ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2009Börsebius: Fallensteller
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Da verstehen die Schweizer überhaupt keinen Spaß, wenn ihnen jemand ins Portemonnaie greift. Auch vor unserem Finanzminister Peer Steinbrück machen die Eidgenossen nicht halt, fühlen sich von ihm vielmehr arg an die Wand gedrückt. Der Grund der hysterischen Verbalattacken, mit denen die Presse des Nachbarlandes über den armen Peer herfällt, ist unmittelbar verständlich: Steinbrück will den vielen Steueroasen dieser Welt den Garaus machen, und beim munteren Steinewerfen fallen eben auch einige Brocken auf die Schweiz.

Die Zeitung „Blick am Abend“ schimpfte denn auch kräftig und setzte unseren Steuerrecken als „Der hässliche Deutsche“ auf die Titelseite. Noch schlimmer in die Kerbe des Absurden hieb der Parlamentarier Thomas Müller von der Christdemokratischen Volkspartei, Steinbrück erinnere ihn an „jene Generation von Deutschen, die vor 60 Jahren mit Ledermantel, Stiefel und Armbinde durch die Gassen gegangen sind“.

Ihr Herren Schweizer, geht’s noch? Wer so aufschreit, muss ziemlich Dreck am Stecken haben, und mit dem Kopfrechnen wird es wohl auch nicht so weit her sein. Vor 60 Jahren lief hierzulande noch nicht mal eine Maus in Stiefeln und Armbinde durch die Gegend, selbst das hätten die Siegermächte nicht durchgehen lassen.

Bei der Austrocknung von „privaten Steueroasen“ hierzulande hat indes die höchstrichterliche Rechtsprechung unseren heiß geliebten Finanzämtern einen mächtigen Liebesdienst erwiesen. Oder andersherum gesagt, das bundesdeutsche Bankgeheimnis wurde jüngst durch ein Urteil des Bundesfinanzhofs (Az.: VII R 47/07) noch weiter ausgehöhlt. Banken müssen an Finanzämter Kontodaten ihrer Kunden selbst dann weiterleiten, wenn kein strafrechtlicher Verdacht vorliegt. Es reicht aus, wenn im Rahmen einer Betriebsprüfung (der Bank) der Prüfer Auffälligkeiten feststellt, die über den Kreis der „alltäglichen und banküblichen Geschäfte“ hinausgehen. Was immer das heißt, Gummi ist schließlich ziemlich dehnbar.
Konkreter Auslöser des ganzen Verfahrens war, dass einem Steuerprüfer Bankkunden aufgefallen waren, die von eben der geprüften Bank hohe Schadensersatzzahlungen für Fehlkäufe von Wertpapieren erhalten hatten. Die Krux ist nur, dass es die „passenden“ Depots in der Steuererklärung dazu möglicherweise gar nicht gibt. Manche Leute stellen sich halt ihre Fallen selbst.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.