ArchivDeutsches Ärzteblatt10/1996Börsebius rund ums Geld: Stil und Form

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius rund ums Geld: Stil und Form

Rombach, Reinhold

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LNSLNSLNSLNS Werbemenschen sind ein arg geplagtes Volk. Erst recht, wenn Sie Bankprodukte unters Volk bringen müssen. Wo sich nämlich die Finanzdienstleistungen oft gleichen wie ein Ei dem nächsten, läßt sich nach den Vorstellungen mancher Texter die gewünschte Aufmerksamkeit nur wecken durch Klotzen oder dreistes Auftragen. Von der ursprünglichen Idee, mit pfiffigen Hinweisen wahrhaftig auf ein gutes Produkt hinzuweisen, sind die Werbebotschaften oft meilenweit entfernt.
Da mag man über grammatikalischen Unsinn ("Deutschlands meiste Kreditkarte") gerade noch hinwegsehen oder auch nicht, zumal die negative Streuwirkung für Schulkinder durchaus übel sein kann, oder wie wollen Sie Ihrem Sprößling mit der Chance auf nachhaltige Wirkung erklären, er solle ein besseres Deutsch pflegen, als Eurocard es zu leisten vermag?
Schlimm wird es nur, wenn es richtig peinlich wird ("Sind Sie auch schön Adig?") oder die Grenzen des guten Geschmacks eindeutig überschritten werden. Ein Paradebeispiel dafür habe ich heute der Presse entnommen. Da titelt Union Investment, das ist die Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, seine großformatige Anzeige mit dem bemerkenswerten Satz "Jetzt sind sie fällig". Dem weiteren Text entnehme ich, daß meine Berater clevere Ideen haben, wie ich mit den Fonds der Union Investment im nächsten Jahr mehr aus meinem Geld machen könne. Dann werde ich noch gefragt, ob ich denn "für eine individuelle Beratung fällig" sei.
Welch ein Aufhebens für einen schlichten Ausschüttungstermin, und welch unverfrorenes Vorgehen! Es geht ja eigentlich nur darum, daß der Fondsanleger seine in diesen Tagen fälligen Ausschüttungen wieder anlegen soll. Aber dazu brauche ich doch weder einen Hinweis, daß sie (die Ausschüttungen) fällig sind, noch daß ich für eine Beratung fällig sei.
Richtig wütend werde ich aber, wenn die Kunden für dumm verkauft werden (sollen). Gäbe es dafür einen Preis, würde ich den ohne Zögern der Landesbausparkasse verleihen. Mit dem Slogan "Jetzt aber los!" haut die LBS für die neue Bausparförderung auf den Putz und tut so, als käme hier neuerdings auf den Bausparer ein wahrer Geldsegen zu. Kein Wort davon ist wahr. Die (erhöhten) Einkommensgrenzen sind immer noch so niedrig, daß sie für die meisten Leser hier nicht in Frage kommen.
Selbst wenn: Der höchstmögliche staatliche Mehr-Ertrag durch die Förderung beträgt für Eheleute (!) schlappe 40 Mark pro Jahr. Das macht bei einer üblichen Ansparzeit von acht Jahren die Riesensumme von 320 Mark aus. Dieser Betrag reicht mal eben für eine Schubkarre und Schneeräumgerät. Aber die Entscheidung, werte Werbestrategen der LBS, zu bauen oder es zu lassen, kann damit wirklich nichts zu tun haben. Jetzt aber los! Börsebius
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