ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2009Medizinische Rehabilitation: Damit Reha-Erfolge nicht verpuffen

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Medizinische Rehabilitation: Damit Reha-Erfolge nicht verpuffen

Hibbeler, Birgit

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Foto: dpa
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Wenn eine Rehabilitations­behandlung langfristig wirken soll, muss der Patient in die Therapie­entscheidungen einbezogen werden.

Auch die beste Rehabilitations­behandlung ist nutzlos, wenn die Patienten nicht motiviert sind. Kurzfristige Erfolge verpuffen – gerade wenn es um chronische Erkrankungen geht. Denn die bekommt man oft am besten in den Griff, wenn der Betroffene seinen Lebensstil ändert, also sich zum Beispiel regelmäßig bewegt oder sich gesund ernährt. In der Reha­wissenschaft hat sich daher in den vergangenen Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass es wichtig ist, die Patienten in die Therapieentscheidungen einzubeziehen. So ist es kein Zufall, dass das 18. Rehabilitationswissenschaftliche Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Münster das Thema „Innovation in der Rehabilitation – Kommunikation und Vernetzung“ hatte.

Es gebe zwei große Trends in der Rehabilitation, erläuterte Dr. Axel Reimann, Direktor der DRV Bund. Die Patienteninformation werde immer wichtiger und somit das Gespräch mit dem Rehabilitanden. Außerdem gewinne die Vernetzung in der Nachsorge immer mehr an Bedeutung – auch durch die Telerehabilitation. Reimann zufolge ist das Bedürfnis der Patienten nach einer Einbindung in Therapieentscheidungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Rehabilitanden hinterfragten und verlangten Erklärungen. „Das ist eine Herausforderung für Ärzte und Therapeuten“, erklärte er, betonte aber zugleich, dass in diesem Trend eine große Chance liege. Denn die Compliance steige, wenn man die Patienten einbinde. Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Schwartz, Hannover, bestätigte, dass der Wunsch nach Beteiligung zugenommen habe. Ein mündiger Rehabilitand sei oftmals zugleich ein motivierter. Ohnehin sei die Patientenorientierung ein Grundsatz im Sozialgesetzbuch IX und somit im Rehabilitationsrecht verankert.

Eine Möglichkeit, den Patienten einzubeziehen, ist die Zielvereinbarung. Das heißt, Behandler und Rehabilitand erarbeiten gemeinsam Therapieziele. Der Patient bekommt so eine aktive Rolle. Der Arzt erkennt im Gespräch außerdem, wenn der Rehabilitand mit falschen Erwartungen in die Klinik kommt und kann diese frühzeitig thematisieren. Die Erfahrung zeigt jedoch auch, dass viele Patienten Schwierigkeiten haben, Ziele zu formulieren. Hinzu kommt: Viele Ärzte halten es aus zeitlichen und organisatorischen Gründen für unrealistisch, Vereinbarungen zu schließen.

„In Rehakliniken gibt es oft keine konsequente Zielorientierung“, sagte Susanne Dibbelt, Bad Rothenfelde. Allerdings zeige eine Erhebung im Rahmen des von der DRV geförderten Projekts zur partizipativen Zielvereinbarung „ParZivar“, dass die Patienten oftmals sehr wohl Ziele hätten, wie etwa „zu Kräften kommen“. Diese müssten dann im Gespräch konkretisiert und schriftlich festgehalten werden, damit am Ende der Reha bilanziert werden könne. Eine Zielvereinbarung sei ein zentraler Qualitätsaspekt in der Rehabilitation. Doch wie geht der Arzt bei der Vereinbarung am besten vor? Wie kann man ihn dafür schulen? In Rahmen von ParZivar wird dazu ein Konzept entwickelt und evaluiert. Die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten soll verbessert werden.

Nicht nur die Kommunikation in den Rehakliniken ist entscheidend für den Behandlungserfolg, sondern ebenfalls die Vernetzung mit Haus- und Betriebsärzten. Das gilt vor allem für die Nachsorge. Aber auch in der Prävention zahlt sich eine gute Kooperation aus. Über das Konzept einer vorbeugenden „Freizeit-Reha“ bei Mitarbeitern der Stadtwerke Osnabrück berichtete die Betriebsärztin Dr. med. Christina Raster. Die Beschäftigten erhielten über neun Wochen an einem Werktag nach Feierabend und am Samstag ein individuelles Training sowie Informationen zur Rückengesundheit und zum Lebensstil. Die Erfahrungen sind positiv. Ein Folgeprojekt mit dem Namen „Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern“ (BETSI) gibt es bereits.
Dr. med. Birgit Hibbeler
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