Ihren Artikel würde ich gerne ein paar Fragen stellen. Ist das wirklich die Frage, um die es geht, ob die Deutschen aussterben? Die Deutschen im Sinne von hier geborenen Menschen mit deutschem Pass? Oder ist die Frage vielmehr, ob wir in 30 Jahren unsere Art zu leben noch wiedererkennen werden? Sozialer Friede beruht auf einem gewissen Gerechtigkeitsgefühl, einem Gefühl der Versorgung, der Wahrnehmung der Aufgaben des Staates durch den Staat. Der soziale Friede beruht auf dem Gefühl der Teilhabe an diesem Gesamtgeflecht. Die gute wirtschaftliche Position Deutschlands beruht auf einer ausreichenden Auswahl an hinreichend qualifizierten und motivierten Menschen, die für andere durch ihre Ideen und Unternehmen Arbeitsplätze schaffen. Nicht jeder kann alles, und nicht jeder tut alles, was er könnte . . . Es gibt einen immer höher werdenden Prozentsatz an Kindern, die hier unter der Armutsgrenze aufwachsen: Sie zählen in der Bevölkerungsstatistik, aber sie tragen trotz ihres jungen Alters wirtschaftlich nichts zum Sozialwesen bei. Sie haben keine Perspektive bei ihren Eltern gesehen, haben selbst keine und werden später keine weitergeben können, wenn man den Soziologen glaubt. Würden wir alle der Frage: „Kann ich mir Kinder überhaupt leisten?“ mehr folgen, wäre die jetzt über Generationen versteckte Entwicklung unmittelbarer zu sehen. Denn die „Generation Praktikum“ ist ja sogar besser gestellt, als die üblichen prekären Arbeitsverhältnisse. Und die „Generation Praktikum“ reagiert: mit „Fortpflanzungsstreik“ und Auswanderung . . . Deutschland wird nicht bevölkerungsleer werden. Aber die sozial friedlichen Deutschen, wie wir sie nach dem Krieg kannten, wird es sehr bald nicht mehr geben. Und das halte ich für das vordringliche Problem, dessen Bekämpfung wir uns widmen sollten . . .
Arp Blum, Brunnenweg 2, 26160 Bad Zwischenahn
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