ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2009Medizinische Forschung: Ermutigung zu kritischen Fragen

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Medizinische Forschung: Ermutigung zu kritischen Fragen

Dtsch Arztebl 2009; 106(14): A-664 / B-566 / C-550

Lang, Britta; Meerpohl, Jörg J.

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Imogen Evans, Hazel Thornton, Iain Chalmers: Medizin auf dem Prüfstand. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2008, 145 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro
Imogen Evans, Hazel Thornton, Iain Chalmers: Medizin auf dem Prüfstand. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2008, 145 Seiten, kartoniert, 19,95 Euro
„In der Medizin können wir uns nie über die Auswirkungen unseres Handelns sicher sein, wir können nur das Ausmaß der Unsicherheit begrenzen.“ Ausgehend von diesem Zitat von W. Silverman (1998) beleuchten die Autoren um Sir Iain Chalmers, einem Mitbegründer der internationalen Cochrane Collaboration, die Thematik, ob die klinische Forschung uneingeschränkt im Dienste der Patienten steht.

In acht Kapiteln bietet dieses Buch eine hervorragende Einführung in die Methoden, Praxis und Bedeutung der Prüfung medizinischer Interventionen in vergleichenden klinischen Studien. Es wendet sich gleichermaßen an Forscher, Ärzte und Patienten und ermutigt diese zu kritischen Fragen. Es plädiert für einen aufrichtigen Umgang mit schlechter oder überflüssiger Forschung sowie für einen zurückhaltenden und überlegten Einsatz von medizinischen Verfahren, deren Effektivität nicht sicher belegt ist. Anhand einer Vielzahl eindrucksvoller Beispiele illustrieren die Autoren, wie traditionell angewandte oder überstürzt eingeführte Verfahren mehr Schaden als Nutzen für die Patienten verursachen konnten, weil Wirksamkeit und Sicherheit nicht angemessen getestet wurden.

In einer auch für Laien verständlichen Sprache beschreiben die Autoren die Entwicklung der methodischen Grundlagen und wissenschaftlichen Prinzipien klinischer Studien. Mögliche Ursachen für falsche Rückschlüsse aus klinischer Forschung durch systematische Fehler (Bias) werden ebenso beleuchtet wie die biomedizinische Publikationspraxis, bei der teilweise selektiv bevorzugt von Studien mit positiven Ergebnissen berichtet wird. Entsprechende Maßnahmen, diesen Problemen entgegenzutreten, werden diskutiert.

In zwei Kapiteln stellen die Autoren dar, dass im Hinblick auf eine gemeinsame Entscheidungsfindung von Arzt und Patient auch bei Laien ein Grundverständnis dieser Zusammenhänge gefordert werden muss, von diesen aber auch gewünscht wird. Im abschließenden Kapitel äußern die Autoren den Wunsch nach einer „Revolution“: Patienten sollten Forschung aktiver mitgestalten, um diese zu optimieren; als entscheidende „Nutzer“ sollten sie ihren Teil zur Priorisierung und Gestaltung der Forschungslandschaft beitragen.

Den deutschen Bearbeitern ist es zu verdanken, dass dieses wichtige Buch nun auch für das deutschsprachige Publikum zur Verfügung steht. Die englische Originalversion kann kostenfrei als PDF-Dokument unter www.jameslindlibrary.org/pdf/testing-treatments.pdf heruntergeladen werden. Britta Lang,
Jörg J. Meerpohl
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