ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 1/2009Reykjavík: Mit dem Licht kehrt die Kraft zurück

Supplement: Reisemagazin

Reykjavík: Mit dem Licht kehrt die Kraft zurück

Dtsch Arztebl 2009; 106(14): [30]

Marx, Catrin

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LNSLNS Die Finanzkrise hat Island schwer getroffen. Doch dem quirligen Nachtleben in der Hauptstadt tut das kaum Abbruch – die Preise sind auch für die Einheimischen gefallen.

Die Sonne verlässt den Himmel nur für zwei Stunden am Tag. Es ist der 20. Juni – Mittsommer in Island, der längste Tag des Jahres. Auf den Straßen und in den Lokalen der Hauptstadt herrscht fröhliches Getümmel. Heute feiern nicht nur die jungen Leute ausgelassen, alle Altersklassen sind vertreten. Um zwei Uhr nachts scheint es, als ob das Licht der Mittsommersonne den Isländern ungeahnte Kraft gibt, um die Nacht zum Tag zu machen. Aus den offenen Türen auf der Austurstræti klingt die Musik von Livebands. Von Rock über Reggae bis hin zu Jazz – für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei. Die Menschen tingeln durch die übersichtliche Innenstadt von Reykjavík. So war es 2008, bevor die Finanzkrise Island erschütterte. Wie aber wird das Fest in diesem Jahr ausfallen?

Die Rezession ist wie die kurzen Tage des Winters über Island gekommen. Doch in Reykjavíks Bars und Kneipen brennen nach wie vor die Lichter. Fotos: Catrin Marx
Die Rezession ist wie die kurzen Tage des Winters über Island gekommen. Doch in Reykjavíks Bars und Kneipen brennen nach wie vor die Lichter. Fotos: Catrin Marx
„Die lässigsten Bars von Downtown-Reykjavík, das ,101‘ oder das ,b5‘, wo die Geldjongleure noch 2008 wilde Mittsommernachtsfeste feierten, sind menschenleer“, schrieb unlängst „Der Spiegel“ (6/2009). Geht Islands Partymeile unter? „Nein“, sagt Dora Magnúsdóttir vom isländischen Fremdenverkehrsverband. „Am 1. März hatten wir den isländischen Biertag, der traditionell gefeiert wird. Man spürte nichts von der Rezession, die das Land erfasst hat. Obwohl wir in der wirtschaftlichen Krise stecken, trafen sich die Menschen in Kneipen und Restaurants.“ Auf die Frage, wie die Isländer sich das trotz Rezession leisten können, antwortet sie: „Die Wirte haben ihre Margen verkleinert, damit Essen und Trinken erschwinglich sind. Die Restaurants und Kneipen waren so voll wie immer, und es wurde zwischen Hafnarstræti und Klapparstígur gefeiert und gesungen.“

Dass in Reykjavík auch in der Krise nicht die Lichter ausgehen, bestätigt Ruth Bobrich, Wirtschaftsberaterin der isländischen Botschaft in Berlin. Sie war im Februar während des Winterfestes in Reykjavík und glaubte, dass es nicht nötig sei, im Restaurant einen Tisch zu reservieren. Doch erst im vierten Lokal war es möglich, einen freien Platz zu ergattern. Auch der Winterschlussverkauf boomte. „Durch den günstigen Wechselkurs der isländischen Krone ist der Urlaub für Touristen erschwinglicher geworden“, erklärt Bobrich. Das macht sich auch bei den Geschäften in Reykjavík bemerkbar. Halla Bogadóttir vom Design-Kaufhaus Kraum meint: „Unsere Geschäfte laufen besser als vorher. Durch die Rezession sind unsere Produkte für die Touristen günstiger geworden, und auch die Isländer besinnen sich wieder stärker auf heimische Produkte.“ Dazu zählen aus Fischhaut oder Robbenfell gefertigte Stiefel und Taschen von Maria K. Magnúsdóttir in edlem Design. Wer es eher sportiv liebt, dem haben die eigenwilligen Outdoormarken 66° North oder Cintamani einiges zu bieten. Die Rezession ist wie die kurzen Tage des Winters über Island gekommen. „Doch die Tage werden wieder länger“, sagt Dora Magnúsdóttir. Sie hofft: „Wenn das Licht kommt, kehrt auch die Kraft der Isländer zurück.“ Catrin Marx

Informationen: Isländisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurter Straße 181, 63263 Neu-Isenburg 1, Telefon: 0 61 02/25 44 84, Internet: www.visiticeland.com.
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