ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2009Ärzteschach: Die schmackhafteste Arznei

SCHLUSSPUNKT

Ärzteschach: Die schmackhafteste Arznei

Pfleger, Helmut

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Dr. med. Helmut Pfleger Foto: Dagobert Kohlmeyer
Dr. med. Helmut Pfleger Foto: Dagobert Kohlmeyer
Letztes Mal habe ich es schon anklingen lassen: Das „Deutsche Ärzteblatt“ ist für mich ein nicht versiegender Quell der Inspiration. So las ich denn in diesem Quell am 19. September letzten Jahres, dass Prinzessin Augusta von Preußen, die spätere erste deutsche Kaiserin, am 28. Juli 1858 die Taufpatin der Quelle in Bad Neuenahr war: „Nachdem die Quelle eingesegnet war, goss Augusta eine daraus gefüllte Schale langsam in die Quelle und verlieh ihr den Namen ,Augustenquelle‘.“ Doch nun genug des zweifelsohne heilsamen Bad Neuenahrer Wassers und aller Quellen, kommen wir zum – nein, noch nicht zum Schach! Wie wär’s mit Wein? Schließlich ist die Gegend um Bad Neuenahr, wo vom 24. bis 26. April, einmal mehr, das 17. Deutsche Ärzteschachturnier stattfindet, das nördlichste Rotweingebiet der Welt – mit einem Rotweinwanderweg hoch über der Ahr. Nun, Sie wissen mittlerweile schon, wem ich auch diese Weisheit zu verdanken habe, nicht so indes bei der nächsten: „Der Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste.“ Das geht auf den griechischen Philosophen Plutarch zurück, doch mich erreichte diese Erkenntnis über meinen ehemaligen Oberarzt am Kreiskrankenhaus München-Perlach, der in einer glücklichen Verbindung des Wohlschmeckenden und Gesunden einst in ein Weingut in Rüdesheim am Rhein (ein Nebenfluss der Ahr) eingeheiratet hat. Und da es mehr alte Weintrinker als alte Ärzte geben soll, ist er in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Ein großer Freund des Weins, dem man – im Gegensatz zu meinem Oberarzt – diese Liebe schon an seiner barocken Statur und Gesichtszeichnung ansehen konnte, war der sowjetische Großmeister Efim Geller, zu seiner Zeit einer der besten Spieler der Welt.

Nun weiß ich nicht, ob beim letzten Ärzteturnier sein Namensvetter Dr. med. Arpad Geller sich auch davon – natürlich allenfalls am Vorabend – inspirieren ließ (schließlich gibt es noch andere Inspirationsquellen als das „Deutsche Ärzteblatt“), in jedem Fall eroberte er in dieser harmlos anmutenden Stellung als Schwarzer am Zug mit einer überraschenden Opferkombination gegen Dr. med. Peter Fritz siegbringend Material. Wie kam’s?

Lösung:
Nur allzu gerne würde der schwarze Randspringer mit der Springergabel Sc4+ die weiße Dame erobern, doch das Schlüsselfeld c4 ist zweifach vom Läufer b5 und Springer a3 überdeckt. Also muss ich diese Hindernisse aus dem Weg räumen, dachte sich Dr. Geller: 1. . . . Lxb5. Das war der erste Streich, um nach 2. axb5 den nächsten folgen zu lassen: 2. . . . Dxa3+! Nach diesem Damenopfer gewann auf 3. Kxa3 die Springergabel 3. . . . Sc4+ die Dame mit Zinsen, sprich einem Mehrspringer, zurück.
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