ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2009Pneumokokken-Impfung: Neue Vakzine schließt Lücke im Immunschutz

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Pneumokokken-Impfung: Neue Vakzine schließt Lücke im Immunschutz

Bischoff, Angelika

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Streptococcus pneumoniae im Rasterelektronenmikroskop. Je nach Aufbau der Außenhülle der Bakterien unterscheidet man 90 Serotypen. Für einen Großteil der Erkrankungen sind jedoch nur zehn bis 20 von ihnen verantwortlich. Foto: Superbild
Streptococcus pneumoniae im Rasterelektronenmikroskop. Je nach Aufbau der Außenhülle der Bakterien unterscheidet man 90 Serotypen. Für einen Großteil der Erkrankungen sind jedoch nur zehn bis 20 von ihnen verantwortlich. Foto: Superbild
10-valenter Pneumokokken-Impfstoff enthält drei neue Serotypen, die mit schweren Verläufen assoziiert und in Europa verbreitet sind.

Bei den durch die Pneumokokken-Impfung erfassten Serotypen gibt es Lücken: So werden die wichtigen Serotypen 1, 5 und 7F bisher nicht erfasst. Dies wird sich mit einer neuen, 10-valenten Pneumokokken-Vakzine ändern, die diese drei Serotypen zusätzlich zu den bisherigen enthält und damit besonders auf die Epidemiologie in Europa ausgerichtet ist. Dies ist bei der Einführungspressekonferenz des Unternehmens Glaxosmithkline für die neue Vakzine in München berichtet worden.

Seit 2006 gilt für alle Kinder bis 24 Monate eine generelle Impfempfehlung gegen Pneumokokken. Die Ständige Impfkommission (STIKO) wollte damit das Auftreten invasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) mit deren Folgen wie Hospitalisierung, Behinderung und Tod reduzieren. Diese Empfehlung habe dazu geführt, dass die Inzidenz von IPD mit dem derzeit verfügbaren 7-valenten Impfstoff um 50 Prozent zurückgegangen sei, berichtete Dr. Mark van der Linden (Aachen). Diese Abnahme wurde vor allem durch die Serotypen 14 und 23F verursacht. Die Inzidenz von Erkrankungen durch Serotypen, die durch die Impfung nicht abgedeckt würden, sei aber nahezu stabil geblieben, erklärte van der Linden, jedoch seien die sieben Serotypen im Jahr 2009 nur noch für 40 Prozent dieser Erkrankungen bei Kindern unter zwei Jahren verantwortlich gewesen.

Serotyp 1 ruft nach Angaben von Priv.-Doz. Dr. Johannes Liese (München) schwere Lungenentzündungen hervor. Die Serotypen 5 und 7F sind besonders oft mit Komplikationen verbunden. Mit dem neuen 10-valenten Konjugatimpfstoff werden in der Altersgruppe unter zwei Jahren zusätzliche 20 Prozent dieser Erkrankungen abgedeckt.

Zu den häufigsten nicht invasiven Krankheitsbildern, die durch Pneumokokken ausgelöst werden, gehört die akute Otitis media. Um hiergegen einen wirksamen Schutz aufzubauen, sei für den neuen Impfstoff Protein D als Trägerprotein gewählt worden, erläuterte Dr. med. Volker Vetter (München). In einer Studie mit einem 11-valenten Vorläuferimpfstoff konnte immerhin ein Drittel der Otitis-media-Erkrankungen vermieden werden. Protein D soll darüber hinaus mögliche Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Gabe anderer Impfstoffe vermeiden. Damit, so der Kinderarzt Dr. Michael Horn (Berchtesgaden), lasse sich in Zukunft ein Impftermin einsparen, weil der 10-valente Konjugatimpfstoff zeitgleich mit der Meningokokken-Impfung injiziert werden könne. Die neue Vakzine wird voraussichtlich im April als Synflorix® zur Verfügung stehen.
Dr. med. Angelika Bischoff

Launch-Pressekonferenz „Ein neuer 10-valenter Pneumokokken-Impfstoff speziell für Europa“ in München, Veranstalter: Glaxosmithkline
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