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Bootsurlaub: Die irischen Wasserstraßen

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LNSLNS Auf dem Shannon ist Deutsch (auch mit österreichischem oder schweizerischem Akzent) die erste Sprache: Aus den deutschsprachigen Ländern kommen die meisten Ferienkapitäne der Kabinenkreuzer. Aber dennoch hat man nicht den Eindruck, im eigenen Land zu sein. Zum einen ist das Revier viel zu groß – mit rund 750 Kilometern Länge ist allein der Shannon-Erne Waterway das größte Wassersportrevier Europas ohne Frachtverkehr. Zum anderen ist die Landschaft so typisch irisch, dass die paar deutschen Wortfetzen in den Schleusen wie vom Winde verweht wirken.

Cruising im eigenen Kabinenkreuzer, einer Kombination aus komfortablem Hausboot und eleganter Jacht, ist als Urlaubsform vor gut 30 Jahren in Irland entstanden. Dort waren die Voraussetzungen ideal. Der Shannon, Irlands größter Fluss, muss nur geringe Höhenunterschiede bewältigen, er hat damit eine geringe Strömungsgeschwindigkeit. Dadurch können auch Urlauber ohne Bootsführerschein und nautische Kenntnisse die acht bis 15 Meter langen Schiffe problemlos durch die Flüsse und Seen steuern.

Und weil der Strom vor der Erfindung der Eisenbahn der beste Weg war, ins Inselinnere vorzudringen, wurden die Ufer der Wasserwege schon früh besiedelt. Deshalb mangelt es nicht an historischen Orten, eindrucksvollen Burgen und pittoresken Ruinen – attraktive Sehenswürdigkeiten für alle, die nicht nur angeln oder Wassersport betreiben wollen.

Im 18. Jahrhundert entstanden zahlreiche Kanäle, durch die das ganze Land wirtschaftlich erschlossen wurde. Mit dem Siegeszug von Bahn und Auto gerieten diese Wasserstraßen in Vergessenheit. Jetzt werden sie für Freizeitskipper wieder hergestellt: die Wasserstraße zwischen dem Shannon und der Seenkette des Erne sowie der Grand Canal zwischen Shannon und Dublin, der auch den River Barrow im Südosten der Insel wieder für Kabinenkreuzer erschloss.

Die Vorteile eines Urlaubs im Kabinenkreuzer sind vielfältig. Das Reisetempo ist gemächlich. Wer mag, lernt jeden Tag einen anderen Ort kennen, ohne ein- und auspacken zu müssen. Selbst an abgelegenen Ankerplätzen hat man immer seine Küche, sein Bad und alle anderen Annehmlichkeiten der Zivilisation dabei. Wer sportlich aktiv werden will, findet in fast allen kleinen Städten entlang der Route einen Reiterhof und einen Golfplatz. Oder er steigt um vom Boot auf das mitgemietete Fahrrad – und sei es auch nur, um zum Restaurant oder zum Pub zu strampeln.

Geheimtipps am Strom
Killaloe – Die kleine Stadt, die das südliche Ende der Shannon-Navigation markiert, gilt als Geburtsort des legendären Hochkönigs Brian Boru (926–1014). Bereits im 6. Jahrhundert wurde hier ein Kloster gegründet. Über dessen Grundmauern begann 1185 der Bau der St. Flannan’s Cathedral, die den Übergang von der Romanik zur Gotik repräsentiert.

Inishcealtra – Die „heilige Insel“ mit Klosterruinen aus dem 9. bis 13. Jahrhundert war ein beliebtes Wallfahrtsziel. Der Garten von St. Michael soll Wunderheilungen bewirken. Auch ein nie vollendeter Rundturm gehört zu der Anlage. In einen Brunnen warfen reuige Sünder früher kleine Münzen.

Carrick-on-Shannon – In der kleinen Hafenstadt mit der steinernen 17-Bogen-Brücke übernehmen viele Urlauber ihre Kabinenkreuzer. Dort steht die „zweitkleinste Kapelle der Welt“ (3,6 mal 4,8 Meter), die 1877 erbaute Costello Memorial Chapel. Das Ehepaar Costello ließ dort seine Särge unter einer Glasplatte beisetzen.

Sehenswürdigkeiten am Strom
Shannonbridge – Die historische Brücke von 1757 ist eine der wenigen am Shannon, die im 19. Jahrhundert nicht umgebaut wurden. An dem Übergang entstand in napoleonischer Zeit eine Festung gegen drohende französische Invasionen. Etwas weiter stromaufwärts liegen die Klosterruinen von Clonmacnois.

Athlone – Bereits 1129 wurde der viel genutzte Flussübergang von Athlone befestigt. Im 13. Jahrhundert bauten die Normannen die heute noch erhaltene Burg. Die heutige Steinbrücke entstand 1844, sechs Jahre später wurde die Eisenbahnbrücke fertiggestellt. Die Peter- und Paulskirche von 1937 ist mit sehenswerten Buntglasfenstern ausgestattet.

Enniskillen – Die Stadt liegt auf einer Insel, ihre Burg aus dem 15. Jahrhundert kontrollierte einst die Wasserwege durch die Erne-Seen. Heute beherbergt sie das Fermanagh County Museum. In der fast 400 Jahre alten Portora Royal School drückten Samuel Beckett und Oscar Wilde die Schulbank.

Kulinarisches am Strom
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The Cherry Tree Restaurant – Das erst wenige Jahre alte Restaurant in Killaloe hat bereits mehrere Preise erhalten für seine innovative Küche. Küchenchef Harry McKeogh benutzt nur Biogemüse und Fleisch, das von den Farmen der Umgebung stammt. Eine weitere Spezialität sind Fischgerichte. Durch die großen Fenster blicken die Gäste auf den Shannon. Telefon: 0 03 53/61-37 56 88

Glasson Village Restaurant – Das elegante Restaurant liegt im Dorf Glasson, etwa sieben Kilometer außerhalb von Athlone. Besitzer und Küchenchef Michael Brooks hat sich auf Hummer, Fisch- und Muschelgerichte spezialisiert. Für Golfer gibt es eine Pauschale: Übernachtung mit Dinner und Platzgebühr ab 110 Euro. Telefon: 0 03 53/9 02-8 50 01

Oscar’s Restaurant – Der irische Dichter und Dramatiker Oscar Wilde ist der Namenspatron des Restaurants in Enniskillen. Die Einrichtung der Bar stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Als Spezialitäten empfiehlt Besitzer Dermot Magee seine Pastagerichte und das Bœuf Stroganoff. Telefon: 00 44/28-66 32 70 37

Grand Canal und River Barrow – Der historische Grand Canal ist gut 130 Kilometer lang, zählt 43 Schleusen und verbindet Dublin mit dem Shannon. Er ist durchgängig restauriert und den Urlaubsskippern vorbehalten. Die bekannteste Ortschaft ist dank der vielen Whiskey-Flaschen, die ihren Namen tragen, Tullamore.

Bei Robertstown verbindet sich der Grand Canal mit Irlands zweitlängstem Fluss, dem Barrow. Das jüngste Revier für Kabinenkreuzer-Kapitäne ist auch bei den Barge-Skippern sehr beliebt. Diese Barges wurden einst für den Warentransport genutzt, heute sind sie umgebaut in bequeme schwimmende Ferienheime. Der bekannteste Ort ist Carlow mit seiner Burg aus dem 13. Jahrhundert, in der Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft endet auch die für Urlauber befahrbare Strecke.

Ein Stopp, den kaum ein „Seemann“ auslässt, ist das Pub am Ufer von Maganey. Dort wird gutes Bier gezapft, und man kann mit ein paar Schritten zwischen den Grafschaften Carlow, Kildare und Laois hin und her wechseln.

Informationen: Die Angebote der Reiseveranstalter für Bootsurlaub in Irland schließen in der Regel die Anreise und die Transfers zu den Marinas mit ein. Meist sind die Pauschalangebote günstiger als die separate Buchung der einzelnen Leistungen. Die deutschen Reiseveranstalter, die Kabinenkreuzer anbieten, sowie aktuelle Angebote sind im Reiseplaner 2009 der Irland-Information unter www.entdeckeirland.de aufgelistet. Nützliche Informationen links und rechts der Wasserstraße enthält die Broschüre „Seenlandschaften und Wasserwege“.

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