ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2009Börsebius: Synthia und Zinsduett

GELDANLAGE

Börsebius: Synthia und Zinsduett

Dtsch Arztebl 2009; 106(14): A-674 / B-574 / C-558

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Bankprodukte sollen klar, wahr und ehrlich sein. Nach all dem Schlamassel um strukturierte Derivate, Zertifikate vor allem, die kein Mensch mehr verstand, weder die Banker noch die Kunden, sehnen sich die Anleger nach Möglichkeiten, die auf den ersten Blick einleuchten, sicher sind, ohne jeden Schnickschnack halt. Nicht umsonst werden dem Bund seine Schatzbriefe aus den Händen gerissen.

Vorsicht ist immer dann geboten, wenn die Bank bei neuen Offerten geschwollen formuliert. Ein aktuelles Angebot der BW-Bank etwa beschwört die Attraktivität der „BW Zins Duett IHS“ mit dem „besonderen Etwas“. Diese Inhaberschuldverschreibung zahlt im ersten und zweiten Jahr jeweils gute vier Prozent. Das ist tatsächlich nicht übel. Aber: Die restlichen sechs Jahre ist der Zins (Referenzzinssatz) an den 6-Monats-Euribor (Satz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen) gekoppelt, der kann ziemlich schwanken und auch nur ein Prozent betragen. Die durchaus vorhandene Möglichkeit einer ziemlich mickrigen Rendite für die Restlaufzeit sollte den Anleger misstrauisch werden lassen.

Allerdings soll auch zugestanden werden, dass der Euribor in ein paar Jahren auch deutlich höher liegen kann.

Die „BW Zins Duett IHS“ (WKN DE000LBW2WS8) ist also nur für die Anleger etwas mit dem „besonderen Etwas“, die willens und in der Lage sind, Risiko und Chance gegeneinander auszuloten.

Etwas weniger lustig fand ich persönlich ein Angebot vom LBBW-Zertifikate-Team. Die „LBBW Synthia 911“ zahlt im ersten Jahr einen fetten Zins von sechs Prozent und in den Folgejahren bis 2013 einen Coupon von 0,911 Prozent (wie sinnig) über dem 3-Monats-Euribor.

Bei diesem Produkt handelt es sich um eine „synthetische Industrieanleihe“, das Referenzunternehmen ist hier die Porsche-Automobilholding SE, daher auch der Name Synthia 911. Ist ja alles noch so weit in Ordnung.

Aber: Sobald ein „Kreditereignis“ eintritt, kann sich die Situation des Anleihegläubigers dramatisch verschlechtern, vom Zinsausfall bis zum Totalverlust. Nun könnte der Banker vor Ort einen ja beruhigen, bei Porsche wäre „nix im Busch“, aber „Kreditereignis“ heißt nicht unbedingt Insolvenz, sondern dahinter kann sich auch eine bloße Restrukturierung verbergen. Also Risiko hochkant. Ich würde mich nicht trauen, dem Anleger so ein Produkt anzubieten. Nach all den Erfahrungen aus der Finanzkrise. Gerade die LBBW! Manche lernen es eben nie. Und manche noch später.
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