ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Lesen und Recherchieren: Das Internet bedrängt die Bibliotheken

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Lesen und Recherchieren: Das Internet bedrängt die Bibliotheken

Jachertz, Norbert

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Die Recherche im Internet tritt zunehmend an die Stelle der herkömmlichen Bibliotheksnutzung. Insbesondere in den Natur- und Lebenswissenschaften werde es in wenigen Jahren völlig buchfreie Informationswege geben, erklärte Prof. Dr. Stefan Gradmann, Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaften der Humboldt-Universität, auf einer Veranstaltung zur Zukunft der Bibliotheken am 12. März in Berlin und irritierte damit manchen Bibliothekar und Bücherliebhaber. Dr. Klaus Ceynowa von der Bayerischen Staatsbibliothek in München sekundierte mit Umfrageergebnissen aus den USA: 64 Prozent der Studenten nutzten für die Recherche eine Suchmaschine, nur 24 Prozent die Bibliothek. 72 Prozent sahen die Suchmaschine gar als „first choice“, 14 Prozent die Bibliothek. Zum Thema Stammzellforschung zum Beispiel informierten sich 67 Prozent der Befragten im Internet, nur 11 Prozent in der Bibliothek.

Mit „Suchmaschine“ (search engine) dürfte vor allem Google gemeint sein. Gradmann sah die Quasi-monopolstellung des Unternehmens sehr kritisch. Der Algorithmus, nach dem Google die Informationen sortiere, sei nicht völlig bekannt, auch gebe es Hinweise, dass sich Google Platzierungen bezahlen lasse. Gradmann setzte sich hingegen vehement für das im November 2008 angelaufene Projekt Europeana ein, hinter dem die EU-Kommission, Nationalbibliotheken und diverse Kultureinrichtungen stecken. Europeana hat derzeit rund zwei Millionen Objekte (Bücher, Kunstwerke) digitalisiert und abrufbar, bis 2010 sollen es über sechs Millionen sein (www.europeana.eu/portal).

Anders die Bayerische Staatsbibliothek. Sie hat sich 2007 mit Google zusammengetan und will aus ihrem Gesamtbestand von gut neun Millionen Titeln in den nächsten Jahren über eine Million urheberrechtsfreier Objekte (Bücher) digitalisieren und über Google verbreiten. Ceynowa erhofft sich davon auch eine Entlastung des überlasteten Lesesaals. Denn bei aller Digitalisierung – auch künftig wird noch in Büchern gelesen. Norbert Jachertz
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