ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1997Die Garnisonkirche zu Potsdam: Geplanter Wiederaufbau

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Die Garnisonkirche zu Potsdam: Geplanter Wiederaufbau

Kornemann, Klaus

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die ehemals weltberühmte Hof- und Garnisonkirche zu Potsdam wurde bereits 1732 auf Anordnung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. (des Soldatenkönigs, 1688 bis 1740) erbaut, nachdem Potsdam mit seinen damals rund 1 500 Einwohnern Garnisonstadt geworden war. Dort wurden regelmäßig Gottesdienste für die Hofgesellschaft und die Angehörigen der Garnison abgehalten. Mit dem 90 Meter hohen Kirchturm schuf der damals weithin bekannte Architekt Phil. Gerlach ein architektonisches Meisterstück, ein Wahrzeichen für Potsdam von hervorragender Schönheit. Von der Galerie des Kirchturms aus hatte man einen weiten Rundblick über die Havellandschaft, über Seen, Wälder und Hügel. Die Gebäude ringsum waren gut zu sehen: der Lange Stall, der Lustgarten, die Lange Brücke, die Nicolaikirche, Schloß Sanssouci und der Pfingstberg.
Das Glockenspiel der Garnisonkirche war eines der schönsten in Europa mit insgesamt 40 Glocken, die zusammen mehr als zehn Tonnen wogen. Es konnte von Hand und mechanisch über eine 1,85 Meter im Durchmesser große Spielwalze bespielt werden.
Viele Male wurden seine Glockenspiele vom Rundfunk übertragen, über Kurzwelle in alle Erdteile gefunkt und von zahlreichen ausländischen Sendern übernommen. Das mechanische Glockenspiel schlug achtmal in der Stunde, zu jeder vollen Stunde erklang das geistliche Lied "Lobet den Herrn . . .", zu jeder halben Stunde das weltliche Lied "Üb immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab . . .". Die Lieder konnten zu Festtagen, zum Beispiel an Weihnachten, beliebig ausgewechselt werden.
Mit den Worten "Adieu Berlin, in Potsdam will ich sterben!" ließ sich Friedrich Wilhelm, der Erbauer der Kirche, vier Tage vor seinem Ableben von Berlin nach Potsdam bringen und wurde nach seinem Tod in der Königsgruft der Garnisonkirche beigesetzt. Sein Sohn Friedrich II. (1712 bis 1786), der "Alte Fritz", wurde später ebenfalls in der Königsgruft neben der Grabstätte seines Vaters aufgebahrt.


Die Königsgruft
Die Königsgruft hatte viele namhafte Besucher. 1806 kam Napoleon I. nach Potsdam und besuchte die Garnisonkirche. An den Gräbern soll er zu seinen französischen Marschällen gesagt haben: "Sic transit gloria mundi" (so vergeht die Herrlichkeit der Welt). Ein Jahr vorher, im November 1805, ist der russische Zar Alexander I. in Begleitung von Friedrich Wilhelm III. und Königin Louise in der Gruftkammer gewesen. Über den Gräbern der Preußenkönige soll der Freundschaftsbund zwischen dem preußischen Königspaar und dem russischen Zaren besiegelt worden sein, der zu den Freiheitskriegen gegen Napoleon führte.
Auch der Turm der Garnisonkirche mit seinem Glockenspiel wurde von zahlreichen in- und ausländischen berühmten Persönlichkeiten besucht, von Kaiser Wilhelm I., Kaiser Wilhelm II., Graf Zeppelin, dem schwedischen König, Fürsten, Diplomaten und vielen anderen. Es gab ein Turmgästebuch mit den Daten mehrerer hundert bekannter Persönlichkeiten. Dieses jahrhundertealte Gästebuch ist mit der Zerstörung der Kirche am Ende des Zweiten Weltkrieges unwiederbringlich vernichtet worden.
Die Potsdamer Garnisonkirche war ein Symbol für preußische Tugenden wie Pflichtbewußtsein, Treue, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Tapferkeit und Disziplin. Mitte April 1945, drei Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wurden von alliierten Bomberverbänden bei einem Großangriff auf Potsdam nahezu alle historischen Gebäude der Stadt und auch die weltberühmte Garnisonkirche zerstört. Die Kirchenruine hätte später vielleicht wieder instand gesetzt werden können, der Turm stand noch fast unversehrt. Aber im Juli 1968 wurde auf Anordnung der damaligen DDR-Behörden die Kirche gesprengt. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte später verurteilte das frei gewählte Parlament Potsdams den damaligen Abriß als einen Akt politischer Barbarei.


Weltkulturgut
Die UNESCO hat die Garnisonkirche als Teil des alten Potsdam als ein Weltkulturgut ersten Ranges ausgewiesen. Jetzt besteht die Chance zum Wiederaufbau, um den sich zahlreiche Organisationen bemühen. Der Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Dr. Gramlich, hat im Juni 1996 zur Spende aufgerufen, um zunächst den Turm der Garnisonkirche wiederaufzubauen. Für die Wiedererrichtung der Garnisonkirche wird um finanzielle Unterstützung gebeten. Bankverbindung: Sparkasse Iserlohn, Konto 406, BLZ 445 500 45.
Dr. med. Klaus Kornemann

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote