ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2009Raphael Gassmann: Soziologenblick auf Süchte

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Raphael Gassmann: Soziologenblick auf Süchte

Rieser, Sabine

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Raphael Gaßmann Foto: DHS
Raphael Gaßmann Foto: DHS
Was tut man als Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) den ganzen Tag? Gestalten, überzeugen und deshalb viel reden, sagt Dr. phil. Raphael Gaßmann. „Meine Arbeit besteht zu 90 Prozent daraus zu sprechen.“ Wenn die Gespräche gut laufen, hat man Erfolg: So wie damals, als die DHS auf die Gefahren von Alcopops aufmerksam machte und relativ rasch Gehör fand. Ansonsten braucht man einen langen Atem, findet Gaßmann. „Ich werde mich wenn nötig bis zur Rente dafür einsetzen, dass Werbung für alle Suchtmittel verboten wird.“

Der 49-jährige Westfale ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer, zuvor war er neun Jahre lang Stellvertreter. Die DHS, die sich mit vielfältigen Fragestellungen zu Suchtformen, ihrer Behandlung und Prävention beschäftigt, fand er schon als Soziologiestudent interessant. Nein, das habe keine biografischen Gründe, winkt Gaßmann ab. Soziologen befassten sich eben gern mit abweichendem Verhalten.

Langweilig ist ihm das Thema Sucht bis heute nicht geworden. Manchmal ärgert es ihn allerdings, wie emotional Arbeitsgepräche teilweise verlaufen. „Ein rationaler Standpunkt ist häufig verpönt“, bedauert Gaßmann. Gern wird das Gespräch mit ihm auf Jugendliche gebracht, die doch viel zu früh rauchten, kifften und tränken. „Das wird vielfach als Entlastung benutzt, um nicht über Erwachsene zu sprechen“, meint Gaßmann. „Die klassischen Alkoholpatienten sind aber nicht 16 Jahre alt, sondern eher 46.“

Wie er es selbst mit Alkohol oder Zigaretten hält, dazu sagt Gaßmann prinzipiell nichts. Denn in seiner Position ist jede Antwort die falsche, hat er festgestellt: Raucht man nicht, hat man keine Ahnung. Tut man es, ist man unglaubwürdig. Und hat man mal geraucht – gehört man als Exkonsument zu den schlimmsten Kritikern. Sabine Rieser
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