ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Kulturkalender: Protagonisten des Auf- und Umbruchs

KULTUR

Kulturkalender: Protagonisten des Auf- und Umbruchs

Schuchart, Sabine

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Foto: Jan Saudek
Foto: Jan Saudek
Alle vier Wochen stellt das Deutsche Ärzteblatt eine Auswahl von herausragenden Ausstellungen vor, die Sie nicht verpassen sollten.

BIELEFELD
Bis 2. August:
1968 – Die große Unschuld
1968 war auch in der Kunst ein Umbruchjahr. Viele Kreative stellten das herkömmliche Kunstsystem infrage und versuchten, mit neuen Materialien, Techniken und Herangehensweisen als tradiert empfundene Gattungen wie Malerei und Skulptur zu überwinden beziehungsweise neu zu erfinden. Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug darauf, dass sich oftmals „das kreative Ich mit großer Unschuld in den Mittelpunkt stellte“. Die Kuratoren haben rund 150 Künstler von Joseph Beuys bis zu Andy Warhol, von Louise Bourgeois bis zu Lawrence Weiner als Protagonisten des Aufbruchs ausgewählt.
Kunsthalle, Artur-Ladebeck-Straße 5, Di.–So. 11–18, Mi. 11–21, Sa. 10–18 Uhr

BONN
Bis 26. Juli:
Tschechische Fotografie
Jan Saudeks Arbeit aus dem Jahre 1966 (Bild) heißt schlicht „Life“. Der 1935 geborene Prager Fotograf wurde insbesondere durch seine eigenwilligen Aktaufnahmen und die Auseinandersetzung mit Themen wie Sinnlichkeit, Alter und Tod bekannt. Die Geschichte der tschechischen Fotografie im letzten Jahrhundert, die derzeit anhand von rund 440 Exponaten in Bonn erzählt wird, reicht weit über den politischen Bereich hinaus, auch wenn Ereignisse wie Sarajewo, Mai 1945 oder der Prager Frühling entsprechenden Raum einnehmen. Zu sehen ist die gesamte Bandbreite tschechischer Fotokunst ab 1900 – ob klassische Bildreportage, Surrealismus, Realismus oder Avantgarde.
Bundeskunsthalle, Museumsmeile,
Di. und Mi. 10–21, Do.–So. 10–19 Uhr

HANNOVER
29. März bis 19. Juli:
Marc, Macke und Delaunay
„Die Schönheit einer zerbrechenden Welt (1910–1914)“, so der Untertitel der Ausstellung, wirft den Blick auf eine kurze, aber intensive Lebensphase dreier Künstler vor dem Ersten Weltkrieg und ihre gegenseitige Beeinflussung. Franz Marc (1880–1916) und August Macke (1887–1914), die erstmals 1910 in München aufeinandertrafen und beide während des Krieges umkommen sollten, schufen in nur vier Jahren ihr Hauptwerk. Robert Delaunay (1885–1941), den sie in dieser Periode in Paris besuchten, war mit seinen bunten Facettierungen und lichtbrechenden Fensterbildern ein wichtiger Impulsgeber für die zwei deutschen Expressionisten.
Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz, Di.–Do. + So. 10–20, Fr.–Sa. 10–22 Uhr

KÖLN
Bis 14. Juni:
Maria Lassnig
Die fast 90-jährige Österreicherin, die in ihren Aquarellen und Zeichnungen schon früh die Themen weiblicher Körper und Körperempfinden bearbeitete, ist eine der wenigen Künstlerinnen, die über Jahrzehnte großes internationales Renommee genossen. Auch in ihrem ausdrucksstarken Spätwerk – meist schlichten Bleistiftzeichnungen mit farbigem Hintergrund – hinterfragt sie die physischen Bedingungen ihrer Existenz. Die Retrospektive beginnt mit den surrealistischen Zeichnungen der späten 1940er-Jahre und erstreckt sich über die malerischen Formate in den 70er- und 80er-Jahren bis heute.
Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Di.–So. 10–18, 1. Do. im Monat 10–22 Uhr

MÜNCHEN
Bis 30. August:
Luxus und Dekadenz
Am Golf von Neapel, inmitten der fruchtbaren Region „Campania felix“, führten reiche Römer vor 2 000 Jahren ein Luxusleben. Hier am Fuße des Vesuv unterhielten sie prachtvoll ausgestattete Villen und gigantische Landsitze, sammelten Kunst und kostbare Relikte der Alltagskultur. 170 Exponate aus dem Nationalmuseum Neapel und den Ausgrabungsstätten von Pompeji sind Zeugnisse dieser Zeit: Wandmalereien, großformatige Mosaike und Skulpturen aus Bronze und Marmor, silbernes Tafelgeschirr, Möbel und Schmuck. Neben den positiven Facetten beleuchtet die Ausstellung auch die Schattenseiten des Reichtums und Überflusses.
Archäologische Staatssammlung, Lerchenfeldstraße 2, Di. –Sa. 9.30–18, So. 9.30–20 Uhr Sabine Schuchart

Foto: Nolde Stiftung
Foto: Nolde Stiftung
Der besondere Tipp
Metamorphosen des Gesichts
Die Lust an der Verwandlung, sich zu zeigen und zu verbergen, die Enttarnung des „wahren Gesichts“ – all dies ist mit der Magie der Maske verbunden. Viele große Künstler – von Tischbein, Rodin, Gauguin, Nolde, Ensor bis Picasso – haben sich zwischen dem 18. und frühen 20. Jahrhundert mit den „menschlichen Fratzen“ auseinandergesetzt. Die Maske ebnete in der Moderne zum Teil erst den Weg in die Abstraktion. Doch bereits im antiken Griechenland hatte sie ihren großen Auftritt, als der Blick der Medusa tötete. Hier setzt die zusammen mit dem Pariser Musée d’Orsay entwickelte Darmstädter Schau (die einzige Station in Deutschland) mit rund 200 hochkarätigen Bildern und Objekten an. Im Foto: Noldes „Maskenstillleben“ von 1911.
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