ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Der Arzt und seine Hausbank: Vertrauensvolle Partnerschaft

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Der Arzt und seine Hausbank: Vertrauensvolle Partnerschaft

Bandering, Michael

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Ein guter Banker geht von sich aus mit Anregungen auf den Arzt zu und reagiert nicht nur. Foto: iStockphoto
Ein guter Banker geht von sich aus mit Anregungen auf den Arzt zu und reagiert nicht nur. Foto: iStockphoto
Wichtig für die optimale Bankverbindung ist weniger die Höhe der Zinsen, sondern der Service und die Beratung.

Das Geschäftsverhältnis zwischen Kunde und Bank ist ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis – dieser alte Satz aus der Präambel der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Kreditinstitute klingt ein Stück weit ironisch angesichts spektakulärer Urteile gegen Banken in den vergangenen Jahren. Doch untersucht man die einschlägigen Urteile nüchtern, waren es regelmäßig nicht Banken oder Sparkassen, die ihre Kunden hereinlegen wollten – wie manche Gazettenschreiber aus mangelndem Sachverstand oder ideologischem Interesse weiszumachen suchten –, sondern es war meist die unzureichende Transparenz der Leistungsdarstellung, mit der sich im Wirtschaftsleben Ungewandte konfrontiert sahen. Schließlich sorgen ein Kreditwesengesetz und eine Bankenaufsichtsbehörde, nicht zuletzt auch ein intensiver Wettbewerb, in Deutschland für ein großes Maß an Seriosität im Bankensektor.

Foto: Fotolia
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Zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs im Wertpapiergeschäft aber sind Banken als Kapitalsammelstellen wie als Kreditgeber unersetzbare Partner im Wirtschaftskreislauf. Natürlich gibt es Unterschiede in der „Qualität“ der Bankfilialen. Denn nicht ein Viertel Prozent mehr oder weniger Zinsen machen die Güte und damit Attraktivität einer Bankverbindung aus, sondern ihr Service – ein Aspekt, der im Zuge der Diskussionen um „Basel II“ zu Unrecht in den Hintergrund getreten ist. Ein optimaler Service jedoch setzt hoch qualifiziertes Beratungspersonal voraus; es allein beherrscht die zunehmend umfassendere bankliche Dienstleistungspalette und macht diese ihrer Kundschaft auch zugänglich.

Den Service testen
Aber wie soll die Ärztin/der Arzt die Qualität seiner Bankfiliale beurteilen? Ein guter Banker geht von sich aus auf seine Kunden mit Anregungen zu und reagiert nicht nur. So wird er beispielsweise zu einer Anlage auf ein Festgeldkonto raten, wenn größere Girokontoguthaben offensichtlich auf längere Zeit für den laufenden Praxisbetrieb nicht benötigt werden (für kürzere Fristen sollte der Bankberater das Tagesgeldkonto ansprechen). Besonders im Rahmen von Kreditgesprächen ergeben sich einige Testgelegenheiten für den Bankkunden, um sich von der Qualifikation seines banklichen Gegenübers ein Bild zu verschaffen: Lässt man sich den eigenen, der Bank vorgelegten Jahresabschluss analysieren, sieht man, ob und wie der Gesprächspartner auf die wichtigsten Aspekte einer Analyse herangeht (vor allem Untersuchung der Rentabilitäts- sowie Liquiditätsentwicklung, deren Ursachen und deren Tendenzen unter besonderer Beachtung der Eigenkapitalsituation).

Empfiehlt die Bank unkonventionelle Anlagen für das Ersparte, sollte man sich auch deren Schattenseiten erläutern lassen – Licht ohne Schatten gibt es nicht. Argwohn ist bei „Steuersparmodellen“ angebracht; sie halten einer soliden Wirtschaftlichkeitsprüfung meist nicht stand (Grundsatz: Werden vorrangig steuerliche Erwerbsmotive ins Feld geführt, sollte man gewarnt sein.). Hier zeigt es sich, dass es auch weniger qualifizierte (Zweck-)Beratung gibt.

Qualifizierte Beratung setzt laufende Schulung voraus
Freilich kann nur regelmäßige Schulung qualifiziertes Beratungspersonal schaffen. Man kann den Banker nach den bankinternen Weiterbildungsmöglichkeiten und deren praktische Realisierung durchaus befragen. Große Banken verfügen über eigene Ausbildungszentren; daneben bietet das Sparkassen- wie das Genossenschaftssystem meist institutsunabhängige Fortbildung an. Kleine und kleinere Banken tun sich allerdings schon aus personellen Gründen etwas schwer, ihren Mitarbeitern diese Wege zu öffnen – zum Nachteil der so nötigen Servicequalität. Diese Ausbildung löst allerdings Kosten aus, die wie in jedem Betrieb auch in die Bankkalkulation einfließen. Jeder besonnene Arzt wird folglich die Güte seiner Bank weniger danach beurteilen, ob sie für die Buchung einige Cent mehr oder weniger verlangt als die Konkurrenz, sondern nach der Qualität des Beratungsservices, der dem Kunden – leider meist nicht exakt messbare – sogar beachtliche Ertragsvorteile bringen kann.

Sinnvoll ist es, eine nahe gelegene Bank zu wählen, um den Kontakt zu ihr zu optimieren. Das wird beispielsweise bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank womöglich zum Problem. Zwar betreibt die Apobank 46 Filialen – aber verteilt über das ganze Bundesgebiet. Man bemüht sich, dieses Manko durch mobile Berater zu entschärfen, doch scheint man sich auf das Einlagen- und Kreditgeschäft zu fokussieren. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Im Internetauftritt stellt man nur das Wertpapiergeschäft für institutionelle Anleger heraus.

Wichtig bei der Bankwahl ist, dass das Institut einem Sicherungsfonds angeschlossen ist – ein Aspekt, dem derzeit verdientermaßen mehr Beachtung geschenkt wird.

Doch wie soll ein Außenstehender eine „gefährdete“ Bank erkennen? Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Anhaltspunkte:
- Die Bank oder Sparkasse reicht Kredite denkbar „großzügig“ aus.
- Einlagenzinsangebote wie Kreditzinsen liegen wesentlich (zum Beispiel zwei Prozent und mehr) über den marktüblichen Sätzen.
Ein dritter Gesichtspunkt lässt sich allerdings nicht klären: Hat sich auch die gewählte Bank verzockt? Denn hier ist Schweigen leider an der Tagesordnung.
So angenehm ein „großzügiger“ Kreditgeber in den Augen des Bankkunden sein mag – setzt sich der Geldgeber nicht kritisch mit der Bonität seines Kreditkunden auseinander, provoziert er Ausfälle, die auf Dauer nicht spurlos an Bank und (auch unbeteiligten) Bankkunden vorübergehen. Auch eine Bank lebt von der Zinsspanne. Verlangt sie von ihren Schuldnern auf Dauer wesentlich höhere Zinsen als marktüblich, werden sich bonitätsmäßig starke Kreditkunden schließlich nach einer anderen Bankverbindung umsehen, sodass gefährdete Kreditengagements – mit allen folgenreichen Konsequenzen – mehr und mehr Übergewicht erlangen. Behutsame Einleger, die diese Entwicklung erahnen, ziehen zunehmend ihre Guthaben zurück, sodass sich ein solches Institut durch das Zugeständnis wesentlich höherer („unschlagbarer“) Einlagenzinsen refinanzieren muss: Eine gefährliche Spirale ist in Gang gesetzt.

Der persönliche Kontakt bringt den Mehrwert
Ein besonnener Arzt hält daher Ausschau nach einer seriösen Bankverbindung mit qualifizierten Betreuern. Gegen Seriosität sprechen etwa „Lockkonditionen“, die man früher oder später doch auf ein (ehrliches) Normalmaß zurücknehmen wird. Während ein großes Institut regelmäßig umfassenden Service anbieten kann (sofern nicht „Rationalisierungsmaßnahmen“ dem zuwiderlaufen), sollte die kontoführende Stelle als solche nicht zu groß, also überschaubar sein. Der Bankkunde läuft dann nicht Gefahr, zur (Konto-) Nummer zu verkümmern.

Um ein besseres Gespür für die Beratungsqualität der eigenen Bank zu bekommen, kann eine zweite Bankverbindung zum Vergleich nicht schaden. Im Laufe der Zeit wird der Kunde den besseren Betreuer erkannt haben, und dann sollte er die Bankgewichte verlagern. Das heißt nun nicht, man solle eine Bank gegen die andere ausspielen (wodurch beide Banken das Betreuungsinteresse am Kunden zu dessen Nachteil verlieren). Wer von seinen Partnern selbst Fairness erwartet, muss sie auch selbst üben. Denn nur so kann eine in beiderseitigem Interesse vertrauensvolle Partnerschaft wachsen, die sich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bewährt.

Ein Wermutstropfen: Um einen Kreditkunden mit unterdurchschnittlicher Bonität werden Banken kaum buhlen. Das wirkt sich auch auf die Bereitschaft des Geldhauses aus, Kredit zu gewähren oder viel Zeit in eine qualifizierte Kundenbetreuung zu investieren.
Michael Bandering
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